HSG Wetzlar kann Meister nur in erster Halbzeit Paroli bieten!

Die HSG Wetzlar ehrte vor dem Spiel die Weltmeister und Vizeweltmeister beider Teams, unter anderem mit einem isotonischen Gruß „aus dem Herzen der Natur“. Bild: www.sportfoto-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

SG Flensburg-Handewitt nimmt auch Hürde Rittal Arena beim 30:23-Auswärtssieg souverän – Mittelhessen fehlen die Wechselmöglichkeiten auf hohem Niveau

Letztlich gab es am gestrigen Abend doch nichts zu holen für die HSG Wetzlar gegen den souveränen Spitzenreiter der DKB Handball-Bundesliga.  Die SG Flensburg-Handewitt hat auch nach der WM-Pause seine blütenweiße Weste gewahrt. Der Deutsche Meister hatte in der ersten Halbzeit, vor 4.204 Zuschauern in der Rittal Arena, noch seine Mühe, konnte sich dann aber letztlich deutlich mit 30:23 (13:12) bei den Mittelhessen durchsetzen. 

Die Norddeutschen nahm nach der WM-Pause direkt Fahrt auf, überzeugte in Wetzlar mit einer starken Abwehr und einem schnellen Umschaltspiel. Innerhalb von einer Minute hatten sich die Fördestädter mit zwei Gegenstoßtoren zum 0:3 (3.) abgesetzt. Die Hausherren konnten erst danach durch Olle Forsell Schefvert den Bann brechen, versuchten in der Folgezeit mit viel Laufarbeit die Flensburger Deckung in Bewegung zu bringen. 

In starker Verfassung beim Tabellenführer war allerdings Schlussmann Benjamin Buric, der sein Team gegen den Ex-Verein mit zahlreichen Paraden in der Vorlage hielt. Bis auf das zwischenzeitliche 3:3 (8.) waren die Mittelhessen stets mit zwei Toren im Hintertreffen. Bei den Grün-Weißen stach Stefan Cavor im rechten Rückraum hervor, auch Till Klimpke konnte seinem Team mit wichtigen Impulsen helfen und so das 10:10 (24.) von Kristian Bjørnsen ermöglichen.

Maik Machulla hatte zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig gegengesteuert, mit Holger Glandorf eine neue personelle Alternative gebracht. Dennoch kam der Schwung aus den ersten Minuten nicht zurück. Wetzlar hatte sogar in der Schlussminute die Chance auf den Führungstreffer, doch Lenny Rubin brachte den Ball in Überzahl nicht im Flensburger Gehäuse unter. Weil der Schweizer zu früh abgeschlossen hatte, war es dann Johannes Golla, der einen Konter mit der Schlusssirene zum 12:13-Halbzeitstand verwandeln konnte. 

Magnus Rød eröffnete mit einer kraftvollen Aktion den zweiten Durchgang. Lasse Svan konnte wenig später von Rechtsaußen zum 12:15 (33.) einnetzen. Erneut hatten die Mittelhessen die Anfangsphase etwas verschlafen.  Erst der stark agierende Olle Forsell Schefvert konnte in der 34. Spielminute den Bann für die aufopferungsvoll kämpfenden Wetzlarer brechen.

Allerdings war es immer wieder Buric, der auch viele sogenannte Hundertprozentige im zweiten Durchgang wegnahm und so das 15:20 (42.) durch Vize-Weltmeister Magnus Jøndal ermöglichte. Defensiv setzten die Fördestädter auf eine 5:1-Formation mit Rasmus Lauge auf der Spitze. Nachdem Till Klimpke gegen Jøndal einen Siebenmeter parierte, ordnete Kai Wandschneider die Umstellung auf eine nach links verschobene 4:2-Deckung an und brachte nun auch den an diesem Abend ungewohnt schwachen Filip Mirkulovski wieder zur Spielsteuerung. 

Das Offensivkonzept ging auf, auch weil Mirkulovski eine Zeitstrafe gegen Tobias Karlsson zog. Bei Flensburg lastete durch die Wetzlarer Abwehr der ganze Druck auf Magnus Rød. Doch der schon bei der WM angeschlagene Norweger konnte nur den ersten seiner zwei Abschlüsse verwerten - die Hausherren witterten nach dem19:21 (46.) durch den überragenden Stefan Cavor wieder Morgenluft.

Aber Flensburg drückte vollzählig dann wieder das Gaspedal durch - bestrafte auch Wetzlars Risiko mit einem zusätzlichen Feldspieler und Zachariassen konnte mit dem Gegenstoß zum 20:26 (52.) die letzte Auszeit der Hausherren erzwingen. Wetzlar fand zwar wieder spielerisch zurück, profitierte dabei aber auch von Unterzahlsituationen der Fördestädter. In die Schlagdistanz kam man aber nicht mehr, zudem kassierte Olle Forsell Schefvert vier Minuten vor dem Ende beim Stand von 22:28 seine dritte Zeitstrafe und die Rote Karte. Letztlich stand für die Hausherren somit eine verdiente, aber vielleicht etwas zu deutliche 23:30-Niederlage zu Buche. 

„Leider hatten wir nur sehr wenig Wechselmöglichkeiten auf gleichem Niveau“, zog Wetzlars Coach Kai Wandschneider nach der Partie Bilanz. „Mit der ersten Halbzeit bin ich sehr zufrieden, wir hatten eine gute Deckungsleistung, mit einem sehr guten Till. Da müssen wir mit einem Tor Vorsprung in die Pause gehen. Im Verlauf der zweiten Hälfte sind die Kräfte geschwunden, auch weil die SG das Tempo hochgehalten hat. Da hatten wir Probleme, die zweite Welle zu stoppen.“ 

Im Stenogramm:

HSG Wetzlar: Klimpke (1.-48.), Ivanisevic (49.-60.); Björnsen (3), Mirkulovski, Schreiber, Torbrügge (1), Weissgerber, Frend Öfors (1), Holst (4/3), Waldgenbach, Forsell Schefvert (4), Rubin, Lux, Lindskog (2), Cavor (8).

SG Flensburg-Handewitt: Buric, Jepsen (bei einem Siebenmeter); Karlsson, Golla (1), Hald, Glandorf, Svan (2), Wanne (2/2), Jeppsson (3), Jondal (2/1), Steinhauser, Zachariassen (5), Johannessen (3), Lauge (7), Röd (5).

Schiedsrichter: Immel/Klein (Tönisvorst/Ratingen). – Zuschauer: 4.204. – Zeitstrafen: 6:10 Min. – Rot: Forsell Schefvert, drei Zeitstrafen. – Siebenmeter: 4/3:4/3.