Bruchteil einer Sekunde kostet HSG Wetzlar die Sensation!

Bild: Ingrid Anderson-Jensen - nordlyset-fotografie.com

DKB Handball-Bundesliga

Letzter Wurf von Stefan Cavor zum Ausgleich bei Sirene noch nicht im Tor - Mittelhessen bieten Spitzenreiter großen Kampf und verlieren denkbar knapp mit 29:30 (16:16) - Kai Wandschneider: „Hat richtig Spaß gemacht, meinen Spielern hier zu zusehen.“

Die HSG Wetzlar lieferte Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt am Sonntagnachmittag in der Flenn-Arena über sechzig Minuten einen beeindruckenden Kampf, trotz der personellen Probleme. Akteure wie Hendrik Schreiber oder Torben Waldgenbach setzten Akzente, Stefan Cavor sorgte für zahlreiche Treffer. Flensburg legte zwar über die gesamten sechzig Minuten vor, doch mit dem letzten Wurf bot sich Wetzlar die Chance auf einen Punkt - Stefan Cavor traf, allerdings Hundertstel nach der Sirene. Die SG jubelte so über den nächsten Ein-Tore-Sieg, behauptete die weiße Weste mit 30:0 Punkten. Einmal mehr müssen sich Kai Wandschneider und seiner Mannschaft mit dem Lob nach der Partie zufrieden geben.

Mit Verletzungssorgen war die HSG Wetzlar zur SG Flensburg-Handewitt gereist, die trotz der Aufgaben in der Champions League mit einer weißen Bundesliga-Weste in das fünfzehnte Liga-Spiel der Saison ging. Dabei fehlte bei den Hausherren mit Goran Johannesson ein Akteur, angesichts des fehlenden Personals bei den Gästen ging der Meister aber als klarer Favorit in das Heimspiel und konnte durch einen Siebenmeter von Magnus Jöndal sowie einen erfolgreichen Versuch von Jim Gottfridsson auch gleich ein 2:0 vorlegen. 

Den ersten Versuch der Gäste hatte Benjamin Buric entschärft, der in der Vorsaison noch selbst das Trikot der HSG getragen hatte. Doch die Wetzlarer zeigten sich von all dem wenig beeindruckt, sie erzielten über Anton Lindskog am Kreis den ersten Treffer. Flensburg schien der Favoritenrolle aber zunächst gerecht zu werden, Holger Glandorf und Rasmus Lauge erhöhten den Abstand auf zwei Treffer und als Hampus Wanne in der zweiten Welle energisch durchzog, stand beim 5:2 in der achten Minute erstmals eine Drei-Tore-Führung auf der Anzeige. 

Die Wetzlarer konnten sich allerdings auf Stefan Cavor verlassen, der in dieser Phase immer wieder für wichtige Treffer sorgte. Doch auch andere Akteure setzten Akzente, wie Hendrik Schreiber, der beim 7:6 für den erneuten Anschluss sorgte. Flensburg legte weiter vor, Wetzlar aber war nun im Spiel. Maik Machulla versuchte es mit den ersten Wechseln, doch insbesondere die Deckung der SG hatte weiterhin ihre Probleme. Wieder war Cavor um den Block mit dem 10:9 zur Stelle. 

Ein Doppelschlag von Simon Jeppsson und ein Treffer von Magnus Rod erhöhten den Abstand beim 12:9 wieder auf drei Tore, doch Kai Wandschneider reagierte mit einer Auszeit. Auf diese folgte das Debüt von Torben Waldgenbach, der in der Deckung am Ballgewinn beteiligt war, den der wiedergenesene Kristian Björnsen nutzte. Und Waldgenbach sorgte mit seinem Premierentreffer wenig später dann auch wieder für den Anschluss, auf den Nils Torbrügge den Ausgleich zum 13:13 folgen ließ. Wetzlar stellte einmal mehr seine Qualitäten unter Beweis, ließ sich auch in den letzten Minuten nicht aus dem Tritt bringen und nahm ein 16:16 mit in die Kabinen. 

Nach Wiederbeginn brachte Jim Gottfridsson den Favoriten erneut in Vorlage, doch die HSG Wetzlar hielt weiterhin Schritt - fast umgehend folgte jeweils der Ausgleichstreffer. Durch Emil Frend Öfors, den nachverpflichteten Maximilian Lux, Stefan Cavor, Kristian Björnsen oder Anton Lindskog - die HSG-Treffer zum 21:21 hatten jeweils einen anderen Schützen. Nach dem 22:21 von Rasmus Lauge, der mehr und mehr Verantwortung übernahm, verhinderten dann aber erst der eingewechselte Torbjörn Bergerud mit einer Parade und dann Jim Gottfridsson mit einer starken Aktion im Rückzug, den erneuten Wetzlarer Ausgleich. Ein Siebenmeter von Hampus Wanne konnte so beim 23:21 für die erste Zwei-Tore-Führung des zweiten Abschnitts sorgen. 

Eindruck bei der HSG Wetzlar hinterließ dies aber nicht, zumal Flensburger Fehler - wie in dieser Phase ein Heber von Lasse Svan neben das Tor - immer wieder die Tür zurück ins Spiel öffneten. Nach dem Anschlusstreffer von Olle Forsell Schefvert war Hendrik Schreiber dann mit seinem Schlagwurf zum 23:23 der siebte Wetzlarer Schütze im zweiten Abschnitt. Die Flensburger Deckung hatte sichtlich Probleme sich auf die variablen Wetzlarer einzustellen, die in Abwehr und Angriff mit mannschaftlicher Geschlossenheit überzeugten.

Kai Wandschneider nach dem Spiel bei Sky: „Das war überragend, was wir mit unserer stark ersatzgeschwächten Truppe hier heute geleistet haben. Wir haben das hier großartig gemacht und Flensburg hat sich sicherlich erstaunt die Augen gerieben, was wir auf die Platte gebracht haben. Das hat richtig Spaß gemacht, meinen Spielern hier zu zusehen. Hendrik Schreiber und auch Torben Waldgenbach haben ein Klasse-Spiel gemacht. Leider haben uns in der zweiten Halbzeit ein paar Paraden gefehlt, was ich aber nicht als Vorwurf verstanden haben möchte. Holen wir drei oder vier Bälle, dann gewinnen wir hier und sorgen für eine Sensation. Ich bin rundum zufrieden. Es ist alles ok und es zeigt, dass diese Bundesliga, die die stärkste Liga der Welt ist, bei 18 Vereinen bleiben muss. Ein Topclub wie Flensburg kann sich selbst gegen Wetzlar nicht sicher sein, wenn sie nicht alles geben. Es ist Plädoyer dafür, dass wir eine richtig geile Liga haben, so wie sie ist.“

Quelle: www.handball-world.news/o.red.r/news-1-1-1-110058.html