Beim Medizincheck hautnah dabei!

Dr. Pascal Bauer vom Uniklinikum Gießen und Marburg übernimmt die kardiologische Untersuchung bei Nils Torbrügge. Bildquelle: HSG Wetzlar

DKB Handball-Bundesliga

Medizincheck? Was passiert da eigentlich genau? Wir haben Neuzugang Nils Torbrügge bei seinen kardiologischen und orthopädischen Untersuchungen begleitet!

Noch sieht alles ganz geschmeidig aus. Der Tritt von Nils Torbrügge ist rund, seine Gesichtszüge sind entspannt. Locker unterhält sich der neue Kreisläufer der HSG Wetzlar mit Dr. Pascal Bauer von der Abteilung für Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. C. Hamm) des Universitätsklinikums Gießen.  Es wird gescherzt und gelacht. Ab und zu streut der Mediziner etwas Fachliches ein, Nils Torbrügge hört aufmerksam zu. Nur wenige Minuten später stellt sich die Szenerie komplett anders dar. Die Anstrengungen im zuvor noch entspannten Gesicht von Torbrügge sind nicht zu übersehen. Der Kreisläufer atmet schwer, pumpt. Sein runder Tritt auf dem Ergometer ist einem kämpferischen Stampfen gewichen. Und zu lachen hat er auch nichts mehr.

"Absolut im grünen Bereich!"

400 Watt tritt der Neuzugang der HSG Wetzlar an diesem Tag beim Medizincheck.  Dr. Pascal Bauer, Leiter der Sportkardiologie und Angiologie im Klinikum, ist zufrieden. „Je nach Position und Körperbau des Handballers kann man das Ergebnis in etwa vorhersagen. Ein Außen wäre demnach bei etwa 250 Watt, von einem Rückraumspieler kann man etwa 400 bis 500 Watt erwarten. Bei einem Kreisläufer kann man mit 400 Watt kalkulieren. Nils bewegt sich damit absolut im grünen Bereich!“

Das Belastungs-EKG ist nur eine von vielen Stationen, die Neuzugänge der HSG Wetzlar vor Verpflichtung absolvieren müssen. Zwei Minuten dauert dabei eine Watt-Stufe, dann wird um 50 Watt erhöht. Die neue Vorgabe muss der Sportler wieder zwei Minuten treten, ehe erneut erhöht wird. Das führt dazu, dass sich innerhalb kürzester Zeit entspannte Gesichtszüge in verkrampfte wandeln, die Atmung extrem beschleunigt wird und der Schweiß in kleinen Sturzbächen vom Gesicht des Athleten strömt.

 

„Medizinchecks gehören zum Alltag eines Sportlers dazu. Sie helfen uns Athleten dabei, den eigenen gesundheitlichen Zustand zu erfassen und die Werte mit denen von früheren Untersuchungen zu vergleichen“, sagt Nils Torbrügge, der erst kürzlich bei seinem noch aktuellen Arbeitgeber TuS N-Lübbecke einen dieser Checks absolviert hat. „Natürlich habe ich bestanden“, erklärt der 25-Jährige mit einem schelmischen Grinsen.

Weitere Stationen im Uniklinikum an diesem Tag sind die Blutabnahme und die Herzultraschalluntersuchung. „Ziel des internistischen Medizinchecks ist es, Erkrankungen zu erkennen, die Probleme für die Gesundheit des Sportlers darstellen können. Da der Leistungssport mit verschiedenen Anpassungen des Herz-Kreislauf-Systems einhergeht, ist es manchmal nicht ganz einfach, zu unterscheiden, ob eine Veränderung im EKG noch sportlich bedingt ist oder eine krankhafte Ursache hat“, erklärt Dr. Bauer. „Mit den Untersuchungen, die wir hier durchführen, sind wir aber in der Lage, zwischen 97 und 98 Prozent der möglichen Risiken auszuschließen.“

Entspannung auf der Liege

Ortswechsel. Wetzlar. Marco Kettrukat beäugt kritisch das Knie von Nils Torbrügge. Der Wetzlarer Mannschaftsarzt beugt das Gelenk. Und streckt es wieder. Dann nickt er zufrieden. „Sieht gut aus“, sagt der Orthopäde und wendet sich anschließend der rechten Schulter zu.

Die Untersuchungen in der Wetzlarer Praxis sind für Torbrügge bei Weitem nicht zu so anstrengend wie beispielsweise das Belastungs-EKG im UKGM. Entspannt sitzt er auf der Liege.  „Beim orthopädischen Check geht es darum, den orthopädischen Gesundheitsstatus des Spielers abzuklopfen. Eine besondere Rolle spielen hier vor allem die Kniegelenke, Schultergelenke und Sprunggelenke. Letztere waren wahrscheinlich bei jedem Handballer schon einmal verletzt“, erklärt Kettrukat, während er Torbrügges Wurfarmschulter in weiten Kreisbahnen bewegt. „Wir gucken auch, ob Instabilitäten in den Gelenken oder muskuläre Dysbalancen vorliegen.“

An diesem Tag kann Marco Kettrukat keine Schwachstellen feststellen. Trotz früherer Eingriffe ist bei Nils Torbrügge alles okay. „Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal verletzungsbedingt gefehlt habe“, sagt der Kreisläufer. Auch von Dr. Pascal Bauer aus dem Klinikum gibt es Grünes Licht für den 25-Jährigen. Der Vertragsunterzeichnung steht nichts mehr im Wege. Und damit endet der Tag des Medizinchecks so, wie er begonnen hat: Mit einem Lachen in Nils Torbrügges Gesicht.