… und vorne hilft der liebe Fäth

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar ringt Hannover-Burgdorf im Abstiegskrimi nieder

Handball-Bundesligist HSG Wetzlar hat das »Abstiegskrampfspiel« gegen den TSV Hannover-Burgdorf gewonnen. Steffen Fäth erzielte mit dem Schlusspfiff der Partie in Wetzlar den 20:19 (11:13)-Endstand...

Steffen Fäth wusste nicht, was er sagen sollte. Und dann schüttete ihm Philipp Müller auch noch einen ordentlichen Schluck aus seiner Getränkeflasche über den Kopf, sodass der »Held des Abends« vor den Kameras für einige Augenblicke aussah wie ein begossener Pudel. Doch wenige Minuten zuvor hatte der Rückraumspieler der HSG Wetzlar den freien Fall seiner Mannschaft in der Handball-Bundesliga praktisch im Alleingang gestoppt. Mit insgesamt drei Treffern in Folge glich er den 17:19-Rückstand (57.) im Abstiegskrampfspiel gegen den TSV Hannover-Burgdorf zunächst aus, um dann mit dem Schlusspfiff sogar noch den Siegtreffer der »Grün-Weißen« hinterher zu werfen, die nach sechs Niederlagen in Folge am Dienstag mit dem 20:19 (11:13) vor 3781 unermüdlich anfeuernden Fans endlich wieder ein Erfolgserlebnis feierten und sich damit im Kampf um den Klassenerhalt ein immens bedeutsames Punktepaar schnappen konnten.

Die Wetzlarern tanzten und sangen, lachten und umarmten sich. »Es war ein reiner Krampf. Wir haben uns diese Punkte erkämpft. Wir brauchten genau so einen dreckigen Sieg. Jetzt geht es aufwärts«, jubelte Alois Mraz nach der Partie, über die HSG-Geschäftsführer Björn Seipp später sagen sollte: »Man musste auf der Tribüne sehr stark sein, um das ertragen zu können«. Wetzlars neuer Trainer Kai Wandschneider, der nach seinem ersten Heimspiel mit seiner Mannschaft die Fäuste ballte, erklärte: »Das war eine Achterbahnfahrt durch sämtliche Gefühlslagen und ein Paradebeispiel für Angst fressen Seele auf. Ich bin heilfroh, dass unser Abwärtstrend gestoppt wurde«.

Dies hatte er im Wesentlichen drei Spielern zu verdanken. Linkshänder Daniel Valo hielt die gehemmt und verunsichert wirkenden Gastgeber, die nur beim 3:2 (7.) und beim 20:19 am Schluss führten, im ersten Durchgang im Spiel, im zweiten Abschnitt war es Keeper Nikolai Weber, der die drohende Heimniederlage, die zweifellos verheerende Folgen im Abstiegskampf gehabt hätte, abwenden konnte. Und am Ende war es dann Fäth, der die Treffer 18, 19 und 20 besorgte.

Keeper Weber hatte zuvor zwischen der 36. Minute und dem 17:13 für Hannover durch Torge Johannsen und der 54. Minute und dem 18:16 für den TSV durch Asgeir-Örn Hallgrimsson 18 Minuten lang keinen Treffer zugelassen, was allerdings durchaus auch am Unvermögen der Gäste und einer sich in dieser Phase in einen Rausch verteidigenden Wetzlarer Abwehr lag. Eine weitere Großtat Webers war dann die Siebenmeterparade gegen Lars Lehnhoff in der 59. Minute, als dieser so die großartige Möglichkeit vergab, Hannover zumindest einen Zähler zu sichern. »Wir haben einfach das Tor nicht mehr getroffen und das zählt beim Handball nun mal«, wunderte sich TSV-Coach Christopher Nordmeyer hernach nicht über die Niederlage. 

Eine große Portion Glück hatte Wetzlar dann noch einmal 45 Sekunden vor dem Ende, als ein Schlagwurf des Dänen Morton Olsen an den Pfosten klatschte. Weber war in dieser Situation schon geschlagen.

Die erste Hälfte war zunächst einigermaßen ausgeglichen, allerdings war schon früh klar, dass beide Mannschaften Probleme mit dem großen Druck hatten, der im Abstiegskampf auf ihnen lastet. Viele Fehler, wenig Tempo, keine zündenden Ideen. Von Wandschneiders Motto, den Gegner mit aggressivem Abwehrverhalten und einer hohen Geschwindigkeit beim Umschalten unter Druck setzen zu wollen, war nichts zu sehen. Zudem hatte auch Keeper Weber in der Anfangsphase wenig gute Szenen und hätte wohl seinem Kollegen Nikola Marinovic weichen müssen, wenn der hätte eingesetzt werden können. Doch wegen einer schweren Augenverletzung, die sich der Österreicher im Training zugezogen hatte, musst er passen und wird der HSG wohl in den nächsten entscheidenden drei bis vier Wochen fehlen. 

Hannover konnte sich nach dem 10:10 (27./Mraz) absetzen und ging mit einer 13:11-Führung in die Kabine. Auch nach dem Wechsel blieb der TSV am Drücker und sahen beim 17:13 (36.) schon wie der Sieger aus. Letztlich war es aber ein Doppelschlag von Valo (40./41) zum 16:17-Anschluss, der in der Rittal-Arena wie eine Initialzündung wirkte. Endlich war Stimmung auf dem Feld. Weber vernagelte nun seinen Kasten, die Abwehr spielte sich in einen Rausch – und vorne half der liebe Fäth. Doch bis der endlich traf und das Spiel entschied wurden die Zuschauer lange auf die Folter gespannt. Die meisten Angriffe endeten eher erbärmlich. Wandschneider sah sich sogar gezwungen seinen verunsicherten Akteuren mit einem siebten Feldspieler unter die Arme zu greifen, dies war mutig, ungewöhnlich, doch es fruchtete nicht. Beinahe hätte Hannover durch Hallgrimsson bei einem Konter sogar auf das leere Tor geworfen, doch die gefühlten 20 Fehlwürfe des TSV hatten auch bei dem Isländer Wirkung hinterlassen und er zog zurück.

HSG Wetzlar: Weber, Christian (n.e.); Schmidt, Rompf (n.e.), Müller, Fäth (4), Mraz (2), Salzer, Harmandic, Valo (7), Friedrich (2/2), Jungwirth (2), Kristjansson (1), Chalkidis (2).

TSV Hannover-Burgdorf: Weiner (n.e.), Puljezevic (); Johannsen (3), Clößner (n.e.), Jonsson, Hallgrimsson (1), Buschmann (2), Lehnhoff (6/2), Rydergard, Przybecki (3), Szücs (2), Svavarsson, Olsen (1).

Im Stenogramm: SR: Hartmann/Schneider (Magdeburg). – Z.: 3781. – Zeitstrafen: 10:6 Minuten. – Siebenmeter: 2/2:2/3.

Quelle: Gießener Allgemeine