Wende nicht abwenden können

Foto: Florian Gümbel

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar verliert nach 17:12-Führung mit 25:27 im DHB-Pokal gegen SC DHfK Leipzig

Aus der Traum vom Final 4 in Hamburg. Hängende Köpfe bei den Handballern der HSG Wetzlar am Mittwochabend. Im DHB-Pokal-Achtelfinale unterlag man in der Sporthalle Hüttenberg Bundesliga-Konkurrent SC DHfK Leipzig mit 25:27 (15:12). Nach guter erster Halbzeit waren es vor allem die taktischen Umstellungen der Leipziger, die der Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider das Genick brachen.

Eine gute Nachricht auf Seiten der Grün-Weißen konnte man in der Hüttenberger Sporthalle bereits beim Warmmachen erahnen. Der aus dem Flensburg-Spiel mit einer Schulterblessur herausgegangene Philipp Weber meldete sich einsatzbereit und kam von Beginn an gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber im Angriff zum Einsatz.

Die HSG Wetzlar stellte von Anfang an eine sehr konzentrierte und kompromisslose Abwehr auf das Parkett, so dass es gerade in der ersten Viertelstunde einige Male gelang, Leipzig ins Zeitspiel zu bringen. Daraus resultierten Notwürfe, die dem gut aufgelegten Nikolai Weber im Kasten zum Opfer fielen. Die von Trainer Kai Wandschneider geforderte Leistung in Abwehr und Tor stimmte schon mal.

Bereits nach acht Minuten, Kristian Björnsen hatte gerade den Treffer zum 5:3 für die HSG erzielt, sah sich Leipzigs Coach Christian Prokop genötigt, seine Mannschaft zur Besprechung einzuholen. Die rechte Wirkung schien seine Ansprache jedoch kaum zu entfalten. Kasper Kvist erhöhte nach schnell ausgeführtem Freiwurf von Jannik Kohlbacher auf 6:3, nachdem Leipzigs Andreas Rojewski den ersten Siebenmeter für seine Farben verworfen hatte. Leipzig konnte bis zum 6:7 dranbleiben, musste dann aber mitansehen, wie die HSG nachlegte. Stefan Kneer markierte in der 20. Minute mit einem aus der Not heraus geborenen Wurf das 9:6, Björnsen profitierte beim 11:7 (23.) von der ungeordneten Leipziger Abwehr. Auch eine doppelte Unterzahl brachte die HSG kaum in Verlegenheit – die Nickeligkeiten häuften sich – und so ging es mit einer 15:12-Führung für Wetzlar in die Pause.

Wieder zurück, machte Wetzlar da weiter, wo es aufgehört hatte. Weber markierte per Siebenmeter in Unterzahl das 17:12 (35.), die Gastgeber schienen in der Spur. Doch dann griff Gäste-Trainer Prokop in die Trickkiste und schickte seine Mannschaft nach seiner Auszeit in der 36. Minute durchgehend mit dem siebten Feldspieler ins Rennen. Zudem kam Jens Vortmann im Tor für Milos Putera, der sofort im Spiel war und Philipp Weber gleich den ersten Siebenmeter abknöpfte. Nach und nach zeigten beide Maßnahmen Wirkung. Wetzlar tat sich immer schwerer, im Angriff zu ordentlichen Würfen zu gelangen und scheiterte acht Mal an Vortmann. Hinzu kamen einige technische Fehler, die Leipzig in den Gegenstoß oder Ballbesitz brachten. Zwischenzeitlich musste Kohlbacher nach einer Aktion am Kreis an der Wurfhand behandelt werden.

Leipzig knabberte zielsicher am HSG-Vorsprung und war beim 19:20 von Roman Becvar (49.) plötzlich dran. Wandschneider legte sofort den grünen Karton, versuchte seine Truppe auf die veränderten Gegebenheiten einzustellen. Doch Leipzig hatte sich mit seiner Taktik bereits zurück gespielt und zog sie gnadenlos durch. Da halfen auch die beiden Treffer von Björnsen ins leere Tor nichts, denn die Gäste waren zu ballsicher, als dass man sich noch vom Weg abbringen ließ. Per Freiwurf markierte Aivis Jurdzs in der 55. Minute trotz Zeitnot die erste Führung der Gäste und kurze Zeit später auf gleiche Weise das 26:24. Wandschneiders Versuch, ebenfalls mit einem siebten Feldspieler zu agieren, kam letztlich zu spät und so ließ sich Leipzig den Vorsprung bis zum 27:25-Endstand nicht mehr nehmen.

»Das war eine starke mentale Leistung von uns«, zog DHfK-Trainer Prokop den Hut vor seinem Team, welches einen Fünf-Tore-Rückstand noch in einen Sieg verwandelt hatte, »siebter Feldspieler hat geklappt, Vortmann hält überragend, die Abwehr bekommt dadurch Selbstvertrauen und Wetzlar trifft aus dem Rückraum nicht mehr.«

Wetzlars Keeper Nikolai Weber konnte den Spielverlauf nicht nachvollziehen. »Unsere Achse Weber/Kohlbacher funktioniert eigentlich immer, die hat Leipzig in der zweiten Halbzeit aber entschieden gestört und dann fehlt es uns auf anderen Positionen.«

HSG Wetzlar: Buric, Nikolai Weber; Kneer (1), Lipovina (2), Björnsen (8/1), Mirkulovski (1), Philipp Weber (5/3), Kraft, Hahn, Berggren, Kvist (2), Klesniks (2), Lindskog, Kohlbacher (4).

SC DHfK Leipzig: Vortmann, Putera; Naumann, Semper (2), Rojewski (4), Jurdzs (4), Öhlrich, Binder (3/1), Janke (2), Pieczkowski (3), Roscheck (1), Strosack (3), Becvar (3), Milosevic (2/1).

SR: Behrens/Fasthoff (Düsseldorf). – Zus: 1223. – Zeitstrafen: Kohlbacher (12.), Berggren (23.), Klesniks (23.), Lindskog (33/alle Wetzlar); Roschek (4., 21.), Binder (15.), Öhlrich (34./alle SC Leipzig). – Siebenmeter: 6/4:4/2.

Quelle: Gießener Allgemeine, Daniela Pieth/Ralf Waldschmidt