Viele Platzpatronen lassen Zebrajagd scheitern

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HSG Wetzlar verpasst Sensation gegen einen schwachen Spitzenreiter THW Kiel

Selten war die Chance so groß wie gestern Abend, dem immer noch verlustpunktfreien Spitzenreiter der Handball-Bundesliga ein Bein zu stellen. Trotz einer deutlichen Leistungssteigerung gegenüber den jüngsten Partien schaffte es die HSG Wetzlar nicht, dem sich äußerst schwach präsentierenden THW Kiel einen oder gar zwei Punkte abzuluchsen. Die knappe 24:28 (11:13)-Niederlage hatten sich die Gastgeber letztlich aufgrund einer hohen Zahl technischer Fehler selbst zuzuschreiben.

 

Dabei fing die Begegnung mit der erwarteten Kieler Offensive an. Schnell führten die Gäste dank der Wurfkraft von Christian Zeitz und Daniel Narcisse 3:0, doch in ihrer Defensive zeigten die Norddeutschen erste Lücken. Die Kieler 3:2:1-Abwehrformation fand keine Einstellung gegen das jetzt flotte Passspiel der Hausherren, die unter dem Jubel des Publikums nicht nur den 5:5-Ausgleich erzielten, sondern durch Kari Kristjansson gar 6:5 in Führung gingen. Prompt legte THW-Coach Alfred Gislason schon nach 14 Minuten den grünen Karton auf den Zeitnehmertisch, um seinen Mitarbeitern die Leviten zu lesen. Doch außer der Umstellung auf die 6:0-Variante rissen die THWler weiterhin keine Bäume aus.

Wo war es geblieben, das schnelle Kieler Angriffsspiel mit tollen Ballpassagen und technischen Kabinettstückchen des Ligaprimus? Nach dem Wetzlarer 8:7 (Kristjansson, 17.) hatten es die Gäste allein den Unzulänglichkeiten der Hausherren zu verdanken, dass sie deren Ballgeschenke zu einer 11:8-Führung (Sprenger, 21.) nutzen konnten. Als die Chalepo-Truppe ihren achtminütigen Blackout beendet hatte, zeigte sich die Verletzlichkeit der Kieler an diesem Abend. Drei erfolgreiche Angriffe in Folge brachten die Mittelhessen auf 11:12 (Müller, 27.) heran, doch Chalkidis‘ Fehlversuch und Omeyers Paraden gegen Valo und Müller verhinderten einen engeren Pausenstand als das 11:13.

Auch im zweiten Durchgang scheiterte eine erfolgreiche Zebrajagd der HSG an den eigenen vielen Platzpatronen. Immer, wenn die Möglichkeit bestand, die Begegnung zu kippen, leisteten sich die Lahnstädter haarsträubende Eigenfehler, Missverständnisse und Unkonzentriertheiten. Dabei waren die Kieler keinen Deut besser. Unzufrieden mit ihrer schwachen Vorstellung zeigten sie Nerven. Zunächst musste Filip Jicha zwei Minuten auf die Bank, dann folgte Christian Sprenger, und als „Buhmann“ Zeitz ebenfalls vom Feld musste, standen plötzlich mit Palmarsson, Klein und Narcisse nur drei THWler auf dem Parkett. Doch die Wetzlarer konnten die Gunst des Augenblicks nicht nutzen. Wieder ein Fehlpass von Alois Mraz, wieder ein überhasteter Wurf, der Beute von Thierry Omeyer wurde, und schon behielten die Norddeutschen ihren Vier-Tore-Vorsprung (19:23, Sprenger, 50.) bei.

Trotz der dritten Zeitstrafe für HSG-Kanonier Müller hielten die Gastgeber dagegen. Drei erfolgreiche Angriffe bedeuteten acht Minuten vor dem Ende den 22:23-Anschluss, weil auch auf der Gegenseite Nikolai Weber im HSG-Tor den THW-Schützen nun immer öfter Paroli bot. Die Norddeutschen mussten schon ihre individuelle Klasse in Form von Einzelaktionen von Jicha oder Narcisse in die Waagschale werfen, um die Mittelhessen in Zaum zu halten. Bereits drei Minuten vor dem Abpfiff stand das 24:28-Endresultat fest, weil die Hausherren ihre letzten vier Angriffe „versemmelten“ und die Kieler bei ihren Abschlüssen an „Niko“ Weber scheiterten.

„Über die zwei Punkte bin ich heute richtig froh“, gestand nach der Partie Alfred Gislason ein. Die Ausfälle von Marcus Ahlm (Anriss des Innenbandes im Knie) und Kim Andersson (Unterleibsverletzung) hatten sich auf die Spielweise seiner Truppe negativer ausgewirkt als zunächst erwartet. Für Trainer-Kollege Gennadij Chalepo war bei der HSG Wetzlar „eine deutliche Leistungssteigerung erkennbar“, doch die vielen technischen Fehler und das schlechte Überzahlspiel hätten ein besseres Ergebnis verhindert.“

Ulrich G. Monz