Bann gebrochen! HSG Wetzlar siegt verdient in Leipzig

Ausgelassener Jubel nach dem Auswärtssieg beim SC DHfK Leipzig.

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen gewinnen in Arena Leipzig mit 25:21 (12:13) - Leistungssteigerung der Deckung bringt notwendige Sicherheit - Alexander Hermann mit elf Treffern

Erstmals in der gemeinsamen Erstligazeit haben die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar in der Arena Leipzig gewonnen. Nach 60 hart umkämpften Handballminuten siegten die Grün-Weißen am Sonntagnachmittag mit 25:21 und dass unter anderem aufgrund einer Leistungssteigerung in der Defensive nach der Pause. „Wir haben heute eine ganz anderen Körpersprache an den Tag gelegt und jeder hat für jeden leidenschaftlich gekämpft. Das war richtig stark und hat total Spaß gemacht“, so Alexander Hermann nach der Partie. Die Österreicher war mit elf Feldtoren, bei nur zwei Fehlwürfen, der alles entscheidende Mann auf dem Feld. „Alex hat ein Klassespiel gemacht, was mich wirklich sehr für ihn und uns freut“, lobte Kai Wandschneider den Halblinken.

In die Partie waren beide Teams ersatzgeschwächt gegangen. Bei den Gästen aus Mittelhessen fehlte neben Torhüter Tibor Ivanisevic kurzfristig auch Rückraumspieler Lenny Rubin. Der Schweizer hatte sich am Donnerstag im Training eine Knöchelverletzung zugezogen. „Lennys Ausfall hat die Mannschaft heute toll über das Kollektiv kompensiert“, so Geschäftsführer Björn Seipp. 

Vor 3.492 Zuschauern startete Leipzig besser ins Spiel. Durch Treffer von Rechtsaußen Patrick Wiesmach und dem starken Linkshänder Franz Semper lagen die Gastgeber schnell mit 2:0 in Führung, ehe Emil Frend Öfors in der 4. Minute per Gegenstoß der Anschlusstreffer gelang. Bis zur 10. Spielminute bleb die Partie eng. Alexander Hermann hatte aus dem Rückraum zum 4:5 für die Gäste getroffen. Danach nutzten die Hausherren einige überhastete Abschlüsse der Stefan Cavor & Co., um erstmals leicht davon zu ziehen. Nach einer Viertelstunde erzielte Wiesmach das 7:4 für seine Farben.

Doch Wetzlar blieb dran, stand nun besser in der Abwehr und so konnte Youngster Till Klimpke im Tor seine erste Parade verbuchen. Durch drei Treffer von Hermann und einen verwandelten Siebenmeter von Maximilian Holst drehten die Hessen die Partie und gingen mit 8:7 in Führung. Doch danach hagelte es für die Schützlinge von Kai Wandschneider drei (!) berechtigte Zeitstrafen innerhalb von nur 90 Sekunden, so dass die Grün-Weißen kurz nur mit drei Feldspielern auf dem blauen Hallenboden standen. „Diese schwierige Phase haben wir toll überstanden, was ganz wichtig für uns war“, beschrieb der 58-jährige die Situation in der Pressekonferenz nach der Partie. Aufgrund eines Treffers von Olle Forsell Schefvert endete diese deutliche Unterzahl mit einem 1:!-Unentschieden. 

Leipzig zog danach das Tempo jedoch wieder etwas an. Alen Milosevic und Maximilian Janke erzielten innerhalb weniger Sekunden die 11:9-Führung für die Gastgeber (27.). Doch die Zwei-Tore-Führung reichte nicht bis in die Pause. Erneut war es Alexander Hermann der kurz vor der Halbzeitsirene zum 12:13 traf.

„In der Halbzeit haben wir uns vorgenommen, in der Abwehr noch eine Schippe drauf zu legen“, so der Österreicher. Das gelang auf beeindruckende Weise. Wetzlarer startete imponierend in die zweite Hälfte. In der 36. Spielminute leuchtete erstmals eine Zwei-Tore-Führung der Gäste von der Anzeigetafel. Anton Lindskog hatte nach Pass des starken Spielmachers Filip Mirkoluvski zum 16:14 getroffen. 

Dieser Vorsprung hatte bis zur 42. Minute Bestand, nachdem Maximian Holst einen weiteren Siebenmeter sicher verwandelt hatte. Doch Leipzig drehte, gepusht von den enthusiastischen Zuschauern, erneut auf. Philipp Weber und Franz Semper trafen kurz hintereinander und so stand es on der 46. Minute 19:19-Unentschieden. Kai Wandschneider nahm eine Auszeit, was Früchte trug. 

Till Klimpke parierte zwei Würfe und seine Vorderleute spielten die Angriffe konzentriert aus. Resultat waren zwei Siebenmeter, die Holst verwandelte, und ein einfaches Rückraumtor von Hermann. Der Österreicher markierte in der 55. Minute dann auch das 24:20 für die Mittelhessen, was am Ende die Entscheidung bedeuten sollte. Die Leipziger Gegenwehr war gebrochen und die Wetzlarer Spieler konnten nach dem Abpfiff ausgelassen den 25:21-Auswärtssieg bejubeln. 

„Das hat sich das Team so etwas von verdient“, freute sich Björn Seipp für Spieler und Trainer. Kai Wandschneider schlug in die gleiche Kerbe. „Wir haben schon in Lemgo und Stuttgart starke Leistungen abgerufen. Es ist wichtig, dass wir uns jetzt endlich für ein weiteres tolles Spiel belohnen konnten. Man muss der Mannschaft ein großes Kompliment für ihren Auftritt machen. Die Deckung war beweglich und aggressiv. Till hat in der zweiten Halbzeit ganz wichtige Würfe gehalten und im Angriff haben wir, trotz Zeitspiel, konzentriert und geduldig auf unsere Chancen gespielt. Das muss man in unserer Situation und gegen einen solch eingespielten Gegner erst einmal packen. Heute haben wir es geschafft, unser Potential auf annähernd allen Positionen abzurufen. Der Sieg war wichtig, für die Köpfe und die Tabelle.“  Till Klimpke brachte es auf den Punkt: „Dass wir hier heute gewonnen haben, ist einfach nur geil!“

Stenogramm:

SC DHfK Leipzig: Putera, Villadsen; Semper (6), Wiesmach (4), Jurdzs (1), Baumgärtel, Binder, Janke (2), Pieczkowski (1), Roscheck, Weber (5), Hellmann, Gebala, Milosevic (1), Santos (1).

HSG Wetzlar: Klimpke, Cvetkovski; Hermann (11), Kneer, Björnsen (1), Ferraz (1), Mirkulovski (1), Schreiber, Torbrügge, Weissgerber, Frend Öfors (2), Holst (6/6), Forsell Schefvert (1), Lindskog (2), Cavor.

Schiedsrichter: Sebastian Grobe/Adrian Künzel - Zuschauer: 3.492 - Siebenmeter: 3/3 - 6/7 - Zeitstrafen: 8 Minuten / 10 Minuten.