Pokal-Aufarbeitung folgt Heimduell mit Topteam aus Berlin!

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DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar empfängt am Donnerstag um 19 Uhr die Füchse in Rittal Arena - Kai Wandschneider will Trotzreaktion sehen

Am Tag nach der Rückkehr vom REWE Final Four war trainingsfrei. Zeit für die Spieler der HSG Wetzlar das ernüchternde Auftreten auf großer Handballbühne zu verdauen. Gestern hieß es dann zwei Mal Training und am Nachmittag Teamsitzung.

„Die Spieler sollen beschreiben, was sie im Spiel gegen Hannover erlebt haben“, erklärte Kai Wandschneider. Aus der Enttäuschung soll kein nachhaltiges Trauma werden. Also wird aufgearbeitet, was sich in der ersten Halbzeit in der Barclaycard Arena in Hamburg abspielte, in denen die Handballer der HSG Wetzlar angesichts der Ausmaße des Ereignisses wie gelähmt waren. Eines der größten Spiele der Vereinsgeschichte endete mit einer großen Enttäuschung. „Das sitzt tief“, sagt Wandschneider über die Horror-Halbzeit. „Aber ich habe gelernt, die Dinge abzuhaken.“

Gesprochen werden musste trotzdem. Am Dienstag versammelte der Trainer die Mannschaft zur Gesprächsrunde. Wandschneider ist als Psychologe gefragt, da dürfte es hilfreich sein, dass er ein Vordiplom in eben jenem wissenschaftlichen Fachgebiet besitzt. Gesprochen wurde in den vergangenen Tagen auch mit dem enttäuschten Anhang. Die Spieler meldeten sich über die sozialen Netzwerke, Geschäftsführer Björn Seipp wandte sich via Homepage an den Anhang – und mit einigen Grün-Weißen wurde noch am Sonntagabend auf einer Autobahnraststätte bei Göttingen diskutiert. „Ich fand es großartig, wie sich die Fans verhalten haben. Natürlich waren sie traurig und auch geschockt. Aber ihre Unterstützung brauchen wir auch am Donnerstag wieder“, weiß Wandschneider, dann nämlich, wenn es um 19 Uhr in der Rittal Arena gegen die Füchse Berlin geht. Es werden wieder über 4.000 Zuschauer erwartet. Stehplatzkarten sind ab 17.30 Uhr noch an der Tageskasse erhältlich. 

Vielleicht ist es gut für das Team und auch die Unterstützer, dass gar nicht viel Zeit bleibt, um nachzudenken. Der Alltag in der Bundesliga ruft. Am „Vatertag“ wartet ein Topteam der Liga. Die Grün-Weißen haben im vorletzten Heimspiel der Saison gegen das Spitzenteam aus der Hauptstadt die schnelle Gelegenheit für Wiedergutmachung – auch wenn die Aufgabe viel schwieriger nicht sein könnte. Das Team von Ex-HSG-Trainer Velimir Petkovic steckt mitten im Kampf um die Champions-League-Plätze und strebt den Gewinn des EHF-Pokals an.

In den letzten vier Ligaspielen soll auch schon an die nächste Saison gedacht werden. Till Klimpke dürfte dementsprechend auf seine Minuten im Tor kommen – und eigentlich sollte auch Hendrik Schreiber mitmischen. Doch der Jugendnationalspieler bleibt vom Pech verfolgt und wird krankheitsbedingt nicht auflaufen können. Das gilt auch für Evars Klesniks und Jannik Kohlbacher, der sich an diesem Mittwoch einer Ellbogen-Operation unterzieht. Zudem ist der Einsatz von Dauerbrenner Kristian Björnsen fraglich, dem der Fingernagel am Daumen aufgeschnitten werden musste, unter dem sich Eiter befand. Ob der Norweger spielen kann, entscheidet sich kurzfristig. So ist denkbar, dass Oberliga-Meister Tim Rüdiger im Kader stehen wird. Unabhängig vom Personal ist die Marschroute klar: „Wir wollen das machen, was man von uns erwarten darf: Nachdem wir hingefallen sind, wollen wir wieder aufstehen“, so Wandschneider, der von seinen Spielern eine kollektive Trotzreaktion.

Für die Füchse beginnt in Wetzlar die heiße Phase der Saison – oder laut Petkovic die “Horror-Woche”. Vier Spiele innerhalb von neun Tagen stehen an: in Wetzlar (10.5.), zu Hause gegen die Rhein-Neckar Löwen (13.5.) sowie die TSV Hannover-Burgdorf (17.5.) und schließlich zum Final Four des EHF-Pokals nach Magdeburg, wo Göppingen (19.5.) wartet. Die Hauptstädter hatten immer wieder verletzte Spieler zu beklagen, dazu kam der Wechsel von Petar Nenadic im Winter. „Aber Petko hat sich immer etwas einfallen lassen, alle taktischen Register gezogen“, lobt Wandschneider. Aus dem Meisterrennen musste sich der Tabellenvierte verabschieden, Rang zwei ist aber noch möglich. In Wetzlar fehlen den Füchsen die Langzeitverletzten Marko Kopljar und Ignacio Plaza Jimenez. Paul Drux ist nach einem Meniskusriss wieder einsatzbereit, für Erik Schmidt kommt das Spiel nach einer Knöchelfraktur vielleicht noch etwas zu früh.