Wetzlar siegt mit zehn Toren in Essen

DKB Handball-Bundesliga

36:26 Erfolg im Ruhrpott eingefahren - Valo, P. Müller und Harmandic mit je 6 Treffern

Die HSG Wetzlar lässt nicht nach. Allen personellen und trainingsperiodischen Widrigkeiten zum Trotz hat die Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider am Freitagabend im Bundesliga-Auswärtsspiel bei Schlusslicht Tusem Essen mit 36:26 (16:13) gewonnen.

Bis auf den an der Patellasehne verletzten Steffen Fäth konnte Wetzlars Trainer Kai Wandschneider alle seine Spieler einsetzen, also auch die beiden Wackelkandidaten Jens Tiedtke am Kreis und Tobias Reichmann auf Rechtsaußen.

Mit dem von Nikola Marinovic beim Stande von 3:3 (8.) gegen David Breuer parierten Siebenmeter bekamen die Wetzlarer das erste Oberwasser der Partie. Zweimal Michael Müller sowie Jens Tiedtke und Philipp Müller sorgten bis zur zwölften Minute und dem 7:4 für die erste Drei-Tore-Führung der HSG. Als Philipp Müller nach einer Viertelstunde mit seinem vierten Treffer den Vorsprung auf 9:5 ausbaute, war das Team von Trainer Kai Wandschneider drin in der Partie und hielt die Gastgeber bis zum Pausen-16:13 auf Distanz.

Allerdings offenbarte die Wetzlarer 6:0-Abwehr noch Probleme gegen Essens Rückraum-Linken Julius Kühn, denn der 1,98 m große Ex-Düsseldorfer war bis zum Seitenwechsel sechsmal erfolgreich. Der erste Durchgang hätte aus Tusem-Sicht enger sein können, denn Essens Torwart Jan Kulhanek verhinderte mit einigen Paraden einen höheren Rückstand, doch seine Vorderleute bekamen mehrfach die Abpraller nicht in die Hände und so kam Wetzlar oft zur zweiten oder sogar dritten Chance. Und die ließ sich der körperlich robuste Rückraum mit Philipp und Michael Müller nur selten nehmen. Die Essener Abwehr, bisher meist solide, knüpfte nicht an zuletzt gezeigte Leistungen an.

Trotzdem konnte HSG-Trainer Kai Wandschneider zunächst nicht ganz zufrieden sein. Torwart Nikola Marinovic hatte trotz zweier parierter Strafwürfe (beim dritten traf Essens Ole Rahmel nur die Latte) nicht seinen besten Tag erwischt. Beim 11:12 (22.) schickte er Nikolai Weber zwischen die Pfosten, der mit insgesamt 13 Paraden dann ein größerer Rückhalt war. 

Die Entscheidung fiel schon recht schnell direkt nach der Pause, als Wetzlar auf 20:14 (35.) davonzog. National-Rechtsaußen Tobias Reichmann, der angeschlagen in der ersten Halbzeit nur auf der Bank saß, hatte mit drei Toren in Serie einen großen Anteil daran.

Überhaupt hatten die Mittelhessen die größeren personellen Alternativen. Im rechten Rückraum konnte Kai Wandschneider Michael Müller problemlos eine Pause gönnen. Für ihn sprang der nicht minder wurfstarke Daniel Valo als Vollstrecker ein und brachte es insgesamt auf sechs erfolgreiche Abschlüsse.

Den Essenern, die ohnehin personell nicht auf Rosen gebettet waren, gingen hingegen die Alternativen aus, zumal Ole Rahmel nach seiner dritten Zeitstrafe nur noch zuschauen durfte (41.). Spielentscheidend war dies nicht mehr, denn Wetzlar führte zu diesem Zeitpunkt schon mit sechs Treffern (24:18). Am Ende zeigte der 36:26-Erfolg auch ergebnismäßig die Leistungsunterschiede auf.
»Bis auf einige wenige Augenblicke hatten wir die Partie im Griff«, resümierte HSG-Geschäftsführer Björn Seipp, »Julius Kühn auf Halblinks und Andre Kropp am Kreis haben uns zuweilen Probleme bereitet. Nachdem Trainer Kai Wandschneider die 6:0-Deckung dann etwas defensiver gestellt hat, waren wir Herr der Lage.«

Selbst als beim 30:22 in der 50. Minute die Messe längst gelesen war und Tusem-Trainer Christian Prokop seinen Nachwuchskräften verstärkt Einsatzzeiten gab, ließen die Wetzlarer Erstliga-Handballer nicht nach. »Die Jungs haben 60 Minuten am Kabel gezogen«, zollte Seipp seinem Team vor gut 100 mitgereisten grün-weißen Anhängern Respekt und zeigte sich vor dem nächsten Heimspiel gegen TuS N-Lübbecke von der Einstellung beeindruckt: »Alle haben gezeigt, dass die noch immer hungrig sind.«

Tusem Essen: Kulhanek, Bliß; Böhm (2/1), Kühn (7), Keller (3), Leenders, Bouali (1), Pieczkowski (2), Seidel (1), Breuer (2), Lindt, Handschke (2), Rahmel (2), Kropp (4).

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber; Schmidt (4/2), Fridgeirsson, Tiedtke (2), Rompf (1), Valo (6), Zörb (1), Mraz, Philipp Müller (6), Reichmann (5), Michael Müller (5), Hahn, Harmandic (6).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Hartmann/Schneider (Barleben/Irxleben). - Zuschauer: 1650. - Zeitstrafen: Leenders, Rahmel (3/beide Essen); Mraz, Harmandic (beide Wetzlar). - Disqualifikation: Rahmel (40., Essen / dritte Zeitstrafe). - Siebenmeter: 4/1:3/2. Dietmar Mauer 

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung