HSG Wetzlar empfängt Liga-Primus aus Hannover!

Bild: Oliver Vogler

LIQUI MOLY Handball-Bundesliga

Dreieinhalbwöchige Liga-Pause der Mittelhessen geht am Sonntag um 16 Uhr zu Ende – Kai Wandschneider: „Müssen dort weitermachen, wo wir gegen Spitzenteam wie Flensburg und Magdeburg aufgehört haben“

Wieder steht ein "Handball-Highlight" an diesem Sonntag (Anwurf 16 Uhr) in der Rittal-Arena an, wenn Bundesliga-Spitzenreiter TSV Hannover-Burgdorf seine Visitenkarte bei der HSG Wetzlar abgibt. Nach Flensburg, Magdeburg, Melsungen und Kiel erwarten die Lahnstädter mit den Niedersachsen nun wieder einen Hochkaräter, dem vor Beginn der Saison kaum jemand zugetraut hätte, wochenlang den Platz eins der Handball-Bundesliga einzunehmen.

 

Es ist schon imponierend, mit welcher Hartnäckigkeit die "Recken" aus Hannover ihre Spitzenposition von Spieltag zu Spieltag verteidigen. Mit erst drei Minuspunkten nach nur einer Niederlage (25:31 in Melsungen) und dem 29:29-Remis gegen die Rhein-Neckar Löwen haben sie den Status eines Überraschungsteams eingenommen, auf das allerdings demnächst mit vier Auswärtsbegegnungen in Folge die "Wochen der Wahrheit" kommen. Der Beginn ist am Sonntag in Wetzlar, ehe der TSV nach Kiel, Leipzig und im Pokal zu den Löwen fahren muss.

 

Ausgerechnet die Gastspiele in Mittelhessen sind für die Hannoveraner zu einem Trauma geworden, denn seit der Saison 2013/14 haben sie sämtliche Partien in der Rittal-Arena verloren. Da zuletzt auch die HSG in Hannover 25:23 gewann, sind die Grün-Weißen so etwas wie ein Angstgegner für die Recken geworden. Die Gäste, die die vergangene Punktspielrunde auf dem enttäuschenden 13. Platz der Eliteliga beendeten, setzen in dieser Spielzeit die Handball-Fachwelt in Erstaunen angesichts der Tatsache, dass mit Torhüter Domenico Ebner (von der SG Bietigheim), Alfred Jonsson (Luigi Lund, Schweden) und Ivan Martinovic (VfL Gummersbach) lediglich drei Neuzugänge den Weg an die Leine gefunden haben. Da mit Kai Häfner ein Nationalspieler den TSV in Richtung Melsungen verlassen hat, verdient die bisherige Leistungsexplosion der Gäste besondere Beachtung.

 

Hannovers Coach Carlos Ortega hat ein eingespieltes Team deutlich weiterentwickelt, das mit Regisseur Morten Olsen, Kreisläufer Evgeni Pevnov, Rechtsaußen Timo Kastening und Mannschaftskapitän Fabian Böhm (linker Rückraum) seine herausragenden Akteure besitzt. Allerdings sind dies auch Schlüsselspieler für den TSV, denn beim glücklichen 30:29-Heimspielerfolg über Schlusslicht HSG Nordhorn fehlten Olsen (Infekt) und Pevnov (Oberschenkelprobleme). Ob beide Akteure in Wetzlar dabei sein werden, soll sich erst in der letzten Trainingseinheit entscheiden.

 

Die Gastgeber, die ihre letzte Begegnung Mitte Oktober gegen den THW Kiel bestritten haben, beklagen den einerseits fehlenden Spielrhythmus nach dreieinhalb Wochen Pause, andererseits konnten bis auf Stefan Cavor, Kristian Björnsen und Lenny Rubin, die bei ihren Nationalmannschaften verpflichtet waren, die HSGler ihren "Akku" wieder aufladen. "Wir müssen dort weitermachen, wo wir gegen Spitzenteams wie Flensburg und Magdeburg aufgehört haben. Das Spiel gegen Hannover wird für uns eine echte Herausforderung sein, weil der TSV sehr stabil auf hohem Niveau agiert", erklärt HSG-Trainer Kai Wandschneider.

 

Der Wetzlarer Übungsleiter wird wieder Torhüter Tibor Ivanisevic, der nach langer Verletzungspause zur Verfügung steht, nominieren. Einen Neuzugang für den rechten Rückraum zur Entlastung für Stefan Cavor können die Mittelhessen allerdings noch nicht präsentieren. "Einen Linkshänder, der uns auch weiterhelfen soll, in der laufenden Saison zu finden, ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen", sagt HSG-Geschäftsführer Björn Seipp.

 

Die Wetzlarer Verantwortlichen hoffen am Sonntag auf mehr als 4000 Zuschauer, "weil die Mannschaft die großartige Unterstützung unserer Fans in einem solchen Fight benötigt". Auch Sven-Sören Christophersen, Sportlicher Leiter der Gäste, der von 2008 bis 2010 das Trikot der HSG Wetzlar trug, weiß um die Bedeutung der Auseinandersetzung. "Handball besteht aus vielen Kleinigkeiten. Diese müssen immer wieder eingeschliffen werden", meint der 101-malige Nationalspieler und verweist auf die Ausgeglichenheit in der Liga, "wo einem die Punkte nicht in den Schoß fallen".

 

Quelle: Gießener Anzeiger