HSG Wetzlar unterliegt „Tempo-Maschine“ Magdeburg!

War mit sieben Treffern erneut Wetzlars bester Torschütze: Stefan Cavor (Bild: www.sportfoto-vogler.de)

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen verlieren nach starkem Beginn den Faden und am Ende mit 26:31 gegen Topteam der Liga - Kai Wandschneider: "Haben uns leider selbst den Stecker gezogen!"

Die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar haben im zweiten Heimspiel der noch jungen Saison ihre erste Niederlage einstecken müssen. Trotz eindrucksvoller Startphase unterlagen die Grün-Weißen am Abend dem SC Magdeburg in eigener Halle mit 26:31 (15:17). „Wir haben Magdeburg einen tollen Kampf geliefert und den nächsten Schritt in die richtige Richtung gemacht“, bilanzierte Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp nach der umkämpften Partie . „Klar, Handball ist Ergebnissport, aber es ist toll zu sehen, dass unsere neuformierte Mannschaft auf einem richtig guten Weg ist!“

Das bewiesen die Schützlinge von Trainer Kai Wandschneider direkt zu Spielbeginn. Vor 3.689 Zuschauern legten die Mittelhessen gegen die Elbestädter konzentriert und zielstrebig los. „Die ersten acht Angriffe waren acht Treffer. Diese Chancenverwertung der HSG war beeindruckend“, lobte auch Gäste-Coach Bennet Wiegert das junge Team der Mittelhessen nach dem Schlusspfiff der souveränen Schiedsrichter Peter Behrends und Marc Fasthoff. 

Wetzlars Spielmacher Filip Mirkulovski verstand es immer wieder Stefan Cavor und Lenny Rubin geschickt ins Szene zu setzen und die beiden Rückraumspieler dankten es mit blitzsauberen Toren. Aus diesen erfolgreichen Abschlüssen resultierte zudem auch, dass die Magdeburger zunächst nicht in ihr gefürchtetes Tempospiel kamen. So war es Stefan Cavor, der in der 7. Spielminute krachend zur ersten Zwei-Tore-Führung der Gastgeber traf (5:3). Und Wetzlar blieb gestützt auf eine stabile 6:0-Abwehr am Drücker. Unter dem Jubel der frenetischen Zuschauer netzte der monhenegrienische Nationalspieler dann nur fünf Minuten später zum 8:5 für die Mittelhessen ein.

„Bis dahin haben wir unser Ding komplett nach Plan durchgezogen, nämlich die Angriffe konzentriert zu Ende zu spielen und technische Fehler zu vermeiden“, so die Zwischenbilanz von HSG-Trainer Kai Wandschneider in der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Doch nach dem 8:5 sind wir dann unerklärlicherweise umgekippt, haben zu überhastet gespielt und zu viele Ungenauigkeiten in unserem Spiel gehabt. Diese unnötigen Fehler hat die Tempo-Maschine Magdeburg dann eiskalt genutzt. Wir haben in dieser Phase viel zu viele Gegenstöße und somit einfacher Treffer kassiert.“

Und so kam es, dass die ambitionierten Gäste in der 17. Minute durch Piotr Chrapkowski zum 9:9 ausgleichen konnten. Selbst eine Auszeit von Kai Wandschneider änderte wenig am Wetzlarer Negativlauf.  „Durch unsere Fehler haben wir uns leider selbst den Stecker gezogen“, ärgerte sich der 58-jährige. „Solche Unkonzentriertheit sind immer ein Zeichen von beginnender Müdigkeit. Deshalb habe ich im Rückraum gewechselt. Während das auf Rückraum links mit Alexander Hermann erfolgreich war, blieb es auf der anderen Seite ohne Wirkung, da Joao Ferraz leider einen rabenschwarzen Tag hatte.“ Der schwache Portugiese produzierte gleich zwei weitere Abspielfehler und ließ Magdeburg somit weiter am Drücker bleiben. Bis zur 24. Minute zog das Team von Bennet Weigert, das in Marko Bezjak einen glänzenden Regisseur hatte, auf 14:11 davon. Erneut hatte Chrapkowski über die eminent druckvolle zweite Welle getroffen.   

Mit einem 15:17-Rückstand ging Wetzlar in die Pause, aus der die Grün-Weißen sichtlich konzentrierter zurückkamen. Mit dem ersten Angriff verkürzte Olle Forsell-Schefvert auf 16:17 und ließ bei den Zuschauern erneut Hoffnung auf eine mögliche Sensation aufkeimen. Doch Magdeburg agierte danach im Stile eine Spitzenmannschaft. Was die aggressive Deckung des ehemaligen Champions League-Siegers durchließ, entschärfte nun immer öfter Torhüter Dario Quenstedt. Darunter auch zwei Siebenmeter von Wetzlars Linksaußen Maximilian Holst. Und so kam es, wie es kommen musste. Bis zur 43. Minuten schraubten die Bördeländer ihren Vorsprung auf 25:19 in die Höhe.

Erst danach bekam Wetzlar wieder besseren Zugriff auf die Partie. Das lag zum einen an der Abwehrumstellung von Kai Wandschneider auf eine 4:2-Deckung und zum anderen an insgesamt sechs Paraden von Youngster Till Klimpke im HSG-Gehäuse, der in der 40. Minute den bis dahin glücklosen Schlussmann Tibor Ivanisevic abgelöst hatte. „Mit der offensiveren Deckung von Wetzlar hatten wir so unsere Probleme“, gab Bennet Weigert offen zu. „So hatte ich bis zur 55. Minute noch einige Bedenken, ob es wirklich zum Sieg reicht.“ Nachvollziehbarer Weise, denn die Gastgeber ließen nicht locker. In der 50. Minute traf erneut Stefan Cavor zum 24:29. Doch danach versäumten es die Mittelhessen sich noch näher an den SCM heran zu kämpfen. Nils Torbrügge scheiterte zwei Mal frei vom Kreis und auch Linksaußen Emil Frend-Öfors fand im starken Dario Quenstedt seinen Meister. „Mit einer konsequenteren Chancenverwertung hätten wir drei Minuten vor Schluss mit zwei Toren ran sein können. Aber das haben wir leider versäumt“, musste Kai Wandschneider attestieren. „Es wäre spannend zu sehen gewesen, wie Magdeburg damit umgegangen wäre?“

Am Ende brachten die Gäste die Fünf-Tore-Führung somit doch sicher ins Ziel und siegten in der Rittal Arena mit 31:26. „Ich bin sehr froh, dass wir diese schwere Hürde gemeistert haben, denn hier in Wetzlar werden noch einige Teams Punkte lassen“, ist sich Gästecoach Bennet Weigert sicher. „Ich werden nicht müde, die tolle Arbeit, die hier in Wetzlar Jahr für Jahr gemacht wird, zu loben.“ Komplimente, die Kai Wandschneider und Björn Seipp dankend annahmen. Jedoch legte der Geschäftsführer den Fokus schnell auf die kommende Partie in weniger als 48 Stunden in Stuttgart. „Jetzt heißt es für die Jungs zu regenerieren, um in der wichtigen Partie in Stuttgart wieder topfit zu sein. Wir können aus dem heutigen Spiel auch sehr viel positives mitnehmen, was uns helfen wird, am Donnerstag erfolgreich sein zu können.“. 

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Ivanisevic (1.-40.), Klimpke; Hermann (3), Kneer, Björnsen (1), Ferraz, Mirkulovski, Schreiber, Torbrügge (1), Weissgerber (2/1), Fremd Öfors (2), Holst (3/2), Forsell Schefvert (2), Rubin (3), Lindskog (1), Cavor (7).

SC Magdeburg: Green (1.-23.), Quenstedt; Musa (4), Chrapkowski (5), Musche (9/3), Kluge (n.e.), Pettersson (1), De la Pena (n.e.), Plaza Jimenez (1), Molina (n.e.), Christiansen (2), Lagergren (3), O’Sullivan (2), Bezjak, Weber (4), Damgaard (n.e.).

Schiedsrichter: Peter Behrends/Marc Fasthof - Zuschauer: 3.689 - Siebenmeter: 5/3 - 3/3.