Wetzlar verschleudert Acht-Tore-Vorsprung!

DKB Handball-Bundesliga

Handball-Bundesligist HSG Wetzlar hat es wieder nicht geschafft, den Auswärtsfluch zu vertreiben. Seit dem 23. November 2014 (24:22-Erfolg bei HBW Balingen-Weilstetten) lechzen die Mittelhessen nun schon nach einem Sieg in fremder Halle. Doch auch im achten Anlauf beim TSV Hannover-Burgdorf wollte das Vorhaben der Lahnstädter nicht gelingen. Nach einer überragenden ersten Spielhälfte brach das Team von HSG-Coach Kai Wandschneider regelrecht ein, vergaß das Handball-Einmaleins und ging demoralisiert mit einer 26:28 (17:11)-Niederlage vom Feld.

Ein unglaubliches Spiel in der Swiss Life Hall in Hannover hatte ein unglaubliches Ende genommen. Da führten die Hessen aufgrund einer sensationell starken Vorstellung in der 32. Minute schon mit 19:11 und gerieten danach doch noch fürchterlich unter die Räder der wieder erwachten „Recken“. Entsprechend „bedient“ war denn auch Wandschneider: „Ich bin maßlos enttäuscht. Das darf einfach nicht passieren, dass wir einen Acht-Tore-Vorsprung einfach wegschenken und nach der Pause selbst nur neun Treffer erzielen“. „Stark begonnen, aber noch stärker nachgelassen“, musste der Wetzlarer Übungsleiter zur Leistung seiner Mannschaft angesichts des diametralen Spielverlaufs feststellen.

„Phänomenal, großartig, überragend“, lauteten die Superlative, mit denen das Wetzlarer Spiel in Durchgang eins bezeichnet werden konnte. HSG-Keeper Andreas Wolff wartete in einer absolut länderspielreifen Form auf, Dejan Manaskov konnte auf der Linksaußenposition von der TSV-Abwehr gar nicht gestoppt werden, und in der Abwehr packten die Klesniks, Bliznac und Co. in einer stabilen Deckung mächtig zu, sodass die Wetzlarer 10:6-Führung (Joli, 17.) hochverdient war. Nach einer Viertelstunde standen bereits sechs tolle Paraden in der Statistik des Wetzlarer Torhüters, und im Angriff hatte Manaskov schon viermal eingenetzt.

Hannover-Burgdorf – Wetzlar 28:26

Als die Niedersachsen auf 8:10 heran gekommen waren, holte Kai Wandschneider die HSG-Sieben an die Seitenlinie zur ersten Auszeit, die auch prompt positive Wirkungen zeigte. Weil „Andi“ Wolff gegen seinen zukünftigen Mannschaftskameraden Filip Mirkulovski prächtig reagierte und kurz danach einen Strafwurf von Lehnhoff entschärfte, zogen die spielfreudigen Mittelhessen von 10:8 (19.) auf 14:8 (Weber, 24.) davon. Der deutliche Wetzlarer Vorsprung bis zum Wechsel (17:11) war zugleich Ergebnis eines bestens funktionierenden Kollektivs mit herausragenden Einzelleistungen. Als dann nach Wiederbeginn Wolff zweimal „Smöre“ Christophersen zur Verzweiflung brachte und auf der Gegenseite Sebastian Weber mit einem Doppelschlag aufhorchen ließ, schien beim 11:19 ein TSV-Fiasko seinen Lauf zu nehmen.

Doch die Gäste nutzten die Gunst des Augenblicks nicht. Statt konzentriert und ruhig weiter zu spielen, leisteten sich die HSG-Akteure unnötige Ballverluste, technische Fehler und Missverständnisse, sodass sich der neutrale Beobachter fragen musste, ob da plötzlich eine Wetzlarer-B-Mannschaft auf dem Feld stand. Auch wenn der Wetzlarer Keeper weiter überragend hielt, er allein konnte die Hannoveraner Aufholjagd in den letzten 25 Minuten nicht stoppen. Selbst ein Kopftreffer bei einem Siebenmeter von Karason, der folgerichtig die Rote Karte sah, hinderte den Zerberus nicht, weiterhin in Top-Form zu spielen.

Angetrieben vom starkenMirkulevski, der nicht nur als Regisseur, sondern auch als Vollstrecker gefiel und nebenbei noch fünf Siebenmeter für seine Farben herausholte, spielten sich die „Recken“ in einen Rausch, dem die HSG Wetzlar nichts entgegensetzen konnte. Die Lahnstädter führten zwar noch einmal 20:18 (41.), doch beim 20:20 (43.) war der satte Gästevorsprung weggeschmolzen. Eine Viertelstunde vor dem Ende gingen die Niedersachsen beim 21:20 erstmals in Führung, die sie über die Stationen 24:22, 26:24 (56.) bis zum 28:26-Endstand auch aufgrund der ausgezeichneten Torhüterleistung von Nikolai Weber nicht mehr abgaben.

Quelle: Gießener Anzeiger