Wandschneider: „Fuß in die Tür gesetzt!“

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar gewinnt Handballkrimi, Keeper Andreas Wolff wird zum Matchwinner

 

Für die HSG Wetzlar und dem Bergischen HC stand am Samstagabend ein richtungsweisendes Spiel zwischen beiden Teams an, das die Grün-Weißen am Ende mit einem glücklichen und hart umkämpften 28:27-Auswärtssieg für sich entscheiden konnten. Erfolgreichster Wetzlarer-Schütze war Kevin Schmidt mit zehn Toren.

Es wurde das heiß umkämpfte Spiel, das die Tabellennachbarn im Vorfeld in ihren Meldungen angekündigt haben. Keeper Andreas Wolff, der im Hinspiel noch zur tragischen Figur nach der Niederlage wurde, avancierte dieses Mal zum Held des Abends bei den Grün-Weißen. In letzter Sekunde hält er den Siebenmeter von Alexander Oelze und sichert so den wichtigen Auswärtssieg der Domstädter über den Aufsteiger.

Der Bergische HC legte einen deutlich besseren Start in der heimischen Halle hin. Die HSG Wetzlar dagegen fand in den Anfangsminuten keine Stabilität in der Abwehr und keine Mittel gegen die kompakte und agile Defensive der Bergischen. Mit der lautstarken Unterstützung von den Rängen erhöhte Alexander Oelze vom Siebenmeterpunkt in der zehnten Spielminute auf 1:6 aus Sicht der Gäste. 

In Minute 13 zeigte Ivano Balic einmal mehr seine individuelle Klasse und verkürzte auf 3:7. Doch die Hausherren ließen nicht lange auf eine Antwort warten. Fabian Gutbrod baute noch in derselben Spielminute die Führung für seine Farben auf fünf Tore aus (3:8). Die Grün-Weißen wirkten auch nach einer Viertelstunde sichtlich unsicher auf dem Feld. Fast jeder Wurf der Bergischen Löwen fand den Weg hinter die Torlinie. Folgerichtig zitierte Kai Wandschneider die Mannschaft zur Bank (15.), um seine Männer wach zu rütteln. 

In den Folgeminuten zeigten seine Worte bereits Wirkung in den grün-weißen Reihen. Ein 3:0-Lauf durch Balic, Laudt und Schmidt gestaltete den Spielstand binnen drei Minuten etwas positiver für die Grün-Weißen (6:8). In Minute 24 war es dann Schmidt, der erneut vom Punkt für ein Erfolgserlebnis der Grün-Weißen sorgte (10:12). Rechtsaußen Tobias Reichmann setzte nach schönem Anspiel von Spielmacher Balic den wichtigen 11:12-Anschlusstreffer. Die HSG Wetzlar fand immer besser ins Spiel, auch dank eines nun besser aufspielenden Magnus Dahl im Tor. Carlos Prieto sorgte dann mit dem 12:13 für eine gedämpftere Stimmung in der Uni-Halle. BHC-Spieler Maximilian Weiß markierte den 13:13-Halbzeitstand.

Der Bergische HC legte nach Pausenpfiff einen guten Start hin. Ein 3:0-Lauf bescherte den Hausherren wieder einen kleinen Vorsprung (36.). Kurz darauf beendete Kent R. Tönnesen die torlose Phase in Hälfte zwei der Domstädter. Nach weiteren zwei Zeigerumdrehungen konnten die Gäste erneut eine erfolgreiche Aufholjagd verbuchen. Reichmann markierte in Hälfte zwei nach 40 Minuten den ersten Führungstreffer für die Mittelhessen (18:17). Nachdem Flügelspieler Schmidt in Minute 46 den Spielstand egalisierte (20:20), legte BHC-Trainer Sebastian Hinze die grüne Karte auf den Tisch.

In den Folgeminuten konnte sich dann keines der beiden Teams absetzen. Alexander Oelze erzielte den ersten Strafpunkt-Treffer für die Bergischen Löwen (23:23, 47.). Zehn Minuten vor Ende gab Cheftrainer Wandschneider seinem Team noch einmal letzte Instruktionen. Der neue Mann im Tor der Grün-Weißen, Andreas Wolff, ermöglichte durch seine Parade seinen Vordermännern die Chance, auf zwei Tore davon zu ziehen. Doch Tönnesen vergab diese durch ein Offensivfoul. 

Dank einer erneuten Parade von BHC-Keeper Gustavsson konnten die Bergischen nach 58 Minuten durch Maximilian Weiß wieder ausgleichen (26:26) und ließ die heimischen Fans wieder auf einen Sieg hoffen. Doch Rückraumspieler Steffen Fäth brachte die Wetzlarer in der letzten Spielminuten erneut in Front (28:27). Die Stimmung in Wuppertal war auf dem Siedepunkt angekommen.

In der letzten Sekunde, als Oelze zum Strafwurf antret, hielt es dann niemanden mehr in der Halle auf dem Sitz. Und dann folgte eine dramatische Szene in Wuppertal, die die HSG Wetzlar und die mitgereisten Anhänger am Ende jubeln ließ. HSG-Torhüter Andreas Wolff parierte den Strafwurf von Oelze und sicherte damit zwei weitere wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt für die Domstädter. „Es freut mich heute besonders für Andreas Wolff. Nach dem Hinspiel war er nur noch ein Häufchen Elend. Mit dem gehaltenen Siebenmeter in letzter Sekunde ist er jetzt zum Matchwinner avanciert“, freute sich Geschäftsführer Björn Seipp über den wichtigen Auswärtssieg. Die HSG Wetzlar rangiert nun mit 17 geholten Punkten auf dem elften Tabellenplatz.

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Dahl, Wolff, Schmidt (10/5), Prieto (1), Tiedtke, Rompf (n.e.), Weber, Tönnesen (3), Reichmann (3), Laudt (3), Fäth (5), Hahn (n.e.), Harmandic (1), Balic (2), Klesniks

Bergischer HC: Gustavsson, Huhnstock, Sabljic, Hegemann, Miljak, Gunnarsson (1), Nippes (5), Oelze (2/2), Artmann (2), Weiß (5), Gutbrod (5), Szilagyi (4), Berggren (3)

Schiedsrichter: Moles/Pittner – Zuschauer: 2.900 – Zeitstrafen: 5:4 – Strafwürfe: 6:3

Stimmen zum Spiel:

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): "Der Bergische HC ist viel besser ins Spiel gekommen, als wir. Vorne haben wir unkonzentriert gespielt und den Ball nicht laufen lassen, dann stand es schon 1:6. Aber ich bin ruhig geblieben, weil im Handball so schnell viele Tore fallen können. Wir haben daraufhin ein paar Wechsel gemacht und konnten bis zur Halbzeit ausgleichen. In der zweiten Hälfte sind wir besser in unser Spiel gekommen und haben öfter geführt.

Überraschend war, dass der BHC gegen unsere 6:0-Abwehr so gute Lösungen gefunden hat. Mit der Anfangsformation Fabian Gutbrod und Emil Berggren habe ich so ebenfalls nicht gerechnet, das haben die Löwen sehr gut gemacht. Wir konnten uns in der zweiten Halbzeit nie auf zwei oder drei Tore absetzen, was auch daran lag, dass der BHC gegen unsere 5:1-Deckung hervorragend den Weg über den Kreis gefunden hat. Unsere Mitte stand hinten oft isoliert alleine und Maximilian Weiß hat sich dann sehr gut durchgesetzt. Gegen unsere versetzte 5:1-Abwehr hat Szilagyi in einer Phase unglaublich stark gespielt. Sowohl im Positionsangriff, als auch aus der zweiten Welle heraus. Daran müssen wir arbeiten. Insgesamt muss ich aber sagen, dass wir unglaublich erleichtert sind und endlich den Fuß in die Tür gebracht haben. Wir haben eine unglaublich kampfstarke und nervenstarke Leistung gezeigt, was nicht einfach war gegen die so genannte „Blaue Wand“. Wichtig ist für uns auch, dass sich Steffen Fäth wieder zurückgemeldet hat."

Sebastian Hinze (Trainer Bergischer HC): "Wir haben uns super vorbereitet und heute alles in die Waagschale geworfen. Die Zuschauer waren direkt da und haben gesehen, dass die Mannschaft alles gibt. Dass Wetzlar wieder zurück ins Spiel kommt war nicht außergewöhnlich, wir müssen in den wichtigen Phasen dann noch eins draufsetzen. Im Vergleich zu den letzten Wochen haben wir heute sehr viel richtig gemacht. Zum Ende könnte ich jetzt noch die Pressekonferenz vom Hinspiel wiederholen, als Kai Wandschneider den Handballgott erwähnt hatte. Der war heute einfach nicht auf unserer Seite. Wir müssen weiter arbeiten, dann wir das Glück auch wieder kommen."

Andreas Wolff (Torhüter HSG-Wetzlar): "Die Bergischen haben eine gute Abwehr am Anfang auf der Platte gehabt. Ich hatte dann mit Magnus Dahl gewechselt, das hat sehr gut funktioniert er hat gut gehalten. Mit meiner Leistung der vergangenen Wochen war ich selber nicht zufrieden, da macht man sich dann schon etwas mehr Druck. Beim Siebenmeter bin ich noch einmal die Wurfbilder von Alexander Oelze im Kopf durchgegangen und habe dann einfach nur gehofft. Ich bin erleichtert und zufrieden, dass wir hier zwei Punkte geholt haben und dass ich helfen konnte ist natürlich umso schöner."