HSG Wetzlar verpasst nächste Sensation ganz knapp!

Foto: Laurin Sawellion

LIQUI MOLY Handball-Bundesliga

Mittelhessen unterliegen Titelverteidiger THW Kiel im Achtelfinale des DHB-Pokals mit 25:26 (14:12) - Stefan Cavor: "Wir waren die bessere Mannschaft, aber am Ende nicht abgehockt genug!"

Einmal mehr stand die HSG Wetzlar vor einer Überraschung. Im Achtelfinale des DHB-Pokals legte die Mannschaft von Kai Wandschneider, die zuletzt nach dem Unentschieden gegen Flensburg den SC Magdeburg in der Liga bezwungen hatte, gegen den THW Kiel immer wieder vor. Zwischenzeitlich führten die Gastgeber beim 21:17 sogar mit vier Toren. Der Favorit kämpfte sich wieder zurück, doch die Hessen legten auch dank des zehnfach erfolgreichen Stefan Cavor wieder vor - zuletzt das 25:24. Doch in der letzten Minute drehte Kiel dann die Partie: Nikola Bilyk hatte den Ausgleich erzielt, eine Parade von Dario Quenstedt verhinderte dann die neuerliche Führung der HSG und auf der Gegenseite schlug Hendrik Pekeler zu - Wetzlar musste sich vor 3.734 Zuschauern unglücklich mit 25:26 geschlagen geben. Kiel ist unterdessen nur noch einen Sieg vom Final Four in Hamburg entfernt.

Ein Unentschieden gegen die SG Flensburg-Handewitt, zuletzt ein Sieg gegen den SC Magdeburg - die Ergebnisse der Heimspiele der HSG Wetzlar waren eine Warnung für den THW Kiel, der in der Favoritenrolle nach Hessen gereist war. Und mit Konzentration schien der Rekordmeister dieser auch gerecht zu werden: Niclas Ekberg und Harald Reinkind sorgten für ein schnelles 2:0. Der erste Treffer der Hausherren durch Emil Frend Öfors fiel erst nach knapp fünf Minuten, die Antwort von Reinkind erfolgte keine zehn Sekunden später. 

Nach dem 3:5 fand die HSG Wetzlar dann aber immer besser in die Partie - auch weil Stefan Cavor immer wieder für wichtige Treffer sorgte. Vor und nach einer ohne Gegentor überstandenen ersten Wetzlarer Unterzahl sorgte der Rückraumspieler erst für den Anschluss und dann beim 5:5 für den Ausgleich. Kiel scheiterte im nächsten Angriff an Till Klimpke, die Chance auf die Führung konnten die Gastgeber aber nicht nutzen - auf der Gegenseite war Niklas Landin Jacobsen ebenfalls auf dem Posten. Wetzlar geriet wieder mit 5:7 in Rückstand, nach zwanzig Minuten stand ein 6:8 auf der Anzeigetafel. 

Nun aber drehte sich die Partie zur Freude der 3.734 Zuschauer in der Rittal Arena: Maximilian Holst traf von der Siebenmeterlinie, Kristian Björnsen legte erst den Ausgleich und dann mit dem 9:8 die umjubelte erste Führung für die Hessen nach. Nun legte die HSG Wetzlar vor, für den THW Kiel ging es darum den Anschluss zu halten - denn beim 12:10 durch Lenny Rubin führten die Gastgeber erstmals mit zwei Toren. Mit diesem Abstand ging es auch in die Kabinen, dabei fielen alleine in der letzten Minute des ersten Abschnitt mit dem 13:11 von Björnsen, dem Anschlusstreffer von Magnus Landin Jacobsen und dem 14:12 von Alexander Feld noch drei Treffer. 

Im zweiten Abschnitt konnte der THW Kiel in Überzahl zunächst den Anschlusstreffer erzielen, doch den Ton gaben weiterhin die Wetzlarer an - auch weil das Spiel des Rekordmeister in dieser Phase fehlerbehaftet war. Wetzlar stand hingegen gut in der Deckung, hatte in Klimpke einen starken Rückhalt und zog durch einen Doppelschlag von Stefan Cavor auf 16:13 davon. Kiel geriet unter Druck, denn die Gastgeber beantworteten die Treffer der Norddeutschen jeweils umgehend - bis zum 20:17 blieb es so beim Drei-Tore-Vorsprung. Als sich Kiel dann einen weiteren Fehlwurf leistete, setzte Nils Torbrügge das 21:17. 

Die Halle glaubte längst an die Sensation, doch der THW Kiel versuchte es mit taktischen Anpassungen. Filip Jicha stellte auf eine 3:2:1-Deckung und beorderte dahinter nun Dario Quenstedt zwischen die Pfosten. Wetzlar bekam in der Offensive Probleme, über acht Minuten vergingen bis zum nächsten Treffer. Der THW Kiel hatte auch dank der Glanztaten von Quenstedt so zum 21:21 ausgleichen können, doch Stevan Cavor löste dann den Knoten und Joao Ferraz legte das 23:21 nach - der Außenseiter schien das Heft wieder in die Hand bekommen zu haben. 

Der THW Kiel hielt in dieser Pokalschlacht allerdings auch kämpferisch dagegen. Filip Jicha war angesichts der guten Deckungsarbeit der HSG Wetzlar dabei in der Offensive ins Risiko gegangen, versuchte es nach einer Auszeit mit dem siebten Feldspieler. Und dies mit Erfolg: Niclas Ekberg bekam einen guten Winkel und konnte dann einen Fehlpass der Hausherren im Gegenstoß zum 23:23 nutzen. Doch Wetzlar blieb stabil, legte erst durch Maximilian Holst von der Siebenmeterlinie das 24:23 und dann durch Stefan Cavor das 25:24 vor. 

Vier Minuten vor dem Ende hatte sich die Partie zu einem echten Pokalfight entwickelt, die HSG Wetzlar verlangte dem THW Kiel alles ab und hatte den Favoriten am Rande der Niederlage. Doch dieser konnte den Kopf aus der Schlinge ziehen, auch weil Dario Quenstedt mehrfach zur Stelle war. Nikola Bilyk konnte so zunächst ausgleichen und nach einer weiteren Glanztat des Kieler Torhüters, der einen Wurf des Gegners an den Pfosten lenken konnte, nutzte dann Hendrik Pekeler die Chance zum 26:25 - der ersten Kieler Führung seit der zwanzigsten Minute. Wetzlar drängte auf den Ausgleich und die Verlängerung, doch Quenstedt und die THW-Deckung ließen dies nicht zu. Kiel rettete sich über die Zeit und ins Viertelfinale.