Wandschneider nach Heimniederlage gegen Minden "total sauer"!

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar verliert gegen Ostwestfalen mit 23:26 (13:11) - Mittelhessen mit zu vielen ausgelassenen freien Chancen und zu wenig Körperkontakt in der Abwehr

Es hat nicht sollen sein. Die HSG Wetzlar verliert das Heimspiel gegen GWD Minden mit 23:26 (13:11) und verpasst damit die Chance sich aller Abstiegssorgen zu entledigen. Vor 4013 Zuschauern versäumten es die Gastgeber, in einem wenig attraktiven Spiel, ihre zahlreichen Chancen zu nutzen und die Punkte 24 und 25 einzufahren. 

Dabei fing alles vielversprechend für die Mittelhessen an. Minden schien noch nicht richtig wach und der HSG-Express legte stürmisch los. Wie von Coach Wandschneider gefordert ließen die Harmandic, Fäth und Co. den Ball zirkulieren und brachten den Gegner in Bewegung. So verbuchten die Hausherren nach zehn Minuten eine 5:1 Führung. Doch nun hatten sich die Ostwestfalen berappelt und kamen immer besser ins Spiel. Zum einen zeigte der Wechsel im rechten Rückraum, Rambo für Steinert, Wirkung. Sören Südmeier gelang es auf der Mittelposition immer besser die Fäden der Gäste zu ziehen. Zudem agierte die Deckungsreihe der GWD zunehmend aggressiver und engagierte, brachte damit den Angriffsmotor der Gastgeber immer öfter ins Stocken. Der Wetzlarer Angriff spielte zwar weiter flüssig im Aufbau, doch die letzte Konsequenz und Körperspannung fehlte, um die Deckungsreihe der Gäste zu überwinden. Und so kam es, dass Minden beim 8:9 (24.) durch Bilbija nicht nur Tuchfühlung aufgenommen, sondern sich auch anschickte, das Spiel zu drehen. 

Wetzlar nun immer seltener mit zwingenden Aktionen, daran änderte auch der Kempatrick von Ivano Balic auf Kevin Schmidt nichts. Zwar schaffte Kristian Bliznac kurz vor der Pause mit einem Doppelschlag eine 13:10-Führung (29.), doch schon im direkten Gegenzug schafte Tesch den 11:13 Pausenstand. 

Nach dem Wechsel bot sich den Zuschauern das gleiche Bild, Wetzlar hatte die etwas besseren Szenen und Minden machte die einfacheren Tore. Insbesondere der Rückraum der Gäste schaffte es immer besser aus Kreuzbewegungen, initiiert durch die beiden spielstarken Mittelspieler Doder und Südmeier, die einfachen Treffer zu markieren. Auf der anderen Seite rackerten Adnan Harmandic und auch Ivano Balic, schafften es immer wieder die Nebenspieler in aussichtsreiche Position zu bringen, doch diese ließen die besten Möglichkeiten zum Teil leichtfertig ungenutzt oder scheiterten an den beiden immer besser auftrumpfenden Torleuten der Gäste, Vortmann und Persson. 

Besonders die linke Rückraumseite der Gastgeber mit Fäth und Bliznac verblasste immer mehr, zog Fahrkarte um Fahrkarte. Lediglich Kent Robin Tönnesen auf rechts hielt seine Farben zwischen der 44. und 50. Minute am Leben. Doch spätestens als Bilbija beim 20:20 (51.) zum dritten Mal den Ausgleich für GWD erzielte, wurde deutlich, wie sehr die Ostwestfalen diese Punkte wollten. Die erstmalige Führung beim 21:20 (53.) durch Rambo sollten die Gäste dann auch nicht mehr abgeben. 

Wetzlar wurde nun zu hektisch und ungeduldig, spielte mit noch mehr Fehlern wogegen Minden immer abgeklärter auftrat und auf 25:21 (58.) eröhte. Eine Zeitstrafe gegen Bilbija zwei Minuten vor dem Ende brachte dann noch einmal große Unruhe und Hektik auf das Spielfeld und Wetzlar nutzte die Chance, um auf 23:25 (60.) verkürzen. Gut 40 Sekunden vor dem Ende passte es dann ins Bild, dass Ado Harmandic einen geklauten Ball im Konter „verdaddelte“ und sich und seinen Farben damit der Chance beraubte, wenigstens mit einem Remis noch einen versöhnlichen Abschluss zu schaffen. Der achtfache Torschütze Rambo war es dann, der mit dem Schlusspfiff den 26:23 Sieg für seine Farben unter Dach und Fach brachte.

HSG Wetzlar: Dahl, Wolff; K. Schmidt (3), Prieto, Tiedtke (2), Weber, Tönnesen (4), Reichmann (2), Fäth (4), Bliznac (3),  Hahn (2), Harmandic (1), Balic (1), Klesniks (1).

GWD Minden: Vortmann, Persson; Rambo (8), Steinert (3/1), Kunkel, Südmeier (2), Torbrügge, Tesch (1), Oechsler, Svavarsson, A. Schmidt (1), Svitlica, Doder (1), Bilbija (8), Schäpsmeier.

Schiedsrichter: Peter Behrens und Marc Fasthoff (Düsseldorf) – Zuschauer: 4.013  – Zeitstrafen: 6:6  (Wetzlar: Prieto, Balic, Reichmann – Minden: Tesch, Schmidt, Bilbija) – Strafwürfe: 0:0/1:2 (Dahl hält gegen A. Schmidt (7.))

Stimmen zum Spiel:

Goran Perkovac (Trainer GWD Minden): „Wir haben heute ein gutes Kampfspiel gesehen. Von der Qualität her kann man sich sicher mehr wünschen, aber es war trotz allem sehr fair. Man hat gemerkt, dass es für beide Teams um sehr viel ging und daher war sicher auch die Fehleranzahl in der ersten Halbzeit etwas höher. In der zweiten Hälfte haben wir das dann immer besser gemacht und Rambo und Bilbija haben gute Distanzwürfe angebracht. Zudem habe ich eine sehr gute Einstellung meiner Mannschaft gesehen und bin sehr stolz und zufrieden, dass wir diese Auswärtspunkte holen konnten. Das werden auch sicher nicht die letzten Auswärtspunkte bleiben, wir haben mittlerweile sehr viel mehr Stabilität.“ 

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): „Ich gratuliere den Gästen aus Minden zum verdienten Sieg. Natürlich bin ich total enttäuscht über unserem Auftritt heute. Das war im Angriff eine katastrophale Leistung besonders was die Chancenverwertung angeht. Ich glaube es waren insgesamt 17 Fahrkarten, das ist einfach zu viel. Lediglich Ivano Balic und Ado Harmandic habe ich heute im Angriff mit guten Leistungen im Spielaufbau gesehen. Natürlich kann man auch sagen, dass Vortmann im Tor hervorragend gehalten und damit auch unsere beiden Keeper absolut in den Schatten gestellt hat, trotzdem dürfen wir uns so nicht präsentieren. Dafür will ich mich insbesondere bei unseren Zuschauern entschuldigen, die deutlich Besseres für ihre konsequente und tolle Unterstützung verdient haben. Der Ausfall von Ivano Balic, er hat vermutlich einen Muskelfaserriss und wird wohl mindestens vier Wochen fehlen, hat uns dann zusätzlich gehandicapt. Mit ihm haben wir den Spieler verloren, der vorne als auch hinten vielleicht noch einmal hätte Akzente setzen und andere mitreißen können. Ich bin total sauer und wer mich kennt, der weiß, dass wird kommende Woche sehr viele intensive Gespräche und ein sehr hartes Training nach sich ziehen.“

Tobias Hahn (HSG Wetzlar): „Uns haben ab der 50. Minute einfach die Ideen gefehlt, da kam zu wenig von uns. Zudem haben die Rückraumspieler der Mindener und hier besonders Bilbija und Rambo viel zu leichte Treffer erzielen können. Mit 23 eigenen Treffern kannst du dann zu Hause kein Spiel gewinnen.“

Ado Harmandic (HSG Wetzlar): „Die beiden Rückraumspieler von Minden haben uns heute einfach kaputt geschossen.“

Björn Seipp (Geschäftsführer HSG Wetzlar): „Ich denke auch, dass der Mindener Sieg verdient ist und bin mindestens genauso enttäuscht wie unser Trainer. Minden hat einfach viel mehr gezeigt, wie sehr sie diese Punkte haben wollten und vor allem in der zweiten Halbzeit mit viel mehr Engagement dafür gearbeitet. Anders als Kai Wandschneider sage ich aber auch, dass ich von unserer Deckung enttäuscht bin. 26 Gegentore sind sicher nicht so viel in der ersten Bundesliga, aber wenn man sieht, wie einfach Minden zu diesen Treffern gekommen ist, dann ist das mehr als ärgerlich, denn Deckungsarbeit ist Einstellungssache! Zudem frustriert es, wenn man sieht, dass der Trainer alles versucht, aber auf der Platte nichts davon umgesetzt wird. Da sind dann eben auch mal die älteren und erfahrenen Spieler gefragt, voran zu gehen und Zeichen zu setzen! Das ist nicht geschehen. Wir dürfen jetzt sicher nicht alles schlecht reden und anzweifeln, aber das heute war Nichts und dies gilt es schon gegen Gummersbach wieder gut zu machen.“