Wetzlar sieht Rot

DKB Handball-Bundesliga

Harmandic fliegt vom Feld, die HSG stürzt in den Tabellenkeller

Ein Mann sieht Rot. Und die HSG Wetzlar sieht schwarz. Zuerst flog Spielmacher Adnan Harmandic vom Feld, dann stürzte seine Mannschaft immer tiefer in den Tabellenkeller. Trotz einer starken kämpferischen Leistung kassierten die Grün-Weißen gestern Abend eine bittere 24:26 (14:15)-Heimniederlage gegen die SG Flensburg-Handewitt.

Video (Quelle: mittelhessen.de) => Pressekonferenz
Video (Quelle: mittelhessen.de) => Alois Mraz (HSG) 
Video (Quelle: mittelhessen.de) => Philipp Müller (HSG)
Video (Quelle: mittelhessen.de) => Lars Kaufmann (SG Flensbutg-H.)


"Einfach nur tragisch. Ich weiß nicht, wie viele Fahrkarten wir heute geworfen haben", haderte Torwart Nikolai Weber, während sein Trainer Gennadij Chalepo wortlos in die Kabine stiefelte.

"Die HSG Wetzlar ist bekannt dafür, nicht nett zum Gegner zu sein. Es wird jedes Mal härter", hatte Lubomir Vranjes, der Trainer der SG Flensburg-Handewitt, vor den Grün-Weißen gewarnt. Auch an der Förde ist die Erinnerung an die dritte Pokalrunde im Oktober noch frisch, als der Deutsche Meister von 2004 in der Sporthalle in Dutenhofen nach einem 25:25 in der regulären Spielzeit nachsitzen musste und sich dann mühselig mit 29:27 ins Achtelfinale kämpfte.

Aber zunächst waren die Flensburger nicht nett zum Gegner. Mit ihrer leichtfüßigen, offensiven Deckung ließen sie den HSG-Rückraum fast nicht zum Zuge kommen. Auf der Gegenseite stand aber auch die Abwehr der Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen, die dank ihrer Gegenstoßtreffer und einer konsequent ausgenutzten Überzahl mit 6:3 und später mit 9:6 in Führung ging. Ausgerechnet ein Siebenmeter für die Gastgeber brachte die Mannschaft von Trainer Chalepo in Not. 19 Minuten und 19 Sekunden waren gespielt, als Adnan Harmandic Flensburgs Torwart Mattias Andersson den Ball an den Kopf warf. "Die Schiedsrichter haben mir gesagt, so sind die Regeln", schüttelte der bosnische Spielmacher beim Gang in die Kabine ungläubig den Kopf.

Seine Hinausstellung tat umso mehr weh, da mit Timo Salzer ein weiterer Mittelmann wegen einer Nasennebenhöhlenentzündung zum Zuschauen verurteilt war. Alois Mraz führte sich in der Schaltzentrale des Angriffs zwar gleich gut ein, aber der gesamten Mannschaft war die Verunsicherung anzumerken. Besonders dem zunächst prächtig auftrumpfenden Kreisläufer Kari Kristjan Kristjansson, der den nächsten Siebenmeter Flensburgs schwedischem Routinier im Tor fast in die Arme warf. Die Gäste gingen jedenfalls mit einer schmeichelhaften 15:14-Führung in die Kabine.

Grün-Weiße unterliegen nach großem Kampf Flensburg-H. mit 24:26


Nachdem der Tabellenvierte auf 18:15 davongezogen war, kam die HSG zurück. Der eingewechselte Nikola Marinovic steigerte sich im Tor, die Abwehr hatte den unterirdisch schwachen Ex-HSG-Nationalspieler Lars Kaufmann weiter im Griff. Und vorne wurde plötzlich sogar gezaubert. Nach einem Rückhandanspiel von Philipp Müller traf Kristjansson zum 18:18, mit einem Rückhandtor krönte Kevin Schmidt den Gegenstoß zum 20:20.

Im dritten Versuch gelang Müller endlich wieder die Führung. Ein Krimi nahm seinen Lauf. Und endete tragisch für die HSG. In der heißen Phase zwei Minuten vor Schluss kassierte der bis dahin in der Abwehr starke Giorgos Chalkidis wegen eines Wechselfehlers eine Zeitstrafe. 52 Sekunden vor Schluss verwarf Schmidt den dritten Wetzlarer Siebenmeter.

"Wir haben heute den Kampf angenommen", atmete Flensburgs sechsfacher Torschütze Holger Glandorf tief durch und freute sich über den schmeichelhaften Sieg des Champions-League-Finalisten von 2004 und 2007.

Wetzlar: Weber (bis 21.), Marinovic - Schmidt (4/1), Rompf (n.e.), Valo (3), Jungwirth (n.e.), Mraz (1), Müller (3), Chalkidis (1), Fäth (2), Hahn (3), Harmandic (1), Friedrich (1), Kristjansson (5).

Flensburg-Handewitt: Andersson, Rasmussen (n.e.) - Karlsson, Eggert (3/2), Glandorf (6), Mogensen (2), Svan Hansen (9), Djordjic (3), Mocsai, Szilagyi, Kaufmann, Knudsen (3).

Schiedsrichter: Geipel/Helbig (Halle/Landsberg) - Zuschauer: 3698 - Zeitstrafen: Wetzlar vier (Schmidt, Müller, Chalkidis zwei), Flensburg sieben (Karlsson drei, rote Karte 56. Minute, Kaufmann zwei, Mogensen, Knudsen) - verworfene Siebenmeter: Harmandic, Kristjansson und Schmidt (Wetzlar) scheitern an Andersson (20., 27. und 60.).

Thomas Hain