Wetzlar lässt nötigen Biss vermissen

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Chalepo-Team kommt gegen Rhein-Neckar Löwen über 27:33 nicht hinaus Schwache Chancenverwertung

In der Wildnis darf man sich keine Fehler erlauben, wenn man überleben möchte. So ähnlich ist das manchmal auch im Handball. Dies bestätigte sich am Freitagabend. Denn die Rhein-Neckar Löwen taten es ihrem tierischen Namensgeber gleich und bissen immer zu, wenn sich die Mittelhessen Fehler erlaubten. Am Ende gewannen die Mannheimer 33:27 (18:12) bei der HSG Wetzlar und bleiben in der Spitzengruppe der Bundesliga, während sich die HSG nach der zweiten Niederlage in Folge und der ersten zu Hause nach unten orientieren muss.

 

Die HSG zeigte vor allem zu Beginn eine ähnlich engagierte Leistung wie im Pokal gegen die SG Flensburg/Handewitt. Timo Salzer (2./von Halblinks) zum 1:0 und Daniel Valo (3./Knaller aus der zentralen Position) zum 2:1 ließen die 3515 Fans in der Arena jubeln. Beim 3:2 durch Philipp Müller in der vierten Minute per Schlagwurf sah die grün-weiße Welt noch rosig aus. Das sollte sich aber schon bald ändern, zumal der gesundheitlich arg gebeutelte Bjarne Myrhol eine tolle Leistung zeigte. Myrhol war an Hodenkrebs erkrankt und musste sich vor einigen Wochen einer Operation unterziehen. Der Norweger ist noch immer von den Chemotherapien gezeichnet – spielte aber tollen Handball. Dies zeigte sich vor allem bei seinem Tor zur 10:6-Führung der »Löwen« (14.).

Auffällig war in dieser Phase, dass nahezu jeder noch so kleine Fehler der Chalepo-Truppe ausgenutzt wurde. »Gnadenlos war das, was sie gespielt haben. Für uns muss das eigentlich der Maßstab sein – gerade für die jungen Spieler. Da darf man sich keine Fehler erlauben«, ärgerte sich HSG-Keeper Nikolai Weber, der zudem »gefühlte 100 vergebene Chancen« als Grund für die abfallende Leistung seiner Mannschaft sah. Die vergebenen Chancen sind das große HSG-Manko derzeit, sodass sich Gennadij Chalepo entschied, auf Rechtsaußen auf Peter Jungwirth zu verzichten und Tobias Hahn zu bringen. Doch auch Hahn vergab gerade in den ersten 20 Minuten der Begegnung einige hochkarätige Möglichkeiten.

Wetzlar war faktisch bereits nach einer Viertelstunde geschlagen, zumal sich der Champions-League-Teilnehmer als hochkonzentrierter Kontrahent vorstellte. Beim 9:11 (17.) durch Geburtstagskind Kari Kristjansson waren die Hausherren zwar wieder dran. Doch Uwe Gensheimer stellte den Turbo an und traf zum 13:9 (21.). Der wurfgewaltige norwegische Nationalspieler Börge Lund zimmerte die Kugel kurz darauf mit brachialer Gewalt zum 14:9 (22.) ins HSG-Tor. »Wir haben von Beginn an gezeigt, dass wir gewinnen wollten«, freute sich »Löwen«-Trainer Gudmundur Gudmundsson.

HSG-Coach Chalepo wollte vor allem besser aus der Kabine kommen. Doch allen guten Vorsätzen zum Trotz waren es auch im zweiten Durchgang nur die Gäste, die den Ton angaben. Spätestens bei Lunds Traumtor aus dem Rückraum zum 22:16 (37.) waren die Gudmundsson-Schützlinge endgültig auf der Siegerstraße. Die HSG betrieb beim 23:29 (51.) durch Kristjansson und beim 26:31 (56.) durch Steffen Fäth nur noch Ergebniskosmetik. »Es ist klar, dass bei uns die Chancenauswertung das Hauptproblem ist«, meinte Weber, der aber auch Defizite im Mittelblock erkannt hatte: »Da waren wir zu zaghaft. Auf der anderen Seite sah das ganz anders aus.« Wetzlar müsse in allen Mannschaftsteilen wieder zu mehr Selbstsicherheit finden, ergänzte der enttäuschte HSG-Keeper.

HSG Wetzlar: Weber, Marinovic; Schmidt (1/1), Salzer (1), Valo (1), Mraz (3), Philipp Müller (5), Chalkidis, Fäth (2), Hahn, Harmandic, Friedrich (7/2), Kristjansson (6), Rompf (1)

Rhein-Neckar Löwen: Fritz, Stojanovic; Schmid, Gensheimer (8/6), Roggisch, Sesum (4), Bielecki (1), Lund (4), Ruß, Michael Müller (2), Myrhol (4), Lijewski (4), Groetzki (6)

Schiedsrichter: Harms/Mahlich (Magdeburg/Stendal)
Zeitstrafen: 8:8 Minuten
Rote Karte: Roggisch (46./dritte Zeitstrafe)
Siebenmeter: 4/3:6/6

Jan Martin Strasheim