HSG Wetzlar enttäuscht in Minden auf ganzer Linie!

Bild: Angela Metge

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen verlieren bei Ostwestfalen mit 22:24 (12:12) - Trainer Kai Wandschneider muss Mannschaft in Auszeit nach Anfangsviertelstunde mit deutlichen Worten "wecken"

Die Worte von Wetzlar-Trainer Kai Wandschneider hätten zum Auswärtsspiel gegen GWD Minden kaum treffender sein können. "Nach den bisherigen zwölf Ligaspielen kann man sagen, dass wir leistungstechnisch bislang eine kleine Wundertüte waren, für den Gegner und leider auch für uns selbst", sagte Wandschneider vor der Begegnung. Seine beschriebenen Szenarien traten auch in dieser Partie ein. In einem zerfahrenen Spiel erwischten sowohl Minden als auch Wetzlar nicht ihren besten Tag. Die Defensivreihen dominierten, aber auch nur, weil der jeweilige Angriff alles andere als eingespielt wirkte. Bis zum Schluss sahen die Zuschauer ein Wechselbad der Gefühle. Den kleinen Tick besser waren dann aber doch die Hausherren, die sich mit 24:22 (12:12) durchsetzten 

Obwohl Magnus Gullerud in der 45. Minute nach einem Griff in den Wurfarm die rote Karte kassierte, behielt GWD Minden die Nerven und festigte seine gute Position im oberen Tabellendrittel der Bundesliga. Für die HSG Wetzlar, deren Angriffe oft zu statisch wirkten, verschärft sich der Abstiegskampf. Der starke Marian Michalczik und Routinier Dalibor Doder waren mit fünf Toren die besten Schützen für GWD Minden, jeweils viermal waren Alexander Hermann und Emil Frend erfolgreich.

Defensiv und nach vorne verhalten begann die Partie. Beiden Teams war anzumerken, dass sie so wenig Fehler wie möglich machen wollten. Die Taktik ging zunächst auf. Durch Miljan Pusica ging Minden zunächst mit 2:0 in Führung, doch die HSG Wetzlar kam nach der verhaltenen Anfangsphase besser in Schwung. Maximilian Lux und Anton Lindskog spielten sich frei und ermöglichten den Gästen den Ausgleich. Bangen muss Minden derweil um Max Staar. Der junge Rechtsaußen verletzte sich im Duell mit Till Klimpke an der Schulter und musste ausgewechselt werden. Eine Diagnose steht noch aus.

Nichtsdestotrotz blieb Minden am Drücker und bestrafte die Ideenlosigkeit der Gäste im Angriff. Nachdem Andreas Cederholm zum 8:4 traf (19.), hätte die HSG Wetzlar in Überzahl wieder verkürzen können. Doch den Hessen fehlte in dieser Phase komplett der Zug zum Tor. Wenig später - beim Stand von 10:6 - hielt Trainer Kai Wandschneider eine Wutrede. "Die sind nicht gut, wir sind grottenschlecht", schimpfte der HSG-Coach und appellierte an die fehlende Leistung seiner Spieler. Die Worte fanden Gehör und plötzlich drehten die Gäste mit einem 5:0-Lauf die Partie. Emil Frend setzte sich auf Linksaußen in Szene, während der eingewechselte Torhüter Nikola Marinovic mehrere starke Paraden verzeichnete. Somit konnten sich die Gäste bis zur Pause zum 12:12 noch gut halten und machten die schwache Anfangsphase wett.

Auch nach dem Seitenwechsel sahen die Zuschauer eine stark defensiv ausgerichtete Partie. Während Wetzlar weiterhin behäbig in der Offensive agierte, rettete Torhüter Marinovic mehrfach glänzend gegen freistehende Mindener Angreifer. Bereits nach 43 Minuten beim Stand von 18:17 rief Kai Wandschneider seine Spieler erneut zu sich und kritisierte die statische Angriffsweise. Minden nutzte die Fehler des Gegners aus. Vor allem Dalibor Doder und Marian Michalzik nutzten dies aus. Letzterer glänzte obendrein als Vorlagengeber und holte mehrfach Überzahlsituationen sowie Siebenmeter heraus.

Selbst die rote Karte gegen Magnus Gullerud (45.) verkraftete GWD Minden. Der Norweger griff in der Abwehr in den Wurfarm des Gegners und wurde vorzeitig des Feldes verwiesen. Zwischenzeitlich gingen die in Überzahl agierenden Gäste durch Nils Torbrügge in Führung (18:19), doch die Schlussphase gehörte den Hausherren.

Wetzlar schwächte sich derweil unnötig. Aufgrund eines Wechselfehlers kassierte Forsell Schefvert die Zeitstrafe. Wenig später herrschte Gewusel. Marian Michalczik erkämpfte sich auf dem Boden liegend den Ball und legte vor auf Mats Korte, der zum 20:19 traf. Sein Comeback feierte in der Zwischenzeit Savvas Savvas. Der Grieche kam nach seinem überstandenen Kreuzbandriss für GWD Minden zum Einsatz. 

Wetzlar verlor erneut den Ball, Marian Michalczik konterte, wurde gefoult und holte die nächste Zeitstrafe gegen Lux und zusätzlich einen Siebenmeter heraus. Luka Zvizej war nach kurzer Täuschung erfolgreich. Minden drohte sich abzusetzen. Noch sechs Minuten waren zu spielen. Wetzlar warf mehr nach vorne. Alexander Hermann war schnell in die Rückraummitte gezogen und ermöglichte den Gästen den Anschlusstreffer. 
 
Minden-Trainer Frank Carstens konnte zufrieden sein. Seine Mannschaft spielte die Angriffe am Ende nahezu fehlerlos herunter und setzte sich dank zweier Treffer von Marian Michalczik auf 23:20 ab (57.). Jetzt jubelten die GWD-Fans deutlich lautstärker und wussten, dass der Sieg fast nicht mehr zu nehmen ist. Kai Wandschneider ließ eine offensive Abwehr mit Manndeckung spielen. Wetzlar kam auch in Ballbesitz. Doch der Angriff der Gäste war weiterhin ideenlos, sodass der nächste Wurf problemlos von Kim Sonne entschärft wurde. Spätestens das vierte Tor von Andreas Cederholm brachte eine Minute vor der Sirene das 24:20 und die endgültige Entscheidung (59.).

Quelle: www.handball-world.news