Wandschneider: „Müssen Stiere bei Hörnern packen!“

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar startet mit Heimspiel gegen Champions League-Sieger HSV Handball ins Jahr 2014

Die Winter- und Europameisterschaftspause in der DKB Handball-Bundesliga ist endlich auch für die HSG Wetzlar zu Ende. Zum Rückrundenauftakt am Samstag (19 Uhr, Rittal Arena Wetzlar) empfängt die Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider den amtierenden Champions League-Sieger HSV Hamburg. In der sechswöchigen Pause konnte Wandschneider seine Mannschaft unter anderem in einem dreitägigen Trainingslager in Stuttgart intensiver auf die bevorstehende zweite Saisonhälfte einstimmen und freut sich jetzt auf das erste Heimspiel seit dem 22. Dezember. „Endlich geht es wieder los. Ich freue mich auf unser Publikum“, so der 54jährige.

Die HSG Wetzlar nutzte die Winterpause wie viele andere Bundesliga-Klubs für eine intensive Vorbereitung und absolvierte mehrere Testspiele. „Alle haben hervorragend mitgezogen und mit viel Engagement und Einstellung gearbeitet.  Keiner hat sich hängen lassen. Trotz der Ausfälle von Kristian Bliznac und Steffen Fäth konnte man eine Leistungssteigerung erkennen“, lobt Wandschneider seine Truppe für die „sehr gute“  Winterpause. Gegen den bevorstehenden Gegner aus Hamburg muss nun das volle Leistungspotential ausgeschöpft werden, damit es nach 60 Minuten eventuell für Punkte reicht.

Mit dem HSV Handball wartet einer der Top-Klubs der DKB Handball Bundesliga auf die Mittelhessen. Die Rollenverteilung am Samstag ist für den Cheftrainer der Grün-Weißen klar geregelt:  „Selbst in der zweiten Garde ist Hamburg nahezu weltklasse besetzt. Hinzu kommt, dass Martin Schwalb auf seinen kompletten Kader zurückgreifen kann.“ Dieses Optimum in der Besetzung würde wohl auch Wandschneider gerne wieder haben. Bereits zu Beginn der Saison haben Verletzungssorgen die HSG Wetzlar immer wieder zurückgeworfen. Auch in der Winterpause musste ein erneuter Ausfall hingenommen werden. Im Spiel gegen die Kadetten aus Schaffhausen zog sich Rückraumspieler Kristian Bliznac einen Muskelfaserriss zu. Besonders schmerzlich trifft die Domstädter dessen Ausfall in der Abwehr, in der der Schwede neben Carlos Prieto und Jens Tiedtke, der dritten Innenblockspieler ist. „Er wird definitiv noch nicht spielen können. Das tut uns weh, denn wir brauchen jeden einzelnen Spieler. Sein Fehlen zwingt uns zu verschiedensten Wechseln zwischen Abwehr und Angriff, denn unsere beiden anderen Innenblockverteidiger können ja nicht komplett durchspielen“, erklärt Wandschneider.

Der Coach wird gegen den HSV also erneut zum Improvisieren gezwungen sein. Neben der Personalproblematik in der Defensive gibt es im Angriff eine weitere Schwachstelle, denn es fehlt ein etatmäßiger Spieler auf der halblinken Position. Ivano Balic, Adnan Harmandic und Florian Laudt werden sich morgen diese Aufgabe teilen müssen. In der Winterpause testete Wandschneider bereits alle drei Optionen. „Sie haben das gut gemacht, aber es gibt eben Grenzen“, gibt er zu Bedenken. Alternativ könnte erstmals auch Marc Pechstein zum Einsatz kommen. Der Rückraumspieler des TV Hüttenberg wurde heute mit einem Zweispielrecht für die HSG Wetzlar ausgestattet.

An ihre Grenzen müssen die Grün-Weißen auf allen Positionen stoßen, um morgen gegen den klaren Favoriten aus Hamburg bestehen zu können. Individuell weist der aktuell Fünfplatzierte eine beeindruckende Qualität vor. Allein mit Welthandballer Domagoj Duvnjak, EM-Torschützenkönig Joan Canellas, Peter Djordjic oder dem Flügelspielern Hans Lindberg stehen Spieler mit Weltklasse-Niveau auf dem Parkett. Letztlich besitzt der HSV auf jeder Position einen Spieler mit individueller Klasse. „Der HSV-Kader war in der Breite noch nie so gut besetzt wie in dieser Saison“, stellt Wandschneider fest.

Trotz der klaren Favoritenrolle der Hamburger möchten die Hausherren alles in die Waagschale werfen, um das Punktekonto nach der Heimpartie etwas positiver gestalten zu können. Dafür darf der Torabstand aber nicht zu groß werden, weiß auch der Cheftrainer: „Wenn es gelingt, vielleicht bis zur 50. oder 53. Minute auf ein, zwei Treffer dranzubleiben oder gar zu führen, dann setzt das zusätzliche Kräfte frei und es wird eine völlig neue Partie werden“.

Ein besonderes Spiel wird es für Andreas Wolff in doppelter Hinsicht. Zum einen fiebert auch er dem Rückrundenauftakt entgegen und zum anderen bestreitet er im Falle eines Einsatzes am Samstag sein 100. Bundesligaspiel. Im Hinspiel in Hamburg zeigte er bereits eine starke Leistung und konnte mit 20 Paraden die 29:36-Niederlage noch im Zaum halten. Ein schönes Jubiläum, das ihn für die bevorstehende Partie zusätzliche Motivation gibt. „Insgesamt müssen wir uns als Torhütergespann gegenseitig unterstützen und brauchen dafür natürlich eine gute Abwehr. Aber ohne gute Torhüter ist auch die beste Abwehr machtlos“, so Wolff. 

Die HSG Wetzlar muss morgen eine geschlossene Mannschaftsleistung zeigen, um den Rückrundenauftakt so positiv wie möglich zu gestalten. Dabei kann die Außenseiterrolle ein Trumpf der Domstädter sein, denn gerade gegen vermeintlich schwächere Mannschaften haben die Hamburger immer wieder Probleme, was sich deutlich in den verlorenen Hinrunden-Partien gegen den Bergischen HC und dem TBV Lemgo zeigte. „Wir müssen die Stiere bei den Hörnern packen und couragiert auftreten“, fordert Wandschneider.

Für das  Heimspiel der HSG Wetzlar gegen den HSV Handball, das von dem erfahrenen Schiedsrichtergespann Christoph Immel und Roland Klein geleitet wird (DHB-Elitekader), können an der Abendkasse ab 17:30 Uhr noch Stehplatztickets gekauft werden. Sport1 überträgt die Partie ab 18:55 Uhr via Livestream auf tv.sport1.de.