Wolff geht, Buric kommt! Torhüterwechsel bei HSG Wetzlar im Sommer

Bild: MediaShots - Marco Kessler

DKB Handball-Bundesliga

Nationaltorhüter zieht Kündigungsoption und wechselt bereits nach Saisonende zum THW Kiel – Mittelhessen verpflichten Benjamin Buric von RK Gorenje Velenje als Nachfolger

Nationaltorhüter Andreas Wolff verlässt den Handball-Erstligisten HSG Wetzlar nun doch bereits zum Ende der laufenden Spielzeit. Der 24-jährige hat eine vertraglich vereinbarte Kündigungsoption gezogen und wechselt im Sommer vorzeitig zum THW Kiel, ein Jahr früher als erst vor kurzem durch die „Zebras“ mitgeteilt. Ursprünglich wäre der Wolffs Vertrag bei den Mittelhessen bis zum 30.06.2017 gelaufen. Beim THW Kiel hat der gebürtige Euskirchener einen Dreijahresvertrag unterzeichnet.

„Wir hatten bis zuletzt die Hoffnung, dass Andreas Wolff seinen Vertrag bei uns erfüllt“, so HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. „Allerdings war uns, als die Anfrage aus Kiel kam, klar, dass wir keine Chance auf Andis Verbleib haben. Wenn der THW Kiel ruft, dann gibt es nur wenige Teams auf der Welt, die sportlich und wirtschaftlich gegenhalten können.“ Für den vorzeitigen Wechsel des Nationaltorhüters wird eine festgeschriebene Ablösesumme an die HSG Wetzlar fällig, über deren Höhe die Beteiligten jedoch Stillschweigen vereinbart haben.

„Ich werde Wetzlar im Sommer mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen“, weiß Wolff schon heute. „Natürlich freue ich mich, dass ich nun bereits ein Jahr früher als geplant die Chance bekomme, mich beim THW Kiel und somit auf höchstem nationalen und internationalen Niveau zu beweisen. Auf der anderen Seite fühle ich mich bei der HSG Wetzlar unheimlich wohl und verspüre große Dankbarkeit gegenüber dem Club, meinen Trainern und Mitspielern. Der Abschied wird mir trotz der neuen Herausforderung ganz sicher nicht leicht fallen, denn hier in Wetzlar wurde mir die Möglichkeit gegeben, mich erstmals als Nummer eins in der Bundesliga zu beweisen. Dank des großen Vertrauens von Kai Wandschneider und der intensiven Trainingsarbeit mit Jasmin Camdzic konnte ich so den bislang größten Sprung in meiner Profikarriere machen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich bis zum Saisonende alles dafür geben werde, dass wir mit der HSG Wetzlar noch die ein oder andere Überraschung schaffen und gemeinsam unsere Ziele erreichen.“

Drei Spielzeiten wird Wolff im Tor der HSG Wetzlar gestanden haben, wenn er im Sommer zu den „Zebras“ an die Kieler Förde wechselt. Die Mittelhessen trifft der Wechsel jedoch nicht unvorbereitet. „Da Andis Option, den Vertrag bis Jahresende vorzeitig kündigen zu können, immer im Raum stand, mussten wir verantwortungsvoll planen und uns auf den nun eingetretenen Fall seines Abgangs vorbereiten“, so Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp. „Wir haben deshalb, federführend durch unseren Co- und Torwarttrainer Jasmin Camdzic, den nationalen und internationalen Torhütermarkt sehr frühzeitig und intensiv beobachtet, um die für die HSG Wetzlar beste Nachfolgelösung zu finden.“

Diese hat die HSG Wetzlar in Benjamin Buric gefunden. Der bosnische Nationaltorhüter wechselt im Sommer ablösefrei vom slowenischen Spitzenclub RK Gorenje Velenje an die Lahn, wo er nach bestandenem Medizincheck einen Zweijahresvertrag unterzeichnet hat. Gemeinsam mit dem bundesligaerfahrenen Nikolai Weber wird Buric ab der kommenden Saison das Torhütergespann der Grün-Weißen bilden.

„Ich bin überglücklich, dass ich bei der HSG Wetzlar das Vertrauen geschenkt bekomme, in der DKB Handball-Bundesliga zu spielen. Das war immer mein großer Traum“, freut sich Buric, der ab Januar bereits einen Volkshochschulkurs belegen wird, um die deutsche Sprache zu lernen. „Wetzlar ist der nächste wichtige Schritt in meiner Karriere und ich bin stolz ab Sommer das Trikot dieses großartigen Klubs tragen zu dürfen. Die Rittal Arena ist eine tolle Handballarena, die ich mir bereits abgeschaut habe und ich kann es kaum erwarten dort vor den fantastischen HSG-Fans das erste Mal zu spielen! Zudem freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit den Trainern Kai Wandschneider und Jasmin Camdzic sowie Nikolai Weber und dem gesamten Team.“

„Er ist ein sehr talentierter und entwicklungsfähiger Torhüter“, beschreibt Jasmin Camdzic den 25-jährigen, den er von zwei Nationalmannschaftslehrgängen im Dezember 2013 und Januar 2014 persönlich kennt. Damals hatte Camdzic als Torwarttrainer für den bosnischen Verband gearbeitet. „Benjamin ist ein Kriegskind, der früh dazu gezwungen wurde, seine sportliche Zukunft im Ausland zu suchen. Seit seinem Wechsel vor drei Jahren nach Velenje hat er sich leistungsmäßig enorm verbessert, nicht nur im Club sondern auch im Nationalteam. Bei der Handball-WM vergangenen Winter in Katar war Benjamin für viele Experten einer der besten Torhüter der Vorrunde.“

Camdzic beschreibt Buric als bodenständigen Familienmenschen und fleißigen Arbeiter. „Er ist ein enorm ehrgeiziger Torhüter, der ein Spiel gut lesen kann. Dazu ist er mit seinen 25 Jahren schon sehr stabil im Kopf und in seinen Leistungen“, so der Co- und Torwarttrainer der Wetzlarer. „Benjamin ist stark bei Würfen von außen und freien Bällen, aber er weiß auch, dass es noch viel Verbesserungspotential gibt und der Sprung in die stärkste Liga der Welt ein großer ist. Wir sind jedoch überzeugt davon, dass Benjamin hier in Wetzlar auf lange Sicht hin eine ähnliche Entwicklung wie Andreas Wolff nehmen und mit Nikolai Weber ein starkes Torhüterduo bilden kann.“

Buric, dessen Zwillingsbruder Senjamin als Kreisläufer ebenfalls bei RK Gorenje Velenje und in der bosnischen Nationalmannschaft spielt, ist 1,96 Meter groß und 96 Kilogramm schwer. Von seinem Heimatverein RK Maglej wechselte er schon als Jugendlicher in die bekannte bosnische Handballschule von Izvidjac Ljubuski, ehe er seinen ersten Profivertrag bei RK Borac Banja Luka unterschrieb.