Vor dem Kiel-Spiel zum Rapport

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HSG nimmt Mannschaft in die Pflicht "Schlimmstenfalls werden wir vorgeführt"

Handball-Mittelhessen fiebert dem Gastspiel der besten Mannschaft der stärksten Liga der Welt entgegen - die Verantwortlichen von Gastgeber HSG Wetzlar haben einen dicken Hals. Vor der Partie gegen den THW Kiel morgen Abend (20.15 Uhr) in der wahrscheinlich ausverkauften Rittal-Arena mussten die Grün-Weißen zum Rapport.

 

Dass die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen ihre zuletzt sechsmal hintereinander sieglosen Profis noch einmal besonders in die Pflicht genommen hat, lag nicht an der bevorstehenden unmöglichen Mission gegen den übermächtigen Bundesliga-Tabellenführer. "Das ist die erste Aufgabe dieser Saison, bei der wir nichts falsch machen können", genießt Manfred Thielmann "ganz gelassen" die Außenseiterrolle. Andererseits weiß auch der Aufsichtsratssprecher, dass der attraktivste Gegner der Klasse zur Unzeit an die Lahn kommt: "Schlimmstenfalls werden wir vorgeführt." Dabei bräuchte die HSG dringend ein Aha-Erlebnis und keine Herkulesaufgabe.

Trainer Alfred Gislason muss vier Wochen auf Kapitän Marcus Ahlm verzichten

Seit dem 33:28 über Aufsteiger Bergischer HC am 2. Oktober haben die Schützlinge von Trainer Gennadij Chalepo nicht mehr gewonnen. Was aber fast noch schwerer wiegt: "Die Art und Weise, wie wir die letzten Spiele innerhalb von zehn schwachen Minuten hergeschenkt haben", so Thielmann.

Nach der jüngsten 24:30-Pleite bei der TSV Hannover-Burgdorf sahen die Verantwortlichen Redebedarf und bestellten die Mannschaft am Sonntagnachmittag ein. "Unsere Zuschauer müssen erkennen, dass die Spieler ihren Beruf erfüllen", gab der Geschäftsführer von Gimmler-Reisen den Handballern nicht nur mit auf den Weg zum Spiel gegen Kiel. Die wirklich brisanten Aufgaben beginnen mit der folgenden Partie bei der MT Melsungen mit Wetzlars Ex-Trainer Michael Roth. "Es war ein vernünftiges und gutes Gespräch ohne Aufregung. Aber wir sind unter echten Jungs auch etwas deutlicher geworden", machte Thielmann klar, dass Tacheles geredet wurde. Klare Worte richtete er auch an die Adresse seiner Aufsichtsratskollegen: "Ich versuche auf sie einzuwirken, dass jedes andere Ziel als Klassenerhalt illusorisch ist. Und der Kampf gegen den Abstieg hat nicht jetzt, sondern am ersten Spieltag begonnen."

Trainer Chalepo, der an der Aussprache teilnahm und von Thielmann ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen bekam, brauchte vor seinem Team über Kiel nicht viele Worte verlieren. "Wir müssen mit Kopf spielen und mit Geduld angreifen, um die schnellen Konter zu verhindern und ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen", setzt der 42-jährige morgen Abend gegen "eine der besten Mannschaften der Welt" auf Schadensbegrenzung. Dass die bereits gestern angereisten Stars - von Torhüter Thierry Omeyer über dessen französischen Landsmann Daniel Narcisse und Torjäger Filip Jicha bis zu den deutschen Assen Christian Zeitz, Dominik Klein oder Christian Sprenger - die Aufgabe auf die leichte Schulter nehmen, glaubt bei der HSG niemand. Dabei kommt der Rekordmeister ohne seinen Kapitän Marcus Ahlm in die Rittal-Arena, seit deren Eröffnung die "Zebras" alle Partien bei der HSG gewonnen haben. Nach eingehenden Untersuchungen wurde bei dem schwedischen Kreisläufer gestern eine Innenbandverletzung im rechten Knie diagnostiziert. "Der Ausfall von Marcus trifft uns hart", erklärte THW-Trainer Alfred Gislason, der vermutlich vier Wochen auf Ahlm verzichten muss.

"Wir werden keinen Gegner in der Liga unterschätzen, auch nicht Wetzlar", betonte Kiels isländischer Trainer, dessen Star-Ensemble mit zwölf Siegen in zwölf Spielen einsam die Tabelle anführt. In der vergangenen Saison triumphierte der 16-malige Meister an der Lahn deutlich mit 32:24. Das war der 17. Sieg des zweifachen Champions-League-Gewinners gegen die HSG in Folge.

"Unserer Mannschaft muss bewusst sein, dass sie vor 4000 Zuschauern spielt", fordert Manfred Thielmann ganz unabhängig vom Ergebnis Werbung in eigener Sache. Gestern gab es nur noch wenige Restkarten.

Thomas Hain