Wer nicht trifft, der nicht gewinnt

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Daniel Svensson wunderte sich Minuten nach dem Spiel noch immer. »Ich bin überrascht. Wir wussten, dass Wetzlar sehr flach deckt, aber dass ich so ungestört zum Werfen komme, hätte ich nicht erwartet«, sagte der Rückraumspieler des TuS N-Lübbecke. Er hatte beim 28:24 (12:14)-Erfolg bei der HSG Wetzlar sechs Treffer erzielt.

 

Und damit hatte er wesentlichen Anteil am zweiten Auswärtssieg der Mannschaft von Trainer Markus Baur in der laufenden Saison der Handball-Bundesliga gehabt.Besonders der Wurf des wuchtigen Torjägers, der in der letzten Sekunde der ersten Halbzeit zum 12:14-Anschluss im Tor der HSG eingeschlagen war, hatte seiner Mannschaft Mut gemacht. Der TuS kam nach einem zwischenzeitlichen 10:14-Rückstand wie ausgewechselt aus der Kabine, dies galt zwar auch für die Wetzlarer. In deren Lager war es aber kein Grund zur Freude.

»Das war wie Tag und Nacht. Was wir in der zweiten Halbzeit geboten haben, war traurig«, schimpfte Wetzlars Coach Gennadij Chalepo, der nach fünf Punkten aus drei Spielen gegen Nettelstedt eine Heimniederlage hinnehmen musste. Die Mängelliste der Hausherren war gegen die individuell besser besetzten Gäste zu lang. Das Überzahlspiel war eine Katastrophe, die Chancenverwertung von Außen und vom Kreis erschreckend schwach, und die Abwehr deckte nach gutem ersten Durchgang im zweiten Abschnitt viel zu lasch, was Daniel Svensson und Drago Vukovic immer wieder zu nutzen wussten. »An der ersten Halbzeit habe ich nichts zu meckern. Die zweite war das totale Gegenteil. Wir haben den Gegner aufgebaut. Allein Kari Kristjansson hat vom Kreis fünf oder sechs Bälle verworfen. Das tut in so einem engen Spiel weh«, erklärte Chalepo. Sein Gegenüber Markus Baur: »Nach statischem Beginn waren wir in der zweiten Halbzeit im Angriff aktiver. So wurden die Räume größer, was Vukovic, Svensson und Frank Løke genutzt haben, um vorne eine gute Basis zu legen. In der Abwehr hat uns Keeper Dario Quenstedt mit 18 Paraden auch geholfen.«

Der TuS-Keeper wurde im Laufe des Spiels von Wetzlar berühmt geworfen. Ob Kristjansson, am Kreis immer wieder von Timo Salzer und Adnan Harmandic wunderbar in Szene gesetzt, oder Kevin Schmidt, die HSG-Angreifer ließen beste Chancen aus. »Wenn wir die freien Würfe reinmachen, ist alles gut und wir gewinnen«, sagte Spielmacher Salzer, der dieses Mal von Beginn an ran durfte, und vermutete: »Vielleicht haben wir unser Glück beim Sieg in Hildesheim aufgebracht. Wir haben gegen einen starken Gegner ein gutes Spiel gemacht. Viele Angriff hätten wir nicht besser ausspielen können, aber die Bälle müssen eben rein«.

Zu Beginn hatte es richtig gut ausgesehen. Philipp Müller legte los wie die Feuerwehr und erzielte die ersten vier Treffer der Gastgeber, die auf Allrounder Alois Mraz (Fingerbruch) verzichten mussten, zum 4:2 (5.). Eine schwache Aktion des schwachen Lars Friedrich in Überzahl nutzten die Gäste durch Vukovic aber schnell zum Remis. Timo Salzer beendete dann mit seinem Tor zum 5:5 in der 14. Minute eine neunminütige Flaute im HSG-Angriff, der weiterhin beste Möglichkeiten versemmelte. Kristjanssons zweite Fahrkarte in der 21. Minute nutzte Malte Schröder zum 8:6. Die mangelhafte Chancenverwertung setzte sich zwar fort, dennoch gelang der HSG ein 5:0-Lauf. Georgios Chalkidis verwertete einen Konter, nachdem eine schnelle Mitte der Lübbecker grandios schiefgegangen war, zur 11:8-Führung. Salzer (12:9) und Valo setzen in Unterzahl in der 27. Minute beim 13:9 sogar noch einen drauf, doch bis zur Pause war aus dem zwischenzeitlichen 14:10 durch Svenssons Last-Minute-Treffer das 12:14 geworden. Wetzlar wartete auf den Zeitspielpfiff, Svensson wuchtete den Ball ins Tor. »Solche Treffer dürfen uns nicht immer wieder passieren«, schimpfte Salzer, der auch im zweiten Abschnitt einige dieser Art sehen musste.

Nach dem Wechsel war der restliche Vorsprung schnell aufgebraucht, da die Angriffe gegen die – zugegeben starke 6:0 des TuS – zunehmend ideenloser vorgetragen wurden. Wenn Harmandic doch mal den Ball zum freien Mann gezaubert hatte, versagten diesem die Nerven. So gingen die Gäste beim 16:15 (D. Svensson/39.) erstmals wieder in Führung, beim 23:19 durch Tomek Tluczynski waren die Weichen auf Sieg gestellt. Die angeschlagenen Wetzlarer waren zu schwach, um für die Wende zu sorgen. Joker Mraz fehlte sehr, Steffen Fäth blieb wirkungslos und die beiden Rechtsaußen? Hat die überhaupt jemand gesehen?

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber (ab 53.); Schmidt (3), Rompf, Müller (5), Fäth (1), Salzer (5), Harmandic (2/1), Valo (2), Friedrich, Jungwirth (1), Hahn (1), Kristjansson (2), Chalkidis (2)

TuS N-Lübbecke: Quenstedt, Blazicko (bei einem Siebenmeter); Verjans (6), Gustafsson (1), Loke (3), Vukovic (6), Siodmiak (n.e.), Kristian Svensson (1), Schröder (1), Tluczynski (3/2), Daniel Svensson (6), Niemeyer, Remer (1)

Schiedsrichter: Pritschow/Pritschow (Stuttgart)
Zuschauer: 3786
Zeitstrafen: 12:8 Minuten
Siebenmeter: 1/3 : 2/2

Marc Schäfer