Wandschneider: "Bei uns hat die Einstellung nicht gestimmt"

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar muss nach dem 30:33 beim VfL Bad Schwartau den Traum vom DHB-Pokal-Final-Four begraben / Valo und Mraz verletzt

Knapp 70 Kilometer nordöstlich von Hamburg ist der Traum vom dritten DHB-Pokal-Final-Four in der Hansestadt für die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar geplatzt.

In Lübeck unterlagen die Grün-Weißen gegen den Zweitligisten VfL Bad Schwartau völlig überraschend mit 30:33 (12:14) . Eine Blamage für den in dieser Saison bislang so groß auftrumpfenden Tabellenfünften der ersten Liga.

Ein "restlos enttäuschter" Trainer Kai Wandschneider fand nach der Niederlage in der Hansehalle deutliche Worte: "Das erste Mal in dieser Runde muss ich sagen, dass bei meinen Spielern die Einstellung nicht gestimmt hat", schimpfte der 52-Jährige, der im Vorfeld gebetsmühlenartig vor den Gastgebern gewarnt hatte.

Zu Beginn lief es noch für die Grün-Weißen, die in der Neuauflage des DHB-Pokal-Endspiels von 2001 einen ordentlichen Start erwischten. Nach fünf Minuten erzielte Tobias Reichmann die 4:2-Führung, Philipp Müller erhöhte wenig später auf 6:3 (8.). Diesen Drei-Tore-Vorsprung behauptete der Favorit bis zur 20. Minute, als Daniel Valo das 12:9 besorgte. Doch schon zu diesem Zeitpunkt schlichen sich zahlreiche Unkonzentriertheiten in das Spiel der Gäste ein. "Wir hätten viel höher führen müssen", sagte Wandschneider. Diese Unzulänglichkeiten bauten den Gegner mehr und mehr auf. Den Grün-Weißen gelang bis zur Pause kein Treffer mehr und hinten wurden sie immer anfälliger. Die Gastgeber, die in der 2. Bundesliga auf dem zehnten Tabellenplatz stehen, drehten die Partie und gingen mit 14:12 in Front.

Im zweiten Durchgang setzten sich die Probleme des Favoriten fort. Zwar gelang Nationalspieler Michael Müller mit seinem ersten Treffer der 18:18-Ausgleich (40.), doch zur Wende reichte es dennoch nicht. Die Bad Schwartauer wehrten sich mit allen Mitteln, zeigten eine imponierende Einstellung und machten die individuelle Unterlegenheit durch Leidenschaft und Einsatzwillen wett.

Torhüter parieren nur sechs Bälle

Und sie gewannen das Duell der Torhüter deutlich. Der eingewechselte Tobias Mahncke entschärfte reihenweise Würfe der HSG-Spieler, während auf Seiten des Bundesligisten weder Nikolai Weber noch der zuletzt in Magdeburg überragende Nikola Marinovic zu ihrer Form fanden. Sechs Bälle parierte das Duo in 60 Minuten. "Da wird es dann einfach schwer zu gewinnen", sagte Wandschneider, fügte jedoch gleich hinzu: "Es lag aber nicht allein an unseren Torhütern. Wir haben kollektiv versagt."

Denn egal, was der Coach auch probierte, es funktionierte nicht. Eine Viertelstunde vor Schluss änderte der Diplom-Sportlehrer die Abwehr von einer 6:0-Formation auf die offensivere 3:3-Variante. Doch auch hier verloren die Wetzlarer die entscheidenden Zweikämpfe. Nachdem der gute Christian Rompf das 24:25 erzielt hatte (51.), brachen alle Dämme. Der Underdog aus der Marmeladenstadt enteilte auf 31:26 (57.) und hatte die Pokalsensation damit perfekt gemacht.

Für die HSG Wetzlar war es wieder einmal eine bittere Reise an die Ostsee. Schon in den vier gemeinsamen Bundesliga-Jahren gab es gegen den VfL keinen Sieg. Gestern kam zu der erneuten Niederlage noch das Verletzungspech hinzu. Alois Mraz hatte sich schon am Dienstag eine Blessur Knöchel zugezogen und konnte nicht eingesetzt werden. Gestern knickte auch noch Daniel Valo in der Schlussphase um und droht für die Partie am Samstag gegen Gummersbach auszufallen.

Bad Schwartau: Mahncke (ab 19.), Panzer - Hansen (4), Podpolinski (6), Wagner (7/3), Waschul, Schult (5), Tretow (1), Kretschmer (1), Dombrowski (1), Schliedermann (3), Quade (5).

Wetzlar: Marinovic (bei einem Siebenmeter, 31. bis 45.), Weber - Schmidt (1/1), Tiedtke, Rompf (5), Valo (3), Mraz (n.e.), Philipp Müller (2), Reichmann (6/1), Fäth (1), Michael Müller (2), Harmandic (6/2), Kristjansson (4).

Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff (Düsseldorf) - Zuschauer: 976 - Zeitstrafen: Bad Schwartau fünf (Podpolinski, Waschul zwei, Schult, Schliedermann), Wetzlar zwei (Philipp Müller, Michael Müller) - verworfene Siebenmeter: Wagner (Bad Schwartau) scheitert an Marinovic (18.), Schmidt (Wetzlar) scheitert an Mahncke (28.), Harmandic (Wetzlar) scheitert an Panzer (37.), Fäth (Wetzlar) wirft an die Latte (46.).

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung