HSG Wetzlar scheitert an „Roter Wand“ von Friesenheim

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Ein enttäuschter Filip Mirkulovski verlässt das Spielfeld, während Die Eulen Ludwigshafen ausgelassen feiern. Bildquelle: HSG Wetzlar

DKB Handball-Bundesliga

Wandschneider-Sieben verliert gegen Die Eulen Ludwigshafen nach hoher Führung mit 29:31

Die HSG Wetzlar ist am Donnerstagabend an der "Roten Wand" von Friesenheim gescheitert. Die Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider verlor in der DKB Handball-Bundesliga beim Tabellenschlusslicht Die Eulen Ludwigshafen mit 29:31 (15:10) und vergab dabei eine zwischenzeitliche 22:16-Führung. Die Pfälzer hatten die Partie zum „Ein-Euro-Spiel“ ausgerufen. Jeden Zuschauer, der in Rot gekleidet kam, kostete das Ticket nur einen Euro. Dementsprechend gefüllt war die Friedrich-Ebert-Halle, in der 2294 Fans die Gastgeber zum Sieg trugen.

„Das war ein verrücktes Spiel. In meiner Trainerkarriere habe ich es selten erlebt, dass eine Mannschaft, die so auf der Siegerstraße war, dermaßen auseinanderfällt“, sagte Wandschneider. „Wir haben eine gute erste Hälfte mit nur zehn Gegentoren gespielt, aber wenn man in der zweiten Halbzeit 20 Gegentore kriegt, sagt das eigentlich alles. Friesenheim hat heute verdient gewonnen.“

Wetzlar fand nur schwer in die Partie. Zwar erzielte Joao Ferraz das 1:0 für die HSG, doch in der Folge scheiterten die grün-weißen Schützen immer wieder am Friesenheimer Keeper Roko Peribonio. Jonathan Scholz erzielte das 2:1 für die Eulen, David Schmidt erhöhte auf 4:2 (8.). Wandschneider hatte sich schon von seinem Co-Trainer Jasmin Camdzic die Grüne Karten geben lassen, doch sein Team fing sich. Maximilian Holst, der wieder den linken Flügel beackern durfte, Kristian Björnsen von Rechtsaußen, Olle Forsell-Schefvert und Ferraz drehten die Partie zum 6:5 (12.). Dabei profitierte die HSG auch von einigen Fehlern der Gastgeber.

Ferraz spielt starke erste Hälfte

Vor allem Ferraz setzte in den ersten 20 Minuten bei Wetzlar immer wieder Ausrufezeichen aus dem zuletzt so harmlosen rechten Rückraum. Sein sehenswerter Treffer zum 7:6 ermöglichte es Björnsen, im Gegenstoß die erste Zwei-Tore-Führung herauszuwerfen (16.).  Bis zur Pause konnte die Wandschneider-Sieben, die jetzt das bessere Team war, die Führung ausbauen. Das lag vor allem an Benjamin Buric, der von der 25. bis zur 30. Minute ohne Gegentor blieb. Stefan Cavor markierte in der 27. Minute das 13:10, Björnsen erhöhte erneut per Gegenstoß auf 14:10. Als Holst zum 15:10 (30.) traf, nahm Eulen-Coach Benjamin Matschke schon seine zweite Auszeit.  Doch verkürzen konnten die Hausherren nicht mehr.

Nach dem Wechsel feuerten die Eulen aus allen Rohren. Vor allem Winter-Neuzugang Azat Valiullin versuchte sein Glück, scheiterte aber immer häufig an Buric. Der bosnische Keeper nutzte sogar den siebten Feldspieler der Gastgeber aus und warf präzise zum 17:11 (34.) ein. Die HSG blieb am Drücker und konnte durch zwei Außen-Treffer von Holst und zwei Tore über die schnelle Mitte auf 22:16 (41.) erhöhen. Der starke Friesenheimer Linkshänder David Schmidt hielt seine Farben aber beim 18:23 noch in Schlagdistanz. Gunnar Dietrich verkürzte mit einem Doppelpack auf 21:25 (46.).

"Wir haben Friesenheim eigentlich auf Distanz gehalten, aber ab der 41. Minute hat unser angefangen, zu stottern. Wir haben die Eins-Gegen-Eins-Duelle in der Abwehr nicht mehr gewonnen", sagte Spielmacher Philipp Pöter.

Als Alexander Falk auch noch zum 22:25 traf, nahm Wandschneider seine Auszeit. Doch direkt im folgenden Angriff produzierte die HSG einen technischen Fehler, und Dietrich erzielte das 23:25. Erst Anton Lindskog konnte die Torflaute der Grün-Weißen stoppen (26:23/48.). Dennoch war die Partie an Spannung in den letzten Minuten kaum zu übertreffen. Djozic stellte per Siebenmeter den 26:27-Anschluss her, auf der anderen Seite behielt Björnsen unter gellendem Pfeifkonzert die Nerven zum 28:26. Doch es sollte nicht.  Dietrich und Falk sorgten für den Ausgleich, was die Halle zum Überkochen brachte. Djozic brachte die Eulen in Front (59.), Björnsen scheiterte vom Punkt an Kevin Klier. Und Alexander Feld sorgte für den Endstand.

„Dass wir heute in der zweiten Halbzeit nicht die taktische Disziplin in der Deckung hatten, macht mich stinkig. Ich bin auch enttäuscht, dass die Spieler von der Bank keine Impulse setzen konnten“, sagte HSG-Geschäftsführer Björn Seipp.

Die Eulen Ludwigshafen: Hanemann, Klier, Peribonio; Hruscak, Dietrich (4), Scholz (2), Haider (1), Feld (2), Falk (2), Durak (1), Bührer, Djozic (4/4), Dippe (1), Valiullin (5), Schmidt (9).

HSG Wetzlar: Weber, Buric (1), Klimpke; Holst (8/3), Kvist (n.e.), Kneer, Forsell-Schefvert (3), Pöter, Mirkulovski (2), Ferraz (5), Klesniks, Cavor (1), Björnsen (4/1), Volentics (n.e.), Kohlbacher (2), Lindskog (2).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Thiyagarajah/Thiyagarajah. – Zuschauer: 2294.