Zu wenig Zugriff in Abwehr, zu viele Fehler im Angriff: HSG Wetzlar unterliegt cleveren Füchsen!

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen verlieren Heimspiel-Auftakt gegen EHF-Pokalsieger aus Berlin verdient mit 27:33 (13:15) - Wandschneider: „Berlin hat unsere Schwächen in Deckung gesehen und ausgenutzt!"

Handball-Bundesligist HSG Wetzlar hat im zweiten Saisonspiel die erste Niederlage kassiert! Gegen den amtierenden EHF-Pokalsieger Füchse Berlin verloren die Grün-Weißen am Abend zu Hause vor 3.921 Zuschauern mit 27:33 (13:15) und belegen somit aktuell den elften Tabellenplatz in der DKB Handball-Bundesliga. Beste Werfer der HSG Wetzlar waren Maximilian Holst, Steffen Fäth und Tobias Hahn mit je fünf Treffern. Für Berlin trafen Faruk Vrazalic und Drago Vukovic je sieben Mal.

Die Mittelhessen konnten die Partie nur in der Anfangsphase und zu Beginn der zweiten Halbzeit ausgeglichen gestalten. Dann zogen die favorisierten Füchse immer wieder davon. Nach gut 40 Minuten hatten sie sich einen Fünf-Tore-Vorsprung erspielt (21:16). Wetzlar konnte zwar noch einmal verkürzen, scheiterte aber aufgrund vieler Fehler im Angriff und einer zu wenig aggressiven Deckung. Doch die Gästen fanden zu Beginn gut in die Partie und trafen durch Rechtsaußen Faruk Vrazalic im ersten Angriff. Wetzlar konnte allerdings ausgleichen und durch einem Treffer von Neuzugang Joao Ferraz mit 2:1 in Führung gehen. Doch danach übernahm Berlin die Kontrolle, traf über die zweite Welle mehrfach. Nach dem Ausgleich von Jesper Nielsen setzte Drago Vukovic einen Doppelschlag zum 6:4. „Berlin hat die Schwächen in unserer Deckung gesehen und konsequent ausgenutzt.

Unser Rückzugsverhalten war heute nicht gut und wir haben so zu vielen einfache Tore bekommen“, bilanzierte nach dem Spiel ein enttäuschter HSG-Coach Kai Wandschneider. In Überzahl legte Faruk Vrazalic einen Doppelschlag nach und nach dem 11:6 durch Fabian Wiede (19.) schienen die Weichen für einen Auswärtssieg der Berliner bereits gestellt zu sein. „Wir haben gut gedeckt und viele Tore aus dem Tempogegenstoß gemacht“, zeigte sich Füchse Coach Erlingur Richardsson erfreut.

Doch Wetzlar zeigte sich von dem Rückstand unbeeindruckt, mit der Unterstützung der lautstarken Fans kämpften sich die Gastgeber wieder heran. Treffer von Maximilian Holst und Evars Klesniks brachten die Gastgeber beim 8:11wieder auf drei Tore heran. Richardsson nahm die Auszeit und ordnete seine Reihen neu. Der Ex-Wetzlarer Kent Robin Tönnesen ließ mit zwei Rückraum-Toren den Abstand beim 13:8 zwar wieder auf fünf Treffer anwachsen, doch die letzten Minuten des ersten Abschnitts gehörten dann wieder den Gastgebern, die durch einen Treffer von Vladan Lipovina und einen von Maximilian Holst verwandelten Strafwurf die Differenz bis zum Seitenwechsel auf zwei Tore verkürzen konnten. Berlin ging mit einer 15:13-Führung die Kabine. Mit neuem Elan kam die HSG Wetzlar aus der Pause!

Direkt nach Wiederbeginn setzte Steffen Fäth den Anschlusstreffer, doch der psychologisch wichtige Ausgleichstreffer gelang den Mittelhessen nicht Immer wenn die Hausherren das Momentum auf ihrer Seite hatten, folgten Unkonzentriertheiten oder einfache Fehler im Angriff. Die Gäste wirkten gefestigter, die Deckung stand gut und die Chancen in der Offensive wurden konsequent genutzt. In dieser Phase beispielsweise mehrfach in Form von Gegenstößen, die aus Wetzlarer Fehlern resultierten. Beim 16:15 hatte Fäth erneut den Anschluss setzen können, wenig später betrug der Abstand nach zwei erfolgreich abgeschlossenen Schnellangriffen von Faruk Vrazalic beim 21:16 wieder fünf Treffer. „Die Füchse haben unsere Fehler über das gesamte Spiel clever ausgenutzt“, erklärte HSG-Kreisläufer Sebastian Weber.

Wetzlars Coach Kai Wandschneider hatte zwischen den beiden Kontern der Berlinern zur Auszeit gegriffen und mit leichter Verzögerungen sollte sich diese bezahlt machen. Wetzlar agierte nun aus einer offensiven 3:3-Abwehr sicherer und kämpfte sich mit viel Moral ein weiteres Mal heran - auch weil sich Kristian Bliznac in dieser Phase treffsicher zeigte. Trotz der kurzzeitigen Probleme in der Offensive behaupteten die Berliner ihre Führung. Diese aber schmolz kontinuierlich, nach dem 24:22 durch Kristian Bliznac lagen nur noch zwei Tore zwischen den Konkurrenten. Doch unter Bedrängnis hatten die Füchse immer wieder die richtigen Antworten parat - auch weil die Gäste in der Offensive sicher kombinierten und Wetzlar nur selten in das Umschaltspiel kommen ließen. Entscheidende Aktionen setzte nun Fabian Wiede, der zunächst selbst traf und dann das 26:22 vorbereitete - seinen Steal verwandelte Fredrik Petersen in einen Gegenstoßtreffer. Ein Doppelschlag von Ignacio Plaza Jimenez, der einen Abpraller verwandelte, und Petar Nenadic zum 29:24 stellte dann endgültig die Weichen zum insgesamt verdienten 33:27-Erfolg.

„33 Gegentore sind zu Hause einfach zu viel“, meinte HSG-Rechtsaußen Tobias Hahn nach dem Spiel. „Als wir in der zweiten Halbzeit ran gekommen sind, haben wir den Gegner mit unseren eigenen, leichten Fehlern wieder aufgebaut. Das darf uns nicht passieren!“ Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp gab sich nach der Partie als fairer Verlierer und legte den Finger in die Wunde: "Glückwunsch an Berlin zum verdienten Sieg! Wir hatten das Momentum mehrfach, so um die 40. Minute beim Stand von 15:16 auf unserer Seite und machen dann im Angriff einfachste Fehler, mit denen wir die Füchse zu Gegenstößen eingeladen haben! Jeder Spieler hat sich heute ein, zwei Unkonzentriertheiten oder überhastete Aktionen genommen - dann kannst Du kein Erstliga-Spiel gewinnen! In der Abwehr hat die nötige Härte und fast komplett der Zugriff gefehlt, um Berlin ins Nachdenken zu bringen oder gar den Zahn zu ziehen! Die Torhüter hatten sicher nicht ihren besten Tag, aber waren auch sehr oft auf sich alleine gelassen! Und wenn wir mal einen Wurf parieren konnten, waren selbst die Abpraller am Ende bei den Füchsen! Wir haben gesehen, dass die Mannschaft Zeit braucht, um sich zu finden! Da wissen wir, dass wir geduldig sein müssen! Trotzdem die letzte Galligkeit hat heute gefehlt, um dieses Spiel zu gewinnen. Das gilt es zu besprechen!"

Stenogramm: HSG Wetzlar: Wolff, N. Weber (18.-46.); Fäth (5), Hahn (5), Holst (5/4), Bliznac (3), Klesniks (2), Kohlbacher (2), Lipovina (2), Ferraz (1), Laudt (1), Mirkulovski (1), S. Weber, Füchse Berlin: Stohl, Heinevetter (24.-48.); Vrazalic (7), Vukovic (7), Nenadic (6/2), Petersen (3), Wiede (3), Nielsen (2), Plaza Jimenez (2), Tonnesen (2), Fritz (1), Gojun, Elisson, Weyrauch. Schiedsrichter: Brauer/Holm (Hamburg/Hagen) - Zuschauer: 3.921 - Zeitstrafen: 1/1 (Fäth/Gojun).