HSG Wetzlar macht in Bietigheim den Sack nicht zu!

Bild: Marco Wolf

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen bringen 26:23-Vorsprung nicht ins Ziel – Holst und Torbrügge scheitern in Schlussphase – Partie endet somit 26:26-Unentschieden

 

Geknickt saßen die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar nach den 60 hart umkämpften Spielminuten am Donnerstag in der Kabine der EgeTrans Arena. Wenige Minuten zuvor hatten sie die Chance gehabt zwei Punkte aus dem Auswärtsspiel bei der SG BBM Bietigheim mit nach Mittelhessen zu nehmen. „Es ist zum verrückt werden, aber wir haben es wieder einmal nicht geschafft, in solch einer Phase den Sack zu zumachen“, ärgerte sich Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp in der Pressekonferenz nach der Partie. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison und scheint eine Qualitätsfrage zu sein.“ 

26:23 lagen die Grün-Weißen, die in Rückraum-Shooter Lenny Rubin und Abwehrstratege Stefan Kneer ihre besten Spieler hatten, knapp 5 Minuten vor dem Abpfiff in Front. Bis zum Ende spielte sich das Team von Trainer Kai Wandschneider noch drei glasklare Einwurfchancen heraus, bei den jedoch zwei Mal Maximilian Holst von Linksaußen und Kreisläufer Nils Torbrügge an der Latte oder Bietigheims eingewechseltem Schlussmann Jürgen Müller scheiterten. „Davon muss mindestens ein Ball rein, dann ist das Ding gelaufen. So werfen wir den Sieg hier weg und müssen uns wieder einmal an die eigene Nase fassen.“ 

Die Gastgeber bejubelten unterdessen den gewonnenen Punkt, sendeten im Abstiegskampf ein Signal und konnten den Rückstand auf den VfL Gummersbach zumindest auf zwei Punkte verkürzen. Damit könnte es am letzten Spieltag zu einem echten Endspiel um den Klassenerhalt kommen, wenn Bietigheim und Gummersbach im direkten Duell aufeinandertreffen.

Die Enztäler begannen mit Michael Kraus als Rechtshänder im rechten Rückraum und der Weltmeister von 2007 konnte auch gleich im ersten Angriff überraschen. Bietigheim konnte auch in der Folgezeit vorlegen, dank der Paraden von Domenico Ebner gelang Christian Schäfer gar das 4:2 (8.).

Wetzlar ließ sich allerdings nicht abschütteln. Auch die Mittelhessen hatten mit Till Klimpke einen verlässlichen Rückhalt zwischen den Pfosten und zeigte viel Laufbereitschaft in Abwehr und Angriff. Bietigheim lebte neben dem Teamgeist auch von der individuellen Klasse eines Michael Kraus, der später im Rückraum auch mal mit Jonas Link rotierte und so die Zwei-Tore-Führung (7:5) etablieren konnte. Die Hausherren stellten Wetzlars Deckung immer wieder vor neue Aufgaben, banden auch Außen und Kreisläufer mit ein.

Auch kämpferisch mussten sich die Hausherren keine Vorwürfe machen, allerdings hatte man durchaus gute Chancen noch weiter wegzuziehen. Die größte ließ Schäfer bei einem Siebenmeter gegen Klimpke beim Stand von 10:8 (24.) liegen. Wetzlar kriegte noch einmal etwas Luft, konnte mit Glück und einem Nachwurf von Torbrügge beim 11:11 (28.) wieder egalisieren. Aber Bietigheim gehörte die Schlussphase, Kraus holte eine Zeitstrafe gegen Ferraz raus und die Überzahl nutzte man um zur Pause wieder auf 13:11 wegzuziehen.

Wetzlar gehörten die ersten Minuten von Halbzeit zwei. Max Holst rückte zweimal als Torschütze in den Blickpunkt. Das Momentum war nun auf die Seite der Gäste gewechselt, die mit einem Siebenmeter von Holst beim 15:16 (37.) erstmals vorlegen konnten. 

Hannes Jon Jonsson entschied sich einen neuen Impuls zu setzen und schickte zwanzig Minuten vor dem Ende Jürgen Müller zwischen die Pfosten. Der Routinier konnte mit ersten Paraden auch Impulse setzen, aber insgesamt war es eine kämpferische Leistung wie beim 17:17 vom eingewechselten Michael Oehler oder dem 19:18 (43.) von Max Emanuel.

Die Partie stand auf des Messers Schneide, beide Teams zeigten auch Nerven. Bietigheim leistete sich teilweise auch überhastete Abschlüsse und Wetzlar war nun zur Stelle. Als Max Holst einen Siebenmeter zum 21:23 (49.) verwandelte, musste Hannes Jon Jonsson mit der Auszeit gegensteuern. Allerdings gingen die Gastgeber weiterhin hohes Risiko, hatten aber auch nicht das nötige Fortune - vor allem der Wurf von Max Emanuel beim Stand von 22:24 hätte gut und gerne auch ins Tor statt ans Torgebälk gehen können. 

Bietigheims letzte Chance war eine über 100 Sekunden andauernde doppelte Überzahl, als Kneer und Holst innerhalb von 15 Sekunden auf die Strafbank geschickt wurden. Allerdings knallte Olle Forsell Schefvert, der viel Verantwortung übernommen hatte, den Ball zum 23:26 (56.) in die Maschen.

Auch bei Wetzlar lief nicht alles reibungslos. Holst setze einen Wurf an die Latte und Ferraz kassierte nach Foul an Asmuth eine weitere Zeitstrafe. Den anschließenden Siebenmeter nahm Tibor Ivanisevic dann Michael Kraus weg, doch die Hausherren konnten anschließend durch Max Emanuel den Anschluss schaffen und nach Holsts nächstem Fehlwurf dann durch Jonathan Fischer den Ausgleich herstellen. In einer dramatischen Schlussphase konnte dann keine Mannschaft den Siegtreffer herstellen. Nils Torbrügge scheiterte freistehend an Jürgen Müller und damit war auch die letzte Wetzlarer Torchance vergeben.

 Quelle: https://www.handball-world.news/o.red.r/news-1-1-1-114549.html