Wetzlarer Handball-Trio träumt von Rio

Bildquelle: Oliver Vogler

DKB Handball-Bundesliga

Der Lehrgang der Handball-Nationalmannschaft mit den beiden Länderspielen gegen Dänemark und Österreich ist absolviert, die Spieler sind zurück in ihren Heimatvereinen. Bundestrainer Dagur Sigurdsson wird seine Eindrücke akribisch auswerten und im Frühsommer die Mannschaft für die Olympischen Spiele in Brasiliens Metropole Rio de Janeiro benennen.

14 Spieler werden sich dann aufmachen, in 9612 Kilometer Entfernung nach einer olympischen Medaille zu greifen.

Hoffnung auf die Nominierung machen sich natürlich die Europameister im Trikot der HSG Wetzlar: Steffen Fäth, Andreas Wolff und Jannik Kohlbacher. Alle drei waren beim Lehrgang in der vergangenen Woche dabei und hatten in den Länderspielen die Möglichkeit, ein weiteres Empfehlungsschreiben beim Bundestrainer abzugeben.

Steffen Fäth

Stand in beiden Spielen von Beginn an auf der Platte. Im Verein im linken Rückraum gesetzt, findet er sich in Nationaltrikot in der Rückraummitte wieder. Was für Wetzlarer Anhänger ein ungewohnter Anblick ist, denn die kennen den 26-Jährigen eher als Vollstrecker. »Mir macht beides Spaß«, erklärt Fäth. »Ich muss nicht unbedingt viele Tore machen, um glücklich zu sein. Ich freue mich auch, wenn ich andere mit Anspielen in Szene setze.«
Gegen Dänemark hatte er dazu 35 Minuten Gelegenheit. Fünf Treffer markierte er selbst und leitete etliche Spielsituationen ein, in denen seine Nebenleute einnetzten. Fäth glänzt mit viel Übersicht, spielt mannschaftsdienlich und zeigt auch mal überraschende Anspiele à la Ivano Balic. Gegen Österreich kam er nur in den ersten 15 Minuten zum Zug. »Wir waren am Anfang des Lehrgangs acht Spieler auf Rückraum links und mitte, heute waren wir nur noch fünf oder sechs. Da muss man dann natürlich auch durchwechseln. Dazu kommt, dass vor allem im Rückraum einige Spieler aus Gummersbach dabei waren. Es ist klar, dass die in ihrer Halle ein bisschen mehr spielen. Das ist auch überhaupt nicht schlimm«, gibt sich Fäth gelassen.

Andreas Wolff

Der EM-Held kam in der ersten Halbzeit gegen Dänemark zum Einsatz, fing 15 Tore und zeigte acht Paraden. Der Wetzlarer Keeper benötigte etwa fünf Minuten, um ins Spiel zu finden, war dann allerdings voll da. »Ich war, was meine Leistung angeht, nicht am Optimum. Daher kann ich mit meinem persönlichen Auftreten nicht ganz zufrieden sein«, erklärte der EM-Held hinterher gewohnt selbstkritisch. Gegen Österreich tauschte er seinen Platz mit dem Gummersbacher Carsten Lichtlein, dem er in Polen den Rang als Nummer eins im Kasten abgelaufen hatte. »Es geht hier um nichts, es ist nur ein Freundschaftsspiel. Natürlich würde man gerne spielen, aber bei so einem Spiel draußen zu sitzen ist besser, als bei einem großen Turnier«, schmunzelt Wolff.

Der Dreikampf im Tor ist mit der Nominierung von Silvio Heinevetter wieder eröffnet. Der Berliner wirkte an beiden Tagen vor allem auf dem Feld betont ruhig, ließ seine berühmt-berüchtigten Ausbrüche in der Schublade stecken. Die Nichtberücksichtigung für die Europameisterschaft dürfte dem langjährigen Nationalspieler einen kräftigen Dämpfer verpasst haben. Carsten Lichtlein zeigte in seiner Arena, warum er seit Langem zum Kader der Nationalmannschaft gehört. Da er mit beständig guten Leistungen punktet, dürfte es schwer sein, dem Gummersbacher das Ticket für Rio zu nehmen. Für Wolff gilt es nun, in der Bundesliga Konstanz zu zeigen. Dann hat er beste Chancen, auch für Rio im Duell mit Heinevetter die Nase vorn zu haben.

Jannik Kohlbacher

Der Youngster kam gegen Dänemark etwa 20 Minuten, verteilt auf beide Halbzeiten, zum Einsatz. Der Kreisläufer erzielte zwei Tore, holte einen Siebenmeter heraus, verschuldete aber auch einen und kassierte eine Zeitstrafe, weil er Henrik Toft Hansen am Kreis das Fell (Trikot) über die Ohren zog. »Ich hätte ohne diese Situation ein bisschen länger gespielt«, schmunzelt der 20-Jährige. In Gummersbach stand Kohlbacher etwa 25 Minuten auf der Platte, kam aber am Kreis kaum an den Ball. Den einzigen Wurf konnte Österreichs Keeper Thomas Bauer in der ersten Hälfte entschärfen. Doch der Wetzlarer war ein ständiger Unruheherd, schaffte viel Platz für seine Mitspieler und sorgte wiederum für zwei Siebenmeterpfiffe. Der 21-Jährige kam in der zweiten Halbzeit – wie schon bei der EM – als zweiter Kreisläufer aufs Feld.
Die Konkurrenz auf der Position des Newcomers ist immens, daher bleibt Kohlbacher auch auf dem Teppich. »Ich bin erst mal froh, dass ich in die Bundesliga gekommen bin und direkt eine gute Rolle spielen durfte. Ich bin meinem Coach Kai Wandschneider unheimlich dankbar, dass er mir diese Chance gegeben hat.« Dann kam eins zum anderen. Nominierung zur Nationalmannschaft, Teilnahme und Titel bei der EM. »Ich gebe immer Gas, hoffe verletzungsfrei durch die Saison zu kommen. Dann muss man sich noch mal bei der Nationalmannschaft beweisen. Da bin ich aber ganz zuversichtlich.«

Volle Konzentration

Zurück im Verein, liegt für alle Spieler die volle Konzentration auf einem optimalen Abschluss der Runde und der eigenen Leistung. In Wetzlar bedeutet es zudem für Fäth und Wolff, sich mit viel Engagement von den HSG-Fans zu verabschieden. Der sechste Tabellenplatz soll möglichst gehalten und damit die internationale Chance gewahrt werden. Das heißt: Voller Einsatz für die HSG und damit dem Bundestrainer beweisen, wie wertvoll man für den Kader der Nationalmannschaft ist. Denn eins bleibt allen dreien gemeinsam: Das kurze Aufblitzen in den Augen, wenn es um das Thema Olympische Spiele geht. Bei allen Beteuerungen, sich darüber keinen Kopf zu machen: Träumen sollte erlaubt sein.

Quelle: Gießener Allgemeine