Wetzlarer Abwehrbollwerk sichert klaren Heimsieg!

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar überzeugt beim 25:18-Erfolg gegen den Bergischen HC vor allem in der Defensive – Nationaltorhüter Andreas Wolff mit Klasseleistung

Als Wetzlars Torhüter Andreas Wolff in der 54. Spielminute den Siebenmeter von Alexander Oelze parierte, kannte der Jubel in der stimmungsgeladenen Rittal Arena keine Grenzen mehr. Die HSG Wetzlar führte zu diesem Zeitpunkt gegen den Bergischen HC mit 21:16 und zeigte keine Anstalten, das so wichtige Heimspiel in der DKB Handball-Bundesliga noch aus der Hand zu geben zu wollen.

In den ersten zehn Minuten bekamen die 4.089 Zuschauer allerdings ein durchaus ausgeglichenes Spiel zu sehen. Beide Mannschaften präsentierten sich stark in der Abwehr und abschlussschwach im Angriff. Die Gäste aus dem Bergischen Land deckten zunächst extrem offensiv und schaffte es so den Angriff der Grün-Weißen immer wieder vorzeitig zu stören. Nach knapp neun Minuten stand es „nur“ 2:2-Unentschieden. Der erste Treffer von  Wetzlars Neuzugang Vladan Lipovina, der bei seinem ersten Heimspiel gleich von Anfang an auf der Platte stand, eröffnete dann allerdings den ersten Lauf der Gastgeber. Wetzlar kam zu leichten Toren und der BHC tat sich im Angriff immer schwerer. Nach einer Viertelstunde hatten sich die Balic & Co. beim 7:3 bereits einen vier Tore Vorsprung erarbeitet.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war auch Nationaltorhüter Andreas Wolff warmgelaufen und zeigte in der Folge eine Parade nach der anderen. Mit insgesamt 22 Paraden trug der 23-jährige letztlich wesentlich zum Heimsieg seiner Mannschaft bei. Ein weiterer Erfolgsfaktor waren an diesem Abend außerdem die Außenpositionen, die im Angriff immer wieder toll in Szene gesetzt wurden. Christian Rompf und Tobias Hahn waren auch deshalb mit sieben bzw. fünf Treffern die besten Torschützen des Spiels.

Beim Stand von 12:8 ging es in die Halbzeitpause. Die Mannschaft von BHC-Trainer Sebastia Hinze hatten sich allerdings noch nicht aufgegeben. Schlussmann Mario Huhnstock entschärfte in den ersten fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff direkt hintereinander einen Siebenmeter und einen Tempogegenstoß von Christian Rompf. Die Bergischen verkürzten den Abstand kurz später auf drei Tore. Nach einem groben Faul an Steffen Fäth und der darauf resultierenden Zeitstrafe für Christian Nippes spielte Wetzlar in der 38. Minute in doppelte Überzahl, da zu diesem Zeitpunkt bereits Benjamin Maschke mit einer Zeitstrafe belegt war. Wetzlar nutze diesen Vorteil eiskalt aus und zog in der Folge auf 16:11 davon. Auch die Einwechslung von Schlussmann Björgvin Pall Gustavsson brachte für den BHC nicht den gewünschten Erfolg. Zehn Minuten vor Schluss führte die HSG bereits mit 20:12. Angeführt von einem bärenstarken Evars Klesniks rührte die Wetzlarer Abwehr Beton an und Andreas Wolff konnte auch deshalb einen Ball nach dem anderen abfangen.

Doch Wetzlar war sich seiner Sache zu diesem Zeitpunkt anscheinend bereits zu sicher. So schlichen sich Unachtsamkeit im Angriffsspiel ein und der BHC kam noch einmal auf 20:16 heran. Dabei war das Spiel zuvor eigentlich schon gelaufen. Kai Wandschneider nahm folglich eine Auszeit und rüttelte seine Jungs noch einmal wach. Seine Ansage hatte Wirkung: Christian Rompf versenkte den Ball sehenswert im BHC-Tor, Andi Wolff zeigte in der Folge drei starke Paraden am Stück und als Vladan Lipovina in der 57. Minute zum 23:17 traf, stand die Halle Kopf. Auch den letzten Treffer des Abends zum 25:17 setze der  21-jährige Neuzugang der Grün-Weißen. HSG-Coach Kai Wandschneider war nach dem Spiel deshalb auch voll des Lobes für seinen neuen Schützling: "Vladan Lipovina hat uns heute sehr gut getan."

Einziger Wehrmutstropfen an diesem Abend war einmal mehr die Schwäche der Gastgeber an der Siebenmeterlinie. Gleich Reihenweise scheiterten die Schützen. Steffen Fäth ging es da genauso wie Guillaume Joli und Christian Rompf. Dies blieb jedoch nur eine kleine Randnotiz an einem ansonsten überzeugenden Handballabend, den die Fans mit „Oh, wie ist das schön“-Gesängen honorierten. 

Stimmen zum Spiel:

Sebastian Weber (Spieler HSG Wetzlar): „Die Gründe für den Erfolg kann man heute schnell zusammenfassen: Ein starker Torhüter, eine sehr starke Abwehr und ein sehr strukturierter Angriff, der teilweise unberechenbar agiert hat.“

Benjamin Meschke (Spieler Bergischer HC): „Ich glaube das generelle Problem ist, dass wir auswärts nicht das Gesicht haben, dass wir zu Hause haben. Wir haben zuletzt gute Heimspiele gemacht, eine gute Intensität gezeigt. Wir nutzen unsere Chancen daheim besser, als auswärts. Ich weiß nicht woran es liegt, sonst würden wir es wahrscheinlich auch abstellen. Aber ich denke, dass wir nicht über die Abwehr reden brauchen, wenn wir nur 18 Tore machen. Das ist das Problem.“

Christian Hosse (Spieler Bergischer HC): „Unser Angriffsspiel war heute, wenn man mal ehrlich ist, eine Katastrophe. Wir haben viel zu früh und aus unvorbereiteten Situationen geschossen und einfach nicht genug Druck gemacht auf die Deckung. Wetzlar haben wir vor wenige Aufgaben gestellt und am Ende über 60 Minuten ganz verdient verloren.“

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): „Letzendes haben wir das Spiel dominiert. Und das vor allem aus einer sehr starken Abwehr heraus, die wirklich sehr gut gearbeitet hat. Und auch natürlich gestützt auf Andi Wolffs Topleistung, der jetzt seit zwei, drei Spielen wieder aus dem Leistungskeller raus ist.“

Sebastian Hinze (Trainer Bergischer HC): „Ein sehr verdienter Sieg der HSG Wetzlar, da wir es einfach nicht geschafft haben, unser Spiel auf die Platte zu bringen. Ohne Rhythmus und ohne gute Wurfauswahl. Wir haben uns da so ein bisschen abgestottert, wenn man das mal so sagen kann.“

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Wolff 1.-60.), Hombrados (n.e.); Lipovina (4), Tiedtke (1/1), Rompf (7), Weber (4), Laudt, Fäth (3/1), Hahn (5), Bliznac, Joli, Balic (1), Klesniks.

Bergischer HC: Huhnstock, Gustavsson (ab 40.); Preus, Hosse (1), Herrmann (3), Gunnarsson (1), Nippes, Oelze (3), Jan Artmann (2), Weiß (5), Dragas (1), Gutbrod (1), Meschke (1).