Wetzlar bei den Löwen: Und plötzlich ist es ein Spitzenspiel!

Bild: www.sportfoto-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

Handball-Erstligist aus Mittelhessen muss Sonntag um 17.15 Uhr bei ungeschlagenem Tabellenführer in Mannheim antreten

In Scharen werden sich am Sonntag grün-weiße Fans aus Mittelhessen gen Mannheim aufmachen, denn in der dortigen SAP-Arena findet das Spitzenspiel des 11. Spieltags der DKB Handball-Bundesliga statt. Die Rhein Neckar-Löwen empfangen die HSG Wetzlar, für viele Experten das derzeitige Überraschungsteam der Saison.

Ungleicher kann ein Spitzenspiel jedoch kaum sein! Der bislang verlustpunktfreie Tabellenführer, der mit der klaren Zielsetzung, „endlich“ die Deutsche Meisterschaft zu erringen in die Runde gestartet ist, trifft zu Hause auf den "Underdog" aus Mittelhessen, der derzeit mit sensationellen 15:5-Punkten auf dem vierten Tabellenplatz liegt und dessen Primärziel der frühzeitig Klassenerhalt ist. Offiziell knapp 6 Millionen Euro Etat bei den Hausherren, etwa die Hälfte bei den Gästen. Die Favoritenrolle ist klar verteilt.

Björn Seipp: "Jungs sollen dieses Spiel genießen!"

Dennoch freut man sich auf Seiten der HSG Wetzlar auf die Partie. „Wir haben bislang eine blitzsaubere Saison abgeliefert, mit Resultaten, die uns vor dem Start der Liga sicherlich kaum einer zugetraut hatte - vielleicht wir uns selbst nicht“, so HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. „Dass dieses Spiel am 11. Spieltag ein Spitzenspiel ist, ist der Lohn für harte Arbeit und sensationelle Spiele unserer Mannschaft. Klar fahren wir nicht nach Mannheim, um Fotos mit den Topstars der Löwen oder von der beeindruckenden Arena zu machen, sondern um gegen eines der derzeit besten Teams Europas und somit der Welt Vollgas zu geben und unsere beste Leistung abzurufen. Wir können selbstbewusst und ohne Druck aufspielen. Die Jungs sollen dieses Spiel genießen!" 

Selbstvertrauen haben sich die Grün-Weißen nicht zuletzt in den vergangene sieben Ligaspielen geholt, in denen das Team von Trainer Kai Wandschneider 13:1-Punkte sammelte – unter anderem mit Heimsiegen über den DHB-Pokalsieger SG Flensburg-Handewitt und den selbsternannten Champions League-Anwärter SC Magdeburg. „Bei allem Respekt sind die Rhein-Neckar Löwen aber derzeit noch einmal eine andere Hausnummer – und dann vor allem auch noch in deren eigener Halle. Von allen Spitzenmannschaften verfügen sie über die eingespielteste Mannschaft und die beste Abwehr“, weiß Wandschneider zu berichten. „Dazu haben die wenigen Neuzugänge, wie Mikael Appelgren im Tor und Rafael Baena am Kreis, sehr gut eingeschlagen. Die Löwen steht vollkommen zu recht an der Tabellenspitze, die es für sie jetzt und für den Rest der Saison zu verteidigen gilt.“

In 25 Erstliga-Duellen konnte die HSG Wetzlar erst vier Mal gegen die Uwe Gensheimer & Co. gewinnen. Zuletzt jedoch vorwenigen Monaten, im Saisonfinale 2014/2015. Da hatten die Domstädter das Kunststück fertig gebracht, den Favoriten aus Mannheim in der Rittal Arenadeutlich zu besiegen. Damit waren die Rhein-Neckar Löwen der letzten Chance beraubt, dem direkten Konkurrenten THW Kiel aus eigener Kraft ein Schnippchen zu schlagen und erstmals selbst den Titel einzufahren. „Dieses Spiel wird man in Wetzlar so schnell nicht vergessen, aber das ist Vergangenheit! Dafür können wir uns heute nichts mehr kaufen“, weiß Coach Wandschneider, der aus dieser Partie jedoch noch einige taktische Ansätze mitnimmt. „Wir wissen, um die Dinge, die gegen die Löwen gut funktioniert haben! Das können Ansätze sein, mehr aber auch nicht. Klar ist, dass wir am Sonntag eine große Herausforderung vor uns haben, die wir annehmen müssen und auf die wir uns freuen! Die Rhein-Neckar Löwen sind das Maß aller Dinge in der Bundesliga. Aber wir wollen zeigen, dass wir in der Lage sind mit und an unseren Aufgaben zu wachsen."

Wandschneider: "Löwen sind Maß aller Dinge in Bundesliga!"

Neutrale Beobachter dürfen sich sicherlich auch auf das Torhüter-Duell zwischen dem Schweden Mikael Appelgren und dem deutschen Nationaltorhüter Andreas Wolff auf Wetzlarer Seite freuen. Beide gehören derzeit wohl zu den Besten ihres Fachs in der DKB Handball-Bundesliga. „Wie in jedem Handballspiel heutzutage, wird die Torhüterleistung mitentscheidend sein“, so Wandschneider. „Nur mit einer aggressiven Abwehr, einem hervorragenden Torhüter und einem konzentrierten Angriffsspiel hat man in Mannheim eine Chance zu bestehen. Ich merke meiner Mannschaft an, dass sich wirklich jeder auf dieses Spiel freut. Die Stimmung ist gut aber auch sehr konzentriert. Wir werden auf das variable Angriffs- und Abwehrspiel der Löwen gut vorbereitet sein und dann ist es an jedem Einzelnen von uns, in den 60 Minuten am Sonntag seine beste Leistung abzurufen.“

Kai Wandschneider bangt derzeit um den Einsatz von Spielmacher Filip Mirkulovski, der eine "Zwangspause" wegen anhaltender Leistenprobleme verordnet bekam. Ein Mitwirken des 32jährigen entscheidet sich aller Voraussicht nach erst am Spieltag. Ansonsten stehen dem Trainer nach derzeitigem Stand alle Mann zur Verfügung.