Umfassende Talentförderung in der Schule!

Nachwuchs

HSG Wetzlar und Liebigschule Gießen kooperieren - Jochen Beppler besetzt Lehrer-Trainer-Stelle

Die Vision von Carsten Scherließ ist, dass die Sportklassen der Liebigschule Gießen als reine Ballsportklassen besetzt sind. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Doch der erste Schritt dorthin – und zu einem Schulsportzentrum Gießen – ist gemacht. Der Schulleiter der „Lio“ als „Partnerschule des Leistungssports“ unterzeichnete gestern einen Kooperationsvertrag für die Sportart Handball. Die aktuellen Partner sind das Staatliche Schulamt für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis, der Hessische Handballverband (HHV) und die beiden heimischen Spitzenclubs HSG Wetzlar und TV Hüttenberg. Die Sportarten Fußball und Basketball sollen in absehbarer Zeit mit ähnlichen Kontrakten folgen. 

Scherließ betonte dabei, dass die Liebigschule „ambitioniert ist in Sachen Sport“ und dem Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ einen großen Stellenwert beimesse. Das zeige sich an der aktuellen Teilnahme der Lio-Leichtathleten am Bundesfinale in Berlin. Neuen Schub hat die Schule durch den stadtinternen Wechsel von Sportlehrer Jochen Beppler von der Herder- zur Liebigschule erhalten (wobei Beppler aber weiter Gruppen an der Herderschule betreut). Zudem verfügt die Lio mit Elena (Leonte-)Grölz bereits über eine exponierte Vertreterin des Ballwurfspiels, die seit 1988 eine Lehrer-Trainer-Stelle besetzt und viel mit Grundschulen im Umland zusammenarbeitet.

Auch für Rolf Mai, den Präsidenten des Hessischen Handballverbandes (HHV), ist die Kooperation nur ein „Zwischenschritt“. Eine Initiative zu einem Zentrum über Einzelsportarten hinweg sei allerdings „erst in den Anfängen“. Für Uwe Wieloch, den Vizepräsidenten Jugend im HHV, geht es bei dieser Kooperation auch darum, die Vereine aus dem Bezirk Gießen „ins Boot zu holen“. Ein Aspekt, der auch von anderen Beteiligten betont wurde. So unterstrich Mai, dass die Schulsportzentren „kein Konkurrenzunternehmen für Vereine“ sein sollen, sondern diese vielmehr in ihrer Nachwuchsarbeit unterstützen könnten. „Wir sind gehalten, die Verankerung in der Fläche aufrechtzuerhalten“, sagte Arno Jung von der HSG Wetzlar. Auch für Eberhard Lang muss man „die kleinen Vereine bedenken“, denn ohne eine Breite sei keine Spitze möglich.

In dieses Horn bliesen auch die Schulvertreter. „Es geht nur durch eine echte Verzahnung mit der Region“, sagte Scherließ, während Gerald Moos als Schulsportkoordinator die Schule als wichtige „Nahtstelle für Schüler mit dem Leistungssport“ herausstellte.

Für Jochen Beppler ist wichtig, dass durch die Kooperation eine bessere Abstimmung der Beteiligten möglich ist. Er sagt zwar, „ein Internat wäre das Optimum“, weiß aber, dass das derzeit nicht möglich ist. Aber auch mit den Möglichkeiten vor Ort sei einiges möglich. Beispielsweise Vormittagstraining für die besonders talentierten Schüler, keine Klassenarbeiten an Montagen nach Wettkampf-Wochenenden oder sportgerechte Ernährung, was durch die Lio-Cafeteria möglich sei. Alle Parteien erwarten als Folge dieser Kooperation, dass zum nächsten Schuljahr entsprechende Schulwechsel (ab der fünften Klasse oder später) stattfinden werden. Was ein kleiner Schritt hin zur Erfüllung der Vision von Carsten Scherließ wäre.

Quelle: Gießener Anzeiger