Mit desolater Angriffsleistung gegen BHC selbst zerstört!

Bild: www.sportfoto-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen verlieren gegen selbstbewussten Aufsteiger mit 25:27 (10:12) – Kai Wandschneider: „Teilweise wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen gespielt!“ – Björn Seipp: „Angriff hatte nichts mit Bundesliganiveau zu tun“

„Wir haben Geschenke verteilt und im Angriff teilweise wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen gespielt“, brachte es Kai Wandschneider nach dem Heimspiel der HSG Wetzlar gegen den Bergischen HC auf den Punkt. Aufgrund einer schwachen Offensivleistung verloren die Mittelhessen am Abend gegen den selbstbewussten Aufsteiger zu Hause mit 25:27 (10:12). „Uns haben im Angriff die Nerven versagt. Das ist besonders schlimm, denn gegen einen ersatzgeschwächten BHC hätten wir heute gewinnen müssen“, so der tief enttäuschte Coach.

Für die Grün-Weißen war es die vierte Heimniederlage in Folge und eine, die aufgrund ihres Zustandekommens besonders schmerzt. Immer wieder wurden Ballgewinne der massiven Wetzlarer Abwehr um die guten Torhüter Till Klimpke und „Bobby“ Marinovic fahrlässig wieder her geschenkt oder freie Einwurf-Möglichkeiten fahrlässig vergeben, darunter drei Siebenmeter im ersten Abschnitt. Diese eklatante Angriffsschwäche zog sich annähernd über die komplette Spielzeit. „Wir haben schon in der ersten Halbzeit sechs Gegenstoß-Tore kassiert, weil wir in der zweiten Welle zum Teil hanebüchene Sachen fabriziert haben“, beschreibt Wandschneider das Problem seiner jungen Mannschaft in den ersten 30 Minuten. „Im Angriff waren wir nicht da und konnten uns deshalb nicht für eine richtig starke Abwehrarbeit mit einem guten Till Klimpke dahinter belohnen. Der BHC hat nur sechs Treffer aus dem gebundenen Angriff erzielt. Da müssen wir eigentlich zur Halbzeit führen.“

Die Wetzlarer Fehler setzten sich auch nach der Pause fort. Zitterhändchen hier, Zitterhändchen da. Einfachste Fehler von allen Positionen. So stand es in der 39. Minuten bereits 19:13 für die Gäste, die ihrerseits auch keinen guten Tag erwischt hatten, bis dahin allerdings deutlich weniger Fehler fabrizierten oder die Einladungen der Hausherren über die schnellen Außen Boomhouwer und Fraatz zu zahlreichen einfachen Gegenstoßtreffern nutzten.

20 Minuten vor dem Ende nahm Kai Wandschneider dann eine Auszeit und traf die richtigen Entscheidungen. Vor allem die Einwechslungen von Keeper Nikola Marinovic und des Linkshänders Joao Ferraz brachten Belebung und so etwas wie Konstanz in Wetzlarer Spiel.  So brachte die Abwehr die Bergischen Löwen in Nöte und ins Zeitspiel. Etliche Ballgewinne waren die Folge. Und urplötzlich erzielten die Grün-Weißen auch einfache Rückraumtreffer oder fanden den Kreis. Zur Überraschung und unter dem Jubel der knapp 3.800 Zuschauer fanden die Mittelhessen zurück ins Spiel, starteten eine beeindruckende Aufholjagd, die in der 52. Minuten durch den Ausgleichstreffer von Joao Ferraz (21:21) und kurz später durch die Führung gekrönt wurde. Maximilian Holst hatte per Tempogegenstoß getroffen.   

Filip Mirkulovski war es zwei Minuten später dann, der die Chance hatte, die Gastgeber sogar mit zwei Toren in Führung zu bringen. Doch der Mazedonier schloss überhastet ab und scheiterte mit seinem Wurf am Mittelblock der Gäste.

Was danach folgte war ein Handballkrimi, nach dem Wetzlar am Ende letztlich wieder einmal als Verlierer dar stand. Warum? Weil die Grün-Weißen in der Schlussphase wieder das Zitterhändchen bekamen und nicht nachvollziehbare Fehler produzierten. Und die Abwehr ließ BHC-Spielmacher Babak gleich zweimal annähernd unbedrängt  aus der Mitte werfen. So stand es 34 Sekunden vor dem Ende 26:25 für die Gäste.

Was dann kam war leider symptomatisch für den Wetzlarer Handballabend. Ein Fehler im Angriff entschied die Partie. Ausgerechnet Joao Ferraz war es, der den Ball 18 Sekunden vor dem Ende ins Seitenaus warf, beim Versuch seinen Rechtsaußen Lars Weissgerber zu finden. „Dieser Pass war für mich nicht nachvollziehbar“, brodelte es nach dem Schlusspfiff in Trainer Kai Wandschneider.

Auch Geschäftsführer Björn Seipp blieb ratlos zurück. „Was wir heute im Angriff gespielt haben, hatte mit Bundesliganiveau nichts zu tun. Ich habe schon vor dem Anpfiff etwas Sorge gehabt, weil ich zum Teil in blasse Gesichter geschaut habe. Das hat sich dann leider in unserer desolaten Offensivleistung widergespiegelt. Hier waren heute einige Spieler mit dem Druck überfordert. In solchen Spielen müssen Spieler Verantwortung übernehmen. Davon hatten wir heute viel zu wenige. Wer so viele Fehler macht, der hat es auch nicht verdient zu gewinnen“, so der 48-jährige. „Heute war ein komplett verkorkster Tag. Das ändert aber nichts daran, dass diese Mannschaft das Potential besitzt, es deutlich besser zu machen. Wir stecken mitten im Abstiegskampf, aber das ist nichts Überraschendes. Trotzdem muss es jedem klar sein. Ein großes Dankeschön möchte ich an dieser Stelle unseren Zuschauern aussprechen. Sie mussten gestern viel ertragen und haben die Mannschaft trotzdem über 60 Minuten gepusht. Das war der Wahnsinn und es ärgert mich auch deshalb sehr, dass wir in einem Heimspiel so eine ängstliche Angriffsleistung geboten haben.“       

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Klimpke, Marinovic; Hermann (1), Kneer, Björnsen, Ferraz (4), Mirkulovski (1), Schreiber, Torbrügge (1), Weissgerber (3/1), Frend Öfors (1), Holst (4/1), Forsell Schefvert (3), Rubin, Lindskog (3), Cavor (4).

Bergischer HC: Rudeck, Rutschmann; Bettin (1), Darj (2), Petrovsky (1), Gunnarsson, Nippes, Majdzinski (1), Kotrc, Baena (1), Fraatz (7), Babak (4), Szücs, Arnesson (3), Boomhouver (6), Criciotoiu (1).

Schiedrichter: Thöne/Zupanovic – Zuschauer: 3.794 – Siebenmeter: 5/2 - 1/0 – Zeitstrafen: 6/4 Minuten.