Kai Wandschneider: „Ich bin total stolz auf meine Mannschaft!“

Foto: Oliver Vosshage

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar sieht beim TSV Hannover-Burgdorf verdient mit 25:23 (14:10) – Tibor Ivanisevics Paraden sichern Auswärtssieg – Holst trifft zehn Mal

 

Die HSG Wetzlar hat einen Auswärtscoup gelandet und mit dem 25:23 (14:10) bei der TSV Hannover-Burgdorf die 20-Punkte-Marke überschritten. Die Recken verpassten den Sprung auf einen einstelligen Tabellenplatz, Wetzlar ist zumindest bis zu den 16-Uhr-Spielen nur zwei Punkte hinter dem neunten Platz, mit dem Erlangen ins Auswärtsspiel beim TBV Lemgo Lippe geht. 

Carlos Ortega zollte den Belastungen der vergangenen Wochen Tribut und schonte zu Beginn zahlreiche Stammkräfte wie die Nationalspieler Fabian Böhm, Kai Häfner und Timo Kastening. Wetzlar hingegen schickte seine Stammformation auf das Parkett und konnte so durch Filip Mirkulovski den ersten Treffer der Partie setzen.

Aber die Recken kämpften sich in die Partie, konnten immer wieder nachziehen und es entwickelte sich eine torreiche Anfangsphase, in der Torge Johansen dann schon nach vier Minuten das Feld verlassen musste da Nejc Cehte nach seinem Tor zum 2:2 auf dem Knöchel seines Mitspielers landete. 

Die Abwehrreihen waren noch nicht auf Betriebstemperatur, allerdings konnte Urban Lesjak dann Kristian Bjørnsen einen freien Wurf abkaufen und im Gegenzug stellte Vincent Büchner beim 4:3 (7.) die erste Führung der Hausherren vom linken Flügel her. Aber Wetzlar konterte mit drei eigenen Treffern, auch weil Till Klimpke seinerseits die erste Parade für sich verzeichnen konnte.

Liebhaber einer aggressiven Deckungsarbeit kamen in der Anfangsviertelstunde nicht auf ihre Kosten, individuelle Fehler der Recken und Klimpkes Torhüterparaden sorgten dafür, dass sich Wetzlar weiter lösen konnte und Max Holst zeigte vom Strich keine Nerven und traf zum 6:10 (19.). Carlos Ortega nahm seine erste Auszeit als Weckruf für seine Recken.

Die agierten nun mit einigen personellen Wechseln deutlich zielstrebiger im Angriff, kriegten in der Abwehr allerdings nicht die Anspiele auf Lindskog unterbunden. Näher als zwei Tore kamen die Niedersachsen nicht heran, Kai Wandschneider hatte beim 9:11 schnell eine Auszeit genommen und sein Team in der Spur gehalten.

Überragend war auch Maximilian Holst, der sowohl von außen wie auch vom Strich oder als Einläufer an den Kreis immer wieder Nervenstärke bewies und sich auch für das 9:14 (27.) verantwortlich zeigte. Mit einer 5:1-Abwehrformation und Cristian Ugalde auf der Spitze wollte man Wetzlars Spielaufbau stören und profitierte dann aber auch beim 10:14-Halbzeitstand von zwei Zeitstrafen gegen Wetzlar.

Die Mittelhessen kamen gut in den zweiten Durchgang, ein Doppelpack von Björnsen bescherte den Gästen direkt eine Sechs-Tore-Führung und als der Norweger gar zum 11:18 (34.) stellte, musste Carlos Ortega schon seine zweite Auszeit beantragen.

Den Recken fehlten weiterhin die Treffer aus dem Rückraum, defensiv versuchte man nun Mirkulovski mit einer kurzen Deckung aus dem Spiel zu nehmen. Die zurückgekehrten Pavel Atman und Nejc Cehte befreiten die Hausherren ein wenig aus ihrer Lethargie und brachten mit ihren Treffern zum 14:18 (38.) auch die Halle zurück ins Spiel.

Aber Wetzlar stellte sich auch auf diese Aufgabe gut ein und die Recken nutzten die sich bietenden Gelegenheiten zum Verkürzen nicht immer konsequent. Wetzlar kam nicht mehr zu guten Abschlüssen, konnte sich allerdings auch auf Tibor Ivanisevic verlassen. Erst in der 47. Minute konnte Hannover-Burgdorf mit einem Unterarmwurf von Böhm zum 18:21 verkürzen.

 Aber die Gäste schlugen zurück, Rubin aus dem Rückraum eine Parade von Ivanisevic gegen Cehte und dann holte Mirkulovski eine Zeitstrafe gegen Cehte und noch Siebenmeter heraus, den Holst mit einem sehenswerten Heber gegen Ziemer zum 18:23 (50.) verwandelte.

Der Recken-Torhüter sollte in den Folgeminuten mit starken Paraden dafür sorgen, dass die Partie jedoch nicht frühzeitig entschieden wurde. Allerdings konnten seine Vorderleute die Impulse des zukünftigen Berliners nur bedingt aufnehmen und auch Ziemer selbst verpasste mit einem Wurf auf das verwaiste Wetzlarer Tor in Überzahl seinen Treffer.

Aber der Schlussmann war nun auch in den Köpfen der Gäste. Lindskog traf frei vom Kreis nur den Pfosten und den schnellen Gegenzug konnte der zurückgekehrte Vincent Büchner zum 21:23 (56.) nutzen. Der Flügelspieler verletzte sich allerdings wenig später als Lenny Rubin nach einem Durchbruch gegen das Bein des Youngsters prallte.

Dennoch, das Momentum war nun zu den Recken gewechselt. Die hatten sogar die Chance auf den Anschlusstreffer, allerdings brachte Häfner den Ball nich an Ivanisevic vorbei und im Gegenzug konnte sich Lindskog zum 21:24 (58.) durchsetzen. Im Gegenzug arbeitete sich Pevnov mit ein wenig Fortune noch einen Siebenmeter heraus, doch den konnte Kastening nicht unterbringen und Olle Forsell Schefvert sorgte für die Entscheidung. Der Schwede zog sich im nächsten Angriff dann noch einmal eine Schulterverletzung zu, die die Freude über den 25:23-Auswärtserfolg trübte.

"Es war ein Abnutzungskampf, aber ich bin total stolz auf meine Mannschaft", so Kai Wandschneider nach der Partie gegenüber Sky. "Ich bin nicht über die Spielweise unserer Mannschaft überrascht, denn wir haben es heute geschafft, gut zu wechseln, ohne Einbrüche. Tibor Ivanisevic ist für mich heute der Matchwinner - er war über ein halbes Jahr verletzt ausgefallen. Er hat uns den Rückhalt in der zweiten Halbzeit im Tor gegeben.“

"Begeistert bin ich die ganze Saison über von meinen Jungs, denn sie haben ein großes Herz und einen starken Zusammenhalt", lobte der Wetzlarer Coach seine Mannschaft. "Sie sind jung und werden in den nächsten Jahren wachsen. Ich habe über die vielen Jahre gelernt - egal ob Sieg oder Niederlage - alles mit einem gewissen Leichtmut zu registrieren und mich nach innen zu freuen."

"Es war für uns eine ungewohnte Anwurfzeit, weil wir in dieser Saison nicht so oft das Top-Spiel waren. Aber für uns hat es sich ausgezahlt", erklärte Maximilian Holst, der mit zehn Treffern bester Schütze der Wetzlarer war. "Wir haben ein ganz ordentliches Spiel gemacht, mit Höhen und Tiefen. Aber Hannover war heute nicht am Maximum, das war für uns ganz gut und deshalb konnten wir den Auswärtssieg mitnehmen. Hannover ist die gesamte Zeit hinterhergelaufen und wir haben den Abstand immer halbwegs im erträglichen Bereich gehalten und souverän bis zum Ende gespielt."

"Ich bin von der HSG Wetzlar überrascht, wie häufig in den letzten Jahren", befand Sky-Experte Stefan Kretzschmar in seiner Analyse. "Spielerisch und taktisch war Wetzlar heute überlegen. Die erste Halbzeit bei Hannover war eine Katastrophe, vor allem im Abwehrbereich. Was mich aber am meisten überrascht hat war, dass Wetzlar eine höhere Bereitschaft besaß, zu gewinnen. So ein Auftritt ist bei einem Heimspiel natürlich ein Armutszeugnis."

Quelle: www.handball-world.news