Wetzlar verspielt doppelten Punktgewinn gegen TUSEM Essen.

DKB Handball-Bundesliga

Tabellenschlusslicht mit erstem Zähler - HSG mit "eigenen Waffen" geschlagen.

Die HSG Wetzlar ist am 14. Spieltag der DKB-Handball-Bundesliga nicht über ein 33:33 (17:13)-Unentschieden gegen das Tabellenschlusslicht des TUSEM Essen hinaus gekommen. Vor 4217 Zuschauern in der gut gefüllten Rittal Arena verpasste es die Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider sich frühzeitig deutlich abzusetzen. Das Ergebnis zur Halbzeit hätte höher ausfallen müssen. Nach dem Wechsel scheiterten die Grün-Weißen immer wieder am jungen Essener Keeper Ante Vukas, der mit seinen Paraden unmittelbar nach dem Seitenwechsel dazu beitrug, dass die Gäste aus Nordrheinwestfalen binnen weniger Minuten auf 18:18 ausgleichen konnten. Bis zum Schluss blieb die Partie spannend, ehe kurz vor dem Schlusspfiff Niclas Pieczkowski zum verdienten Ausgleich für die Gäste einwarf.

HSG-Geschäftsführer Björn Seipp brachte es auf der Pressekonferenz nach dem Spiel auf den Punkt: „Ich bin froh, dass wir hier heute nicht verloren haben. Der Punktgewinn für Essen ist absolut verdient.“ In der Tat hatten die Gäste aus Essen bis kurz vor Schluss die Gelegenheit zwei Punkte aus dem beschaulichen Mittelhessen mitzunehmen. Im vorletzten Angriff sprang der Ball allerdings dem gefährlichsten Schützen an diesem Abend, Fabian Böhm, in aussichtsreicher Position an den Fuß, der somit fast zum tragischen Helden des Abends wurde, denn im darauffolgenden Angriff ging die HSG mit 33:32 in Führung und sorgte mit dem Treffer immerhin dafür, dass es nach der Heimpleite gegen den TSV Hannover-Burgdorf nicht erneut zu einer Niederlage in eigener Halle kam. Niclas Pieczkowski sorgte mit seinem Treffer drei Sekunden vor Schluss für den Startschuss für ausgelassene Jubelarien der Gäste, die wohl noch die gesamte Rückfahrt bestimmt haben dürften.

„Ich habe unter der Woche geahnt, dass Christian Prokop irgendetwas auspacken würde und ich hatte auch auf Tempospiel getippt, was ja auch unser Spiel bestimmt. Leider wurden wir heute mit unseren eigenen Waffen geschlagen“, erklärte ein enttäuschter HSG-Trainer Kai Wandschneider auf der Pressekonferenz. „Wir haben in dieser Saison schon einmal ein Spiel erlebt, wo kein Akteur an die Leistungsobergrenze gestoßen ist – das war in Bad Schwartau. Eigentlich darf so etwas nicht noch einmal passieren. Ich muss heute, auch im Namen der Mannschaft, beim unfassbar guten Publikum für den blassen Auftritt um Entschuldigung bitten“, fügte der gebürtige Hamburger an. 

Sein Gegenüber Christian Prokop genoss den Moment des ersten Punktgewinns: „Wir sind natürlich überglücklich über den ersten Punkt, das hat sich die Mannschaft verdient! Wir haben in der vergangenen Woche intensiv gearbeitet und wollten unsere Fortschritte gleich auf die Platte bringen. Das hat in der zweiten Halbzeit gut funktioniert. Wir konnten, auch dank Ante Vukas, der der Mannschaft eine gewisse Sicherheit gegeben hat, schnell den Ausgleich schaffen und für unsere Mühe belohnen.“

Die von Prokop angesprochenen Fortschritte konnten auch die zahlreichen Zuschauer in der Rittal Arena bestaunen. Schnelle Mitte, erste und zweite Welle, erweiterter Gegenstoß. All das, was sie in den letzten Wochen und Monaten von „ihrer“ HSG gewohnt waren, brachten am gestrigen Abend die Gäste auf die Platte, die kurz vor Schluss verdient mit 31:30 in Führung gingen. Die Grün-Weißen zeigten in den letzten Minuten aber Charakter und retteten zumindest einen Punkt, der die hervorragende Bilanz der Lahnstädter weiter untermauert. „Wir haben heute zwar nur Unentschieden gespielt, aber wir haben 20:8 Punkte. Hätte mir das vor der Saison jemand gesagt, hätte ich ihm das nicht geglaubt“, schloss HSG-Geschäftsführer Björn Seipp.

 

HSG Wetzlar: Marinovic (1.-42., 57.-60.), Weber (42.-57.); Schmidt (6/1), Philipp Müller (6), Fäth (2), Harmandic (3), Fridgeirsson, Michael Müller (3), Valo (1), Mraz (1), Reichmann (3), Tiedtke (7), Kristjansson (1).

TuSEM Essen: Kulhanek (1.-30.), Vukas (31.-60.); Böhm (9), Kühn, Pieczkowski (7), Breuer (3), Lindt (4), Keller, Seidel (3), Handschke (1), Rahmel (4), Leenders (2), Kropp (n.e.).

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Schaller/Küsters. – Zuschauer: 4217. – Siebenmeter: 4/2 : 1/0. – Zeitstrafen: 2:6 Minuten.

 

Stimmen zum Spiel:

Nikolai Weber: „Uns war vor dem Spiel klar, dass wenn wir nicht 100 Prozent geben, wir richtig Probleme bekommen würden. In der ersten Halbzeit haben wir uns eigentlich einen komfortablen Vorsprung herausgespielt. Nach der Halbzeit ist uns aber das passiert, was uns schon mehrfach widerfahren ist: Wir haben den Beginn verschlafen und durch einen 1:5-Lauf den Ausgleich kassiert. In der Abwehr sind wir nie in die 1-gegen-1-Situationen gekommen, um das Tempospiel von Essen zu unterbrechen.“

Michael Müller: „Wir wurden heute mit unseren eigenen Waffen geschlagen: Schnelle Mitte, erste und zweite Welle. Das hat uns etwas überrascht. Leider konnte heute kein Spieler an die Leistungen aus den vergangenen Partien anknüpfen. Damit sind wir in dieser Saison schon einmal auf die Fresse gefallen, das war in Bad Schwartau. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen.“

Jens Tiedtke: „Wir sind alle Profis, von daher sollte man erwarten, dass wir auch gegen Tempospiel verteidigen können. In der ersten Halbzeit haben wir im Angriff viele Dinger liegengelassen, nach dem Wechsel haben wir zu viele einfache Gegentore bekommen. Essen hat das umgesetzt, was Christian Prokop erwartet: Die Flucht nach vorne. Je länger das Spiel gedauert hat, desto schwerer ist es für uns geworden.“