HSG Wetzlar knöpft Spitzenreiter einen Punkt ab!

Bild: www.sportfoto-vogler.de

LIQUI MOLY Handball-Bundesliga

Mittelhessen erkämpfen sich 25:25-Unentschieden gegen TSV Hannover-Burgdorf – Über 4.000 Zuschauer sehen mitreißenden „Abnutzungskampf“

An Tagen wie diesen konnten alle zufrieden sein. Die HSG Wetzlar, die mit unbändiger Immer-weiter-Mentalität nach Magdeburg und Flensburg/Handewitt mit dem 25:25 (12:15) den vierten Heimpunkt gegen ein Top-Team der Liga einfuhr. Der Überraschungstabellenführer aus Niedersachsen, der seit Jahren auf einen Erfolg im Mittelhessischen wartet und deshalb "mit dem 25:25 sehr gut leben" konnte, wie deren Spielmacher Morten Olsen einräumte. Und die 4.000 Anhänger in der Arena, die in punkto Spannung und Dramatik in jeder Sekunde der Partie von beiden Teams für ihr Eintrittsgeld entlohnt wurden und ab der 20:19-Führung (49.) der Grün-Weißen durch einen der sechs verwandelten Siebenmeter von Maximilian Holst in der Endphase erstmals in dieser Saison so richtig abhoben. 

Es war eines dieser unzähligen Wahnsinnsspiele der HSG Wetzlar, in denen man von der einen auf die andere Minute nicht weiß, was als Nächstes passiert. Das schnelle 1:0 durch eine Eins-gegen-eins-Aktion von Filip Mirkulowski sowie im Gegenzug gleich die erste Parade von Till Klimpke sorgten für einen verheißungsvollen Beginn. Bis zum 10:9 von Stefan Cavor in der 20. Minute durfte man sich bei drei, vier vergebenen Großchancen ebenso die Haare raufen wie umgekehrt bei weiteren Klimpke-Glanztaten, einem Monsterblock von Anton Lindskog oder dem ersten Bundesliga-Tor von Youngster Ian Weber zum Pausen-12:15 in Jubelstürme ausbrechen. Ein wahres Wechselbad der Gefühle.

Mit einem 5:0-Lauf von der 20. bis zur 25. Minute drehte Hannover-Burgdorf aber die Partie und übernahm das Kommando, da sich Wetzlar zwei, drei Fehlwürfe leistete, Lenny Rubin nichts ins Spiel fand und die Niedersachsen über Spielmacher Morten Olsen, den gegenstoßstarken Timo Kastening und Torhüter Domenico Ebner ihre Klasse ausspielten.

Beim Seitenwechsel sprach fast alles für die Mannschaft des spanischen Erfolgstrainers Carlos Ortega, kaum etwas für die Truppe von Coach Kai Wandschneider. Doch fünf Minuten später war alles ganz anders. Als Stefan Kneer unwiderstehlich zum 14:15 (35.) einwarf, hatten die Gäste die HSG "relativ schnell wieder reingelassen", wie TSV-Sportdirektor Sven-Sören Christophersen monierte. "Wir haben nach der Pause zwei gute Chancen vergeben und dadurch hat Wetzlar auf dem Parkett und auf den Rängen wieder eine gute Stimmung bekommen", erklärte TSV-Regisseur Olsen.

Danach wurde Till Klimpke zwischen den Pfosten mit einem Paraden-Doppelpack gegen Olsen und Ugalde (42.) erneut zum Helden (16:17) - und beim 20:19 (50.) eben durch den Holst-Siebenmeter erreichte die Laut- in der Halle Orkanstärke. "Wenn hier der Druck von den Rängen kommt, wird es für jeden Gegner schwer", beschrieb Gäste-Kreisläufer Pevnov die packende Endphase.

Die Lindskog und Co. waren bis dahin in der Abwehr überragend, hatten in 20 Minuten nur vier (!) Gegentreffer gegen ein Team zugelassen, bei dem mit Olsen und dem Ex-Gummersbacher Martinovic zwei Rückraumakteure für den Angriff stets (ausgeruht) von der Bank kommen konnten. Für Siebenmeter-König Maximilian Holst war das "ein ganz schöner Kraftakt nach dem Rückstand der ersten Halbzeit. Wir kommen aber super raus und hatten direkt wieder Kontakt zu Hannover. Das war wichtig."

Der Rest war nichts für schwache Nerven, aber ganz nach dem Geschmack der 4000 Handball-Begeisterten. Vom 20:19 (50.) bis zum 25:24 (58., Torbrügge) legte Wetzlar immer ein Tor vor und befand sich somit stets in der besseren Situation. Nach dem 25:25 von Fabian Böhm hielten in den letzten 90 Sekunden die beiden herausragenden Keeper den Punkt für ihr Team fest.

"Der Punkt tut uns unglaublich gut", atmete Trainer Wandschneider durch. Der über einen Kurzeinsatz nicht hinausgekommene Lenny Rubin konstatierte: "Wenn du vor dem Spiel sagst, du spielst gegen den Tabellenführer unentschieden, dann unterschreibst du das. Am Ende hätten wir sogar gewinnen können."

Als Punktsieger durften sich - wie gesagt - alle fühlen. Denn an Tagen wie diesen weiß man, weshalb man das Spiel liebt.

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Klimpke (1), Ivanisevic; Björnsen, Holst (8/6), Forsell Schefvert (3), Mirkulovski (3), Weissgerber (n. e.), Cavor (2), Feld (2), Kneer (2), Frend Öfors (1), Lindskog (1), Torbrügge (1), Weber (1).

TSV Hannover-Burgdorf: Ebner, Urban; Thile, Pevnov, Jönsson, Kastening (6/3), Martinovic (4), Olsen (4), Böhm (3), Ugalde (3), Büchner (2), Brozovic 1, Cehte 1, Patrail 1, Donker (n.e.), Feise (n.e.).

Schiedsrichter: Helbig (Landsberg (Saalekreis))/Geipel (Teutschenthal). - Zuschauer: 4064. - Strafminuten: Forsell-Schefvert (53.), Rubin (22.), Lindskog (43., alle Wetzlar); Pevnov (26., 46.), Brozovic (54., beide Hannover).

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung