„Wahnsinn, unglaublich, einfach geil!“ Wetzlar bricht Bann gegen Kiel

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DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen feiern 27:24-Erfolg gegen Rekordmeister vor 4.311 Zuschauern in der Rittal Arena – Nach 27 Niederlagen in Folge erster Sieg gegen „Zebras“

Es war bereits in der 51. Spielminute als sich am gestrigen Dienstagabend die stimmungsgewaltigen Fans der HSG Wetzlar von ihren Sitzen erhoben, um ihrer Mannschaft im eigentlich ungleichen Duell mit dem Rekordmeister THW Kiel ihren Respekt für eine starke Leistung zu zollen. Kurz davor hatte Neuzugang Kasper Kvist per Tempogegenstoß zum 24:18 für die Grün-Weißen getroffen und auch für Trainer Kai Wandschneider war, so gab er in der anschließenden Pressekonferenz zu, spätestens da klar, dass der Sensationssieg gegen die „Zebras“ unter Dach und Fach war. Der ansonsten wortgewandte HSG-Neuzugang Philipp Weber konnte nach dem Schlusspfiff und dem 27:24-Endstand sein Glück kaum fassen. „Als die Zuschauer aufgestanden sind, um uns zu feiern, da habe ich Gänsehaut bekommen“; so der vierfache Torschütze. „Solch ein Spiel und eine solche Stimmung in einer Halle habe ich noch nie erlebt!“ 

Rechtsaußen Tobias Hahn, der bei vier Versuchen gegen seinen ehemaligen Mannschaftskammeraden Andreas Wolff viermal traf, analysierte es treffend: „Jeder von uns hat heute über 60 Minuten eine konzentrierte Leistung gebracht und wir haben Kiel als Team bezwungen.“ Nach 27 Niederlagen gegen den THW in Folge, konnten die Mittelhessen am gestrigen Abend „endlich“ den Bann brechen. Aus einer geschlossenen Mannschaftsleistung ragte jedoch ein Mann heraus – Torhüter Benjamin Buric, der im Sommer vom slowenischen Topklub Gorenje Velenje nach Wetzlar gewechselt war. Der 25-jährige hatte über 60 Minuten die Kieler Angreifer zur Verzweiflung gebracht und insgesamt 20 Würfe pariert. „Seine überragende Leistung war der Grundstein für unseren Sieg“, so Kai Wandschneider. „Meine Vorderleute haben es mir mit ihrer tollen Arbeit aber auch einfacher gemacht, die Bälle zu halten“, gab sich der bosnische Torhüter, der das Duell mit seinem Vorgänger Andreas Wolff klar für sich entschied, bescheiden.

Das vielleicht größte Lob erhielten die Domstädter nach dem Spiel von Gästetrainer Alfred Gislason. „Meine Mannschaft hat gekämpft, aber wir sind heute an einem Gegner gescheitert, der einfach besser war“, so der Isländer gewohnt sportlich fair. Sein Wetzlarer Gegenüber Kai Wandschneider strahlte dagegen mit seinen Spielern um die Wette. „Für mich war es heute das 17. Spiel gegen den THW Kiel und der erste Sieg. Ich bin froh und stolz, dass ich diesen mit Wetzlar feiern darf“, so der 56-jährige, der auch ein Sonderlob an den achtfachen Torschützen Vladan Lipovina verteilte. Der rechte Rückraumspieler hatte einen „Sahnetag“ erwischt und gleich acht Treffer für sein Team erzielt, sieben davon in der zweiten Halbzeit. „Vladan hat uns in der Crunshtime den entscheidenden Impuls im Angriff gegeben und ich freue mich für ihn, dass er seine gute Saisonvorbereitung in diesem Spiel bestätigt hat“, so Wandschneider.   

Eine besondere „Story“ lieferte dann noch Kasper Kvist. Für den dänischen Neuzugang, der von den Mittelhessen als Ersatz für den am Kreuzband verletzten Maximilian Holst verpflichtet worden war, traf die Spielgenehmigung erst wenige Stunden vor der Partie ein und der 27-jährige feierte in der mit 4.311 Zuschauern besetzten Rittal Arena einen Einstand nach Maß. „Es ist einfach nur crazy“, jubelte Kvist nach dem Schlusspfiff. Zuvor hatte der Debütant gleich viermal getroffen und zwei wichtige Steals in der Abwehr verbuchen können. „Ich bin überglücklich hier in Wetzlar sein zu dürfen. Vor dem Spiel war ich natürlich aufgeregt, aber nicht besonders nervös. Die Trainer und meine Mannschaftskammeraden haben mir sofort viel Vertrauen geschenkt und mir meinen Einstand einfach gemacht“, so der Däne. „Kasper hat eine hohe Qualität, die wichtig ist für unser Spiel. Ich freue mich für ihn, dass er hier direkt gut angekommen ist“, so Coach Wandschneider, der nunmehr hofft, dass der neue Mann auf dem linken Flügel seine Form konserviert.