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DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar unterliegt dem THW Kiel 26:27 - Offene Partie mit glücklichem Sieger.

Die ausverkaufte Rittal Arena stand Kopf, als Kapitän Michael Müller 1:58 Minuten vor dem Ende der Partie gegen den amtierenden Triple-Gewinner THW Kiel zum 26:27-Anschluss einnetzte und gleichzeitig eine Zwei-Minuten-Strafe gegen den Kieler Dominik Klein „zog“. Knapp 120 Sekunden hatten die Schützlinge von Trainer Kai Wandschneider nun in Überzahl Zeit, das Spiel zu einem guten Ende für die HSG Wetzlar zu bringen und sich einen verdienten Punkt – vielleicht sogar mehr – zu ergattern. Torhüter Nikola Marinovic hielt dann auch den Wurf der Kieler, doch im letzten Angriff schafften es die Hausherren nicht, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen und mussten sich unter dem Strich mit der bitteren 26:27-Niederlage abfinden.

Dass es in der Schlussphase überhaupt noch so spannend geworden war, hatten die Grün-Weißen ihrer berühmt-berüchtigten 3:3-Abwehrformation zu verdanken, die schon zu Saisonbeginn den einen oder anderen Punkt gesichert, seitdem aber vergebens auf weitere Einsätze gewartet hatte. Denn beim 24:27 nach 55 Minuten hatten wohl nur noch die wenigsten der 4412 Zuschauer an ein gutes Ende für ihr Heimteam geglaubt. Anders Trainer Wandscheider, der trotz der Niederlage mit dem Auftreten seines Teams zufrieden war: „Wir haben 60 Minuten gekämpft, zu jeder Deckungsformation von Kiel eine Lösung gefunden, deswegen muss ich der Mannschaft ein riesen Kompliment machen. Sie hat gezeigt, dass sie nicht durch Zufall da steht, wo sie steht“, beschrieb der Trainerfuchs die abgelaufenen 60 Minuten, in denen die Hausherren über weite Strecken der ersten Halbzeit der Partie ihren Stempel aufgedrückt und mehrfach mit drei Toren Vorsprung (4:1/8., 6:3/10., 8:5/14.) geführt hatten. Grundlage dafür war die hervorragende Deckungsarbeit, bei der sich vor allem der Mittelblock Mraz/Tiedtke, sowie Torwart Nikolai Weber auszeichnen konnte. Der Vize-Kapitän hielt in den ersten 30 Minuten neun Bälle und hatte großen Anteil daran, dass die HSG nach einer Schwächephase gegen Ende der ersten Halbzeit „nur“ mit 13:14 in die Halbzeit ging.

Für den THW, die „Übermannschaft“ der letzten Jahre, war es das erwartet schwere Spiel. Dies räumte auch Coach Alfred Gislason ein: „Es war uns von vorne herein klar, dass es ein schweres Spiel werden würde. Die HSG spielt eine gute Saison – dafür alle Achtung! Wir hatten nach der Niederlage gegen Melsungen etwas gutzumachen, das haben wir geschafft. Deswegen bin ich sehr zufrieden und stolz“, erklärte der isländische Erfolgscoach, der im Angriff auf Filip Jicha verzichten musste. „Vertreter“ Momir Ilic machte seine Sache aber nur unbedeutend schlechter. Mit vier Toren in Folge sorgte der Serbe dafür, dass sich der THW von 21:21 auf 25:22 (48.) absetzen konnte.

Ein anderer entscheidender Faktor war, dass die HSG Wetzlar mit zunehmender Spieldauer einige leichte Ballverluste zu verzeichnen hatte. Ohne den gesperrten Philipp Müller und mit einem angeschlagenen Daniel Valo fehlten den Hausherren gegen Ende der Begegnung die Alternativen im Rückraum, die mit frischen Akzenten die Abwehr des THW und die beiden enttäuschenden Keepern Andreas Palicka und Thierry Omeyer in Bedrängnis hätten bringen können.

„Ich hasse Niederlagen, aber der THW Kiel ist das Maß aller Dinge im Handball. Deswegen bin ich mit dem Spiel unserer Mannschaft zufrieden“, schloss Coach Wandschneider. Geschäftsführer Björn Seipp schlug in die gleiche Kerbe: „Die Jungs haben 100 Prozent gegeben und werden trotz der Niederlage viel Kraft aus diesem Spiel ziehen.“ 

HSG Wetzlar: Weber (1.-47.), Marinovic (47.-60.); Schmidt (5/1), Fridgeirsson, Tiedtke (4), Rompf (n.e.), Valo (2), Mraz (1), Reichmann (2), Fäth (4), Michael Müller (6), Hahn (n.e.), Harmandic (2/2), Kristjansson.

THW Kiel: Omeyer (1.-10., 19.-41., 59.-60), Palicka (10.-18., 41.-59.); Toft Hansen, Sigurdsson (1), Sprenger (3), Ahlm (2), Zeitz (4), Palmarsson (4), Narcisse (2), Ilic (5), Klein, Vujin (3/1), Ekberg (1/1), Jicha (2).

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Immel/Klein. – Zuschauer: 4412 (ausverkauft). – Siebenmeter: 4/2:5/2. – Zeitstrafen: 4:4 Minuten.

 

Stimmen zum Spiel:

Niko Weber: „Das Spiel verloren zu haben, ist sehr ärgerlich – ich denke, ein Punkt wäre verdient gewesen. Wir spielen eine großartige Saison und hatten an uns selber den Anspruch hier nicht mit zehn Toren zu verlieren. Wenn uns vor der Spielzeit jemand gesagt hätte, dass wir so ein Spiel gegen Kiel bestreiten, hätten wir das wahrscheinlich unterschrieben. So ist es jetzt sehr bitter. Wir haben uns richtig in die Partie gefightet, aber bereits in der ersten Halbzeit einige Big Points ausgelassen, was der THW mit ihrer Weltklassemannschaft eiskalt ausgenutzt hat.“

Tobi Reichmann: „Das war für mich natürlich ein ganz besonderes Spiel, weil ich drei Jahre in Kiel aktiv war. Deswegen war ich auch vor der Partie ein bisschen aufgeregt oder nervös. Ich hab mich sehr gefreut, meine alten Kollegen wiederzusehen, auch wenn ich heute natürlich lieber gewonnen hätte, als mit einem Tor zu verlieren.“

Kevin Schmidt: „Wir haben gut ins Spiel gefunden und uns dadurch Selbstvertrauen geholt. Leider haben wir in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit einige Bälle verspielt und uns ein besseres Ergebnis verbaut. Kiel hat in Halbzeit zwei seinen Stil runtergespielt. Trotzdem sind wir durch die gute 3:3-Deckung nochmal rangekommen. In den entscheidenden Situationen war der THW dann abgezockter und konnte von der Bank heute mehr bieten.“