Wetzlarer Jungs stürmen SCHARRena in Stuttgart!

Bild: TVB Stuttgart/Heiko Potthoff

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen siegen mit 28:18 beim TVB Stuttgart - Buric und Philipp Weber ragen aus starkem Kollektiv heraus

Der TVB 1898 Stuttgart hatte sich für das Heimspiel gegen die HSG Wetzlar eine ganze Menge vorgenommen. Möglichst sollte ein Sieg herausspringen, um der Konkurrenz ein Zeichen zu setzen. Schon in der Startphase entnervte aber HSG-Torhüter Benjamin Buric die Schwaben. Bis zum 10:12-Halbzeitstand parierte er elfmal, darunter einige freie Versuche. Der Bosnier setzte seine Gala mit insgesamt 22/1 Reflexen in der zweiten Halbzeit fort und ermöglichte den Gästen allmählich einen komfortablen Vorsprung. Nach 48 Minuten stellte Kohlbacher auf 15:21. Die Torausbeute des TVB genügte gegen disziplinierte Wetzlarer bei Weitem nicht. Nach 60 Minuten und einem 2:10-Lauf hieß es 18:28 für die Gäste.

Der TVB spielte zunächst sehr geduldig aus, Kraus konnte sich die Abwehr der HSG Wetzlar beim 1:0 zurechtlegen. Auch in der Deckung agierte die Baur-Sieben aufmerksam und Kraus verdiente sich mit einem Offensiv-Rebound Szenenapplaus. Die Mittelhessen brauchten drei Minuten, um sich auf den Gegner einzustellen. Danach gelang es der Wandschneider-Sieben erstmals, die gegnerischen Werfer in die Distanz zu drängen. Benjamin Buric verbuchte vier Paraden in Serie. Nach fünf Minuten glich Kohlbacher für die Gäste zum 1:1 aus. Die Schwaben hatten einen besseren Start vergeben. Schagen hielt die "Wild Boys" nach acht Minuten mit seinem 2:1-Siebenmeter immerhin vorne. 

Es war ein verbissen geführtes Duell, bei dem die hohe Zahl technischer Fehler, die bewegliche und kämpferische Deckung auf beiden Seiten für die geringe Toranzahl - sowie die Torhüter, Bitter mit zwei gehaltenen Siebenmetern - verantwortlich waren. Oft wurden mehrere Angriffe gefahren, bis eine Torchance ersichtlich war. Fotaches 3:1-Treffer (12.) war das erste schnell herausgespielte Tor. Kasper Kvist konterte beim 3:2. Die Stuttgarter konnten die knappe Führung zunächst verteidigen. Björnsen glich beim 5:5 (18.) erstmals aus. Kraus hatte sich verspekuliert. Bei Wetzlar war Pöter eingewechselt worden. Er steuerte das Spiel der Gäste gekonnt und entfachte Druck. 

Markus Baur nahm Kraus und Celebi vom Feld, Schweikardt und Orlowski kamen. Wetzlar spielte in dieser Phase strukturierter als die Hausherren. Anton Lindskog stellte auf 7:8 (22.). Zwischen den Pfosten parierte Buric bereits zum achten Mal, Bitter verbuchte seinen sechsten Reflex. 

Der TVB unterbrach das Spiel. Anschließend vergab Schweikardt eine Halbchance. Baur stellte erneut um und ließ zu siebt angreifen. Dies nutzte den Schwaben, doch Wetzlar hielt sich bei Kohlbachers 9:10 (26.) knapp vorne. Buric setzte danach gegen Kraus und Schimmelbauer eine Doppelparade. 

Der Bosnier zwischen den Wetzlarer Pfosten war mit seinen mittlerweile elf Paraden der klare Faktor aufseiten der Gäste. Philipp Weber bedankte sich mit dem formvollendeten Kempa zum 9:11. Der TVB verkürzte nochmals, ehe sich der agile Stefan Cavor von Pöter zum 10:12 in Szene setzen ließ. 

Wetzlar war trotz des Torhüter-Plus noch nicht so richtig in Schwung gekommen. Stuttgart hatte sich nicht abschütteln lassen. Benjamin Buric begann den zweiten Abschnitt dann mit einer weiteren Doppelparade, beim Siebenmeter gegen Schagen und im Nachsetzen gegen Schweikardt. 

Einmal mehr schienen die Impulse des Bosniers bei den Gästen zu verpuffen. Stuttgart hatte aber auch Glück, dass der Empty-Net-Wurf von Björnsen zum möglichen 12:15 (37.). sein Ziel verfehlte. Nach einem vermeintlichen Ballgewinn von Kraus in der Deckung, den die Unparteiischen als Rückpass zu Bitter interpretierten, kamen vonseiten der Fans Emotionen in die Partie. Doch Wetzlar blieb, die Chance zum 12:16 vor Augen, weiter am Drücker. Die Mittelhessen verpassten den Treffer zunächst zweimal, ehe Buric seine Gala-Vorstellung mit der ersten Vier-Tore-Führung krönte. Zwanzig Minuten vor Schluss standen die im Angriff abbauenden "Wild Boys" somit gehörig unter Druck. 

Markus Baur zückte die Grüne Karte. Zunächst verkürzte der TVB auf zwei Tore, doch Wetzlar ließ sich mit dieser Offensivleistung nicht mehr aufhalten. Der starke Weber hielt seine Farben vorne. Kvists 15:20-Treffer erwies sich dann nach 47 Minuten für die Neckarstädter als Neckbreaker, da Buric im Gegenzug seine 18. Parade notieren ließ. Bei Mirkulovskis 17:24-Bogenlampe von der Mittellinie ins verwaiste TVB-Tor war ein Raunen zu vernehmen. Die lange Zeit gute Deckung der Hausherren bröselte. Nach einer aus Sicht des Liga-Hinterbänklers unambitionierten und ideenlosen Schlussphase ging die HSG Wetzlar als 18:28-Sieger hervor. Lindskog setzte den Schlusspunkt. 

Im Stenogramm:

TVB Stuttgart: Jerkovic (n.e.), Bitter – Schimmelbauer, Weiß (1), Schagen (2/2), Schweikardt (1/1), Kraus (6), Coric, Baumgarten, Fotache (3), Kretschmer, Orlowski (2), Celebi (3), Lobedank

HSG Wetzlar: Buric (1), Nikolai Weber (bei einem Siebenmeter) – Kneer, Björnsen (1), Pöter (2), Mirkulovski (1), Philipp Weber (8), Hahn (1), Berggren, Kvist (2/1), Klesniks, Lindskog (3), Cavor (4), Kohlbacher (5).                           

Schiedsrichter: Grobe/Kinzel (Zweidorf/Bortfeld) – Zuschauer: 2251 – Zeitstrafen: Stuttgart zwei (Schimmelbauer, Celebi), Wetzlar zwei (Kneer, Lindskog) – verworfene Siebenmeter: Philipp Weber (Wetzlar) scheitert an Bitter (5.), Björnsen (Wetzlar) scheitert an Bitter (13.), Schagen (Stuttgart) scheitert an Buric (32.), Kvist (Wetzlar) scheitert an Bitter (35.), Schweikardt (Stuttgart) scheitert an Nikolai Weber.

Quelle: www.handball-world.com