Wetzlar unterliegt gegen Kiel

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DKB Handball-Bundesliga

Tönnesen (HSG Wetzlar) und Palmarsson (THW Kiel) mit jeweils 9 Treffern die besten Torschützen.

Vier fehlende Stammkräfte sind für die HSG Wetzlar beim 29:32 (13:15) am Freitag vor 4200 Zuschauern gegen Meister THW Kiel eine zuviel. Vor allem Linksaußen-Neuzugang Maximilian Holst wird wegen einer schweren Knieverletzung lange fehlen.

Gerackert, gekämpft aber in den entscheidenden Phasen ohne Glück. Gegen einen angeschlagenen Serienmeister THW Kiel verpassten die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar am Freitagabend vor 4287 Zuschauern in der Rittal-Arena die Chance, einen der großen Fünf der Liga zu schlagen. Letztendlich mussten sich die Wetzlarer mit 29:32 (13:15) beugen, wobei Kent Robin Tönnesen (HSG) und Kiels Aron Palmarsson mit jeweils neun Treffern glänzen konnten. Selbst ohne Steffen Fäth (doppelter Bänderriss) und Maximilian Holst (Teilanriss vorderes Kreuzband linkes Knie plus Meniskusschaden), der sich erst am Donnerstag im Training verletzt hatte, und die noch nicht wieder einsatzfähigen Adnan Harmandic und Jens Tiedtke standen die Chancen lange nicht mehr so gut, die Weltauswahl des THW in die Knie zu zwingen. Am Ende war es dann aber doch das eine oder andere personelle Handicap zuviel, um auch Zählbares einfahren zu können.
 
Die ersten Minuten verliefen zäh. Kiel agierte in der Abwehr mit seiner gut eingespielten 3:2:1-Abwehr und bereitete den Grün-Weißen damit erhebliche Probleme. Doch auch die Truppe von THW-Coach Alfred Gislason tat sich gegen die kompakte 6:0-Deckung der Wetzlarer schwer. Es entwickelte sich eine Abwehrschlacht, die in der ersten Viertelstunde nicht viele Tore zuließ. Das Torhüterduell entschied bereits in dieser Phase HSG-Keeper Andreas Wolff für sich, der unter anderem einen Siebenmeter von Kiels Filip Jicha entschärfte und auch dessen Nachwurf parierte. Johan Sjöstrand auf der anderen Seite glänzte zwar in der Anfangsphase auch mit drei Paraden, musste in der Folge aber mehr und mehr die Bälle aus dem Netz fischen.
 
So stand es in der 15. Minute 5:5, nachdem Ivano Balic Joan Canellas erst ausgeguckt und dann frech umkurvt hatte. Beim 7:7 in der 17. Minute erzielte Aron Palmarsson in seiner unnachahmlichen, durchsetzungsstarken Art seinen vierten Treffer. Doch Wetzlar blieb dran. Für den glücklosen Sjöstrand kam in der 21. Minute Andreas Palicka aufs Feld – und dieser Wechsel sollte sich für THW auszahlen.
 
Wetzlar verdaddelte im Angriff zwei Mal die Kugel und handelte sich prompt das 8:10 (Ekberg, 22. Gegenstoß) ein. Palmarsson mit Treffer Nummer fünf erhöhte auf 11:8, ehe Palicka in der 24. Minute den ersten Siebenmeter von Guillaume Joli parieren konnte. Dominik Klein nutzte die Gunst der Stunde und traf per Gegenstoß zum 13:9. Doch die Grün-Weißen ließen nicht nach. Zwei Zuckerpässe von Balic auf Florian Laudt bedeuteten das 12:15, Joli verkürzte in der 29. Minute mit seinem zweiten verwandelten Siebenmeter auf 13:15. Eine Parade von Wolff ermöglichte Joli mit dem Schlusspfiff sogar den Anschluss, doch der scheiterte zum zweiten Mal an Palicka.
 
Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte standen sich die Akteure der HSG Wetzlar selbst im Weg. In Überzahl ein abgefangener Pass von Klein (13:16), kurze Zeit später (37.) das gleiche Spiel. Jicha stiebitzte die Kugel, scheiterte aber am erneut überragenden Wolff im Wetzlarer Kasten. »Das war der Knackpunkt in unserem Spiel, die technischen Fehler vorne und die daraus resultierenden direkten Gegenstöße von Kiel«, analysierte Wandschneider nach der Partie.

Kristian Bliznac netzte per Gegenstoß zum 18:20 ein (39.), doch mehr und mehr vermiesten unglückliche Schiedsrichterentscheidungen dem Wetzlarer Publikum und den Akteuren die Laune. Die HSG ließ sich davon zunächst nicht beeindrucken, hielt stets dagegen und blieb bis zum 24:26 von Tönnesen auf Tuchfühlung.
 
Ab der 52. Minute wurde es allerdings turbulent. Tobias Hahn traf nach Parade von Jose Hombrados, der in der 48. Minute für Wolff kam, und kurz danach musste Palmarsson wegen eines Wechselfehlers vom Feld. Im Duell sechs gegen fünf erzwang die HSG ein absichtliches Fußspiel von Ekberg, die nächste Zeitstrafe für Kiel. In der Halle keimte Hoffnung auf.
 
Doch im Spiel sechs gegen vier gelang es der Truppe von Trainer Kai Wandschneider nicht, sich eine eindeutige Einwurfmöglichkeit zu verschaffen. So versuchte es Laudt mit einer Einzelaktion und senste den Ball per Aufsetzer über das Kieler Gehäuse. Der THW spielte seine Unterzahl clever und routiniert aus und zog durch Marko Vujin einen Siebenmeter, den er selbst zum vorentscheidenden 29:26 (54.) verwandelte.
 
Nach einem Stürmerfoul gegen Tönnesen sah Wandschneider die gelbe Karte, nach einer Zeitstrafe gegen Hahn tobte die Arena. Der Frust war den Wetzlarer Spielern anzusehen. Kiel zog auf 31:27 weg, Palicka parierte zu allem Überfluss den zweiten Siebenmeter von Joli. Auch die angeordnete 3:3-Abwehr der HSG brachte Kiel in der Endphase nicht mehr aus dem Konzept, so dass sich Wetzlar dem Meister mit 29:32 beugen musste.
 
THW-Coach Gislason war erleichtert: »Nach so einer Niederlage vor zwei Tagen in Balingen nach Wetzlar zu fahren, die bisher gut gespielt hat, war eine große Aufgabe für uns. Deshalb war es notwendig, dass wir uns deutlich steigern konnten. Die zwei Punkte waren extrem wichtig für uns.«

Trotz Niederlage stimmte die Moral im Wetzlarer Team, wie auch Trainer Kai Wandschneider anführte: »Ich habe ein gutes Handballspiel gesehen. Wir haben gegen Kiel 29 Tore erzielt. Wir hatten mit Andi und Jota zwei sehr gute Torhüter im Kasten, mit einer guten 6:0-Abwehr davor. Nur kontern können wir nicht so gut wie Kiel.«
 
HSG Wetzlar: Hombrados, Wolff; Prieto, Rompf (2), Weber (2), Tönnesen (9), Laudt (5), Kraft (n.e.), Hahn (2), Bliznac (4), Joli (2/2), Balic (3), Klesniks.
 
THW Kiel: Sjöstrand, Palicka; Duvnjak (3), Toft Hansen (2), Sprenger, Wiencek (3), Ekberg (4), Canellas, Dahmke (n.e.), Palmarsson (9), Klein (4), Jicha (1), Vujin (6/2).
 
Im Stenogramm / Schiedsrichter: Grobe/Kinzel (Braunschweig). – Zuschauer: 4287. - Zeitstrafen: Hahn, Klesniks (beide Wetzlar); Wiencek, Ekberg, Palmarsson, Jicha (2, alle Kiel). – Siebenmeter: 4/2:3/2. Daniela Pieth

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung