Wetzlarer blamieren sich erneut gegen Schlusslicht

DKB Handball-Bundesliga

Wieder einmal hat die HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga ihr zweites Gesicht gezeigt. Nach dem großartigen 31:31-Remis im letzten Heimspiel gegen den SC Magdeburg „vergeigten“ die Mittelhessen ihre Auswärtspartie beim nach wie vor abgeschlagenen Schlusslicht SG BBM Bietigheim mit einer peinlichen 25:28 (13:15)-Niederlage.

„Wenn wir uns für die 26:29-Heimniederlage, die übrigens der bislang einzige Auswärtssieg für die SG BBM war, revanchieren wollen, dann müssen wir von Beginn an konzentriert agieren und auch den Kampf annehmen“, hatte HSG-Trainer Kai Wandschneider die Marschroute für die Begegnung in der Ludwigsburger MHP-Arena ausgegeben. Doch erneut verweigerten seine Schützlinge ihm die Gefolgschaft. Auch wenn sich die Mittelhessen das Ziel gesetzt haben, möglichst schnell die 30-Punkte-Marke in der Tabelle zu knacken, war gegen den Auf- und wohl wieder Absteiger Bietigheim davon nichts zu sehen.

Entsprechend deprimiert zeigte sich Wandschneider nach dem Schlusspfiff: „Ich bin tief enttäuscht, weil ich mahnend den Zeigefinger gehoben hatte und meine Mannschaft vor einem Gegner warnte, der befreit aufspielen wird.“ Und tatsächlich zeigten die Württemberger eine anspruchsvolle Vorstellung, mit der sie an ihre gute Leistung ihres jüngsten Auswärtsspiels in Hamburg anknüpften. Die Wetzlarer dagegen offenbarten sowohl in Angriff als auch in der Abwehr Defizite, die von den Hausherren dankend ausgenutzt wurden. Da half auch nichts, dass Jose Javier Hombrados bis zur 15 Minute schon einige Würfe, darunter einen Siebenmeter, entschärft hatte.

SG BBM Bietigheim – HSG Wetzlar 28:25

Von den Paraden des HSG-Schlussmannes ging jedenfalls keine Initialzündung aus, denn die Wetzlarer Ballstafetten blieben zu langsam, um die SG-Defensive einmal richtig in Bewegung zu bringen. Nach dem 6:3 (12.) und dem 8:6 (17.) erreichten die Gäste in Minute 23 den Gleichstand (10:10, Sebastian Weber), doch der kurze Zwischenspurt war nur ein Strohfeuer, denn Bietigheim gab mit einem blendend aufgelegten Ex-Wetzlarer Timo Salzer bis zum 15:13-Halbzeitstand eine schnelle Antwort.

Trotz der deutlichen Worte von Kai Wandschneider beim Kabinengespräch war bei den HSG-Aktiven nach dem Wiederanpfiff keine entsprechende Reaktion zu sehen. Im Gegenteil. Vier Minuten nach der Pause führte das Schlusslicht schon mit vier Toren (17:13), sodass der phlegmatische Auftritt der Lahnstädter entsprechend bestraft wurde. Doch die Umstellung in der Abwehr auf die 4:2-Formation und zwei Einzelleistungen von Ivano Balic ließen die Wetzlarer beim 19:18-Anschluss (39.) auf eine Wende hoffen. Es dauerte immerhin bis zur 45. Minute, ehe Balic das 21:21 markierte und kurz danach Kent Robin Tönnesen und Dejan Manaskov sogar eine 23:21-Führung für die HSG herauswarfen.

Jetzt reagierte SG-Coach Hartmut Mayerhoffer und nahm zwölf Minuten vor dem Ende schon seine letzte Auszeit, die auch Wirkung zeigte. Zwar lagen in der 50. Minute die Gäste dank einem Treffer von Tönnesen immer noch in Front (24:22), doch eine Vorentscheidung war dies nicht. Als dann noch Adnan Harmandic bei Wetzlarer Überzahl (Emrich hatte eine Zwei-Minuten-Strafe erhalten) nur den Pfosten des SG-Tores traf, nutzte Timo Salzer den Gegenangriff zum 24:24 (54.). Die Partie stand jetzt auf des Messers Schneide, weil auch der eingewechselte SG-Keeper Mihailo Radovanovic mit einigen sehenswerten Paraden aufwartete. Dem österreichische Nationalspieler Dominik Schmid blieb es vorbehalten, seine Farben beim 25:24 (55.) wieder in Front zu bringen. Pech für die Gäste, dass Wetzlars Steffen Fäth wegen einer Gegenstoß-Berührung die Rote Karte gezeigt bekam und die restlichen zwei Minuten der Partie von der Tribüne aus verfolgen musste.

Von dort musste er mitansehen, wie in der Schlussminute Bietigheim auf 27:24 erhöhte, Weber das 27:25 markierte und Julius Emrich den 28:25-Endstand erzielte. „In der Schlussphase haben wir zu überhastet gespielt und uns zu viele unvorbereitete Würfe genommen. Wenn man in den letzten zehn Minuten nur ein Tor wirft, dann kann man das Spiel nicht mehr drehen“, kritisiert Kai Wandschneider. Auch HSG-Geschäftsführer Björn Seipp vermisste „den unbändigen Willen, sich für die Hinspielniederlage zu revanchieren“.

Quelle: Gießener Anzeiger