Wetzlar mit 23:23-Remis

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Chalepo vermisst bei seinem Team die Körpersprache Schwaben kommen fast zum »programmierten Erfolgserlebnis«

Gennadij Chalepo hatte es schon vor dem Spiel geahnt, dass die Erwartung eines weiteren Heimsieges seiner Mannschaft vielleicht zu viel Druck auflastet. Und genau so verlief das 23:23 (11:11) der HSG Wetzlar gegen die Gäste von HBW Balingen/Weilstetten. »Noch nie, seit ich Trainer bin, haben wir so viele technische Fehler gemacht und so eine schlechte Leistung gezeigt. Ich habe die Körpersprache bei meiner Mannschaft vermisst.« Der Trainer fand deutliche Worte für das, was seine Mannschaft geboten hatte. Einzig die Tatsache, dass der Gegner an diesem Abend nicht besser war, verhinderte die erste Heimniederlage der Saison.

 

Dabei starteten die Hausherren mit einem Kreistreffer von Giorgos Chalkidis und fanden anfangs auch immer wieder Mittel gegen die offensive Gäste-Deckung. Kevin Schmidt verwandelte ein schönes Rückhand-Anspiel von Philipp Müller zum 2:1-Zwischenstand, scheiterte allerdings im nächsten Angriff mit einem Strafwurf an der Latte und verpasste es somit, den Vorsprung zu erhöhen. Balingen/Weilstetten verkraftete auch den frühzeitigen Ausfall seines Rechtsaußen Dennis Wilke, der bei einer Abwehraktion verletzt ausschied.

Der im ersten Abschnitt starke Kreisläufer Jens Bürkle konnte in der zehnten Minute nach einem Doppelschlag erstmals zum 4:4 ausgleichen und profitierte dabei unter anderem davon, dass Giorgos Chalkidis einen Tempogegenstoß nicht verwandelt hatte und Philipp Müller an der Latte gescheitert war. So gelang Gäste-Routinier Frank Ettwein beim 5:6 (15.) die erste Gäste-Führung. Wetzlar spielte den Schwaben mit einer erschreckend hohen Fehlerquote im schnellen Vortragen des Balles leichtfertig in die Karten. Diese machten immer dann, wenn sich die Gelegenheit bot, den Ball schnell, um Nutzen aus dem doppelten Wechsel zwischen Abwehr und Angriff der Grün-Weißen zu schlagen. Dadurch konnte Felix König nach 18 Minuten einen erweiterten Tempogegenstoß zur 8:6-Gästeführung abschließen und sorgte für Unmut auf den Rängen.

Die HSG Wetzlar hielt nun aber dagegen und war mit drei Toren in Folge beim 9:8 wieder in Führung, als Lars Friedrich im Nachwurf einen Siebenmeter verwandeln konnte. Nach dem abermaligen Balinger Ausgleich zum 10:10 ließ Lars Friedrich aber einen weiteren Strafwurf ungenutzt und Peter Jungwirth konnte in doppelter Überzahl (!) den Ball nicht im Netz versenken, so dass die Gastgeber die Möglichkeit, mit einem Vorsprung in die Kabinen zu gehen, vergaben.

Auch nach Wiederanpfiff gelang es keiner Mannschaft, sich abzusetzen. Zwar konnte die HSG nun einige bessere Aktionen zeigen (feiner Müller-Pass zu Kreisläufer Kari Kristjansson, der einen Siebenmeter »zieht«, den Adrian Harmandic zum 13:13/35. verwandelt; oder schöne Finte, die Philipp Müller zum 14:13 abschließt), generell agierte man aber zu konzeptlos gegen die offensive Deckung der Schützlinge von Dr. Rolf Brack. Zwar gelang es den Grün-Weißen, sich einen Zwei-Tore-Vorsprung zu erarbeiten (16:14/43. durch Adrian Harmandic nach Auflösen zum Kreis), doch Balingen/Weilstetten kam auch immer wieder zu leichten Gegentoren ohne Körperkontakt. Dabei konnte Wetzlars Keeper Nikola Marinovic gegen seine ehemaligen Mannschaftskameraden noch davon profitieren, dass er deren Wurfbilder eben kennt und daher den einen oder anderen Ball abwehren konnte und somit seiner Mannschaft half. Doch die Süddeutschen hatten längst gemerkt, dass an diesem Abend etwas möglich war bei den Mittelhessen. Besonders in Person von Junioren-Nationalspieler Felix König, der in der Endphase durch seine Schnelligkeit immer wieder zu leichten Toren kam.

Beim 19:20 (52.) brachte Chalepo dann Kapitän Nikolai Weber zwischen die Pfosten, der sich sofort mit zwei Paraden gut einführte. Und als Daniel Valo, der bisher nur in der Deckung agierte, mit drei Treffern in Folge beim 22:21 in Überzahl fünf Minuten vor Spielende die Hausherren wieder in Front brachte, konnte man im Wetzlarer Lager wieder kurz von zwei weiteren Punkten träumen.

Doch Balingens Trainer-Fuchs Brack brachte nun den siebten Feldspieler – und die Überzahl nutzte Rechtsaußen Kai Häfner sofort zum Ausgleich. Im Gegenzug gelang Timo Salzer 100 Sekunden vor Schluss mit seinem einzigen Tagestreffer die abermalige Führung. Als dann er ehemalige Wetzlarer Publikumsliebling Alexis Alvanos einen Strafwurf nur an den Pfosten setzte (58:55), war das Happy-End zum Greifen nahe. Doch Außen Tobias Hahn wurde einen Moment später zur tragischen Figur, denn sein freier Wurf bei offener Manndeckung landete nur am Torpfosten 59:34), so dass Balingen mit dem gleichen Spielzug wie beim Tor zuvor doch noch der 23:23-Ausgleichstreffer (59:53) zu einem dem Spielverlauf nach verdienten Unentschieden gelang.

Zwar war Wetzlars Linkshänder Daniel Valo nach Spielende enttäuscht: »So ein Spiel müssen wir gewinnen, da ist ein Punkt zu wenig«, doch beide Trainer waren sich hernach einig, dass man mit dem einen Punkt zufrieden sein müsse und dieser im Verlauf der Saison vielleicht noch wichtig sein könne.

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber; Schmidt (2), Rompf, Salzer (1), Valo (3), Jungwirth (2), Mraz, Müller (4), Chalkidis (1), Fäth, Hahn, Harmandic (4/2), Friedrich (5/3), Kristjansson (1)

HBW Balingen/Weilstetten: Ziemer, Puhle; König (5), Herth (3/1), Sauer, Wilke (1), Ettwein (1), Schlinger (4), Strobel, Wessig, Häfner (2), Bürkle (5), Alvanos (2/1), Gutbrod

Schiedsrichter: Immel/Klein (Tönisvorst /Ratingen )
Zuschauer: 3662
Zeitstrafen: 10:16 Minuten
Siebenmeter: 7/5:4/2

(mro)