Schwache erste Halbzeit kostet Wetzlar zählbares in Stuttgart!

Bild: Jens Körner

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen verlieren trotz großem Kampf nach dem Wechsel mit 28:30 (9:14) - 19 Treffer in zweiter Halbzeit reichen nicht

Die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar kehren erneut mit leeren Händen aus der Fremde zurück. Die Mittelhessen verloren am Abend knapp mit 28:30 beim TVB 1898 Stuttgart. Und dass, obwohl sich die Grün-Weißen nach einer schwachen ersten Halbzeit im zweiten Abschnitt beeindruckend zurück ins Spiel gekämpft hatten und einen Fünf-Tore-Vorsprung der Gastgeber zur Pause, bis zur 42. Spielminuten egalisiert hatten. Zwei Mal ging das Team von Trainer Kai Wandschneider danach sogar in Führung, doch am Ende sollte es nicht für zählbares reichen.

„Unsere schwache erste Halbzeit hat uns hier den Sieg gekostet“, bilanzierte HSG-Coach Kai Wandschneider nach den kampfbetonten 60 Minuten vor nur 2.048 Zuschauern. „Wir waren, warum auch immer, nicht bereit, haben in der Abwehr zu wenig Zugriff gehabt und vorne keine Lösungen gefunden. Das darf uns  nicht passieren und wir werden das deutlich ansprechen.“

Bereits nach zwei Minuten lag Stuttgart durch zwei Treffer von Dominik Weiß mit 2:0 in Führung, was dem Team der Gastgeber, dass zuvor kein Duell mit den Mittelhessen gewinnen konnte, sichtbar Selbstvertrauen verlieh. In der Deckung wartete das Team von Trainer Jürgen Schweikhardt mit einem Pressing auf der rechten Halbposition auf, was dem zu statischen Wetzlarer Angriffsspiel zunächst die Wirkung nahm. Viel zu oft zogen die Grün-Weißen zur Mitte und machten es der TVB-Abwehr so einfach. Bereits nach acht Minuten stand es 5:1 für die Hausherren, was Wetzlars Coach Kai Wandschneider zur ersten Auszeit zwang. Doch auch ein annähernder Komplettwechsel im Rückraum und am Kreis zeigte zunächst keine Wirkung. Die Gäste fanden in der Offensive kein Mittel und wirkten im Abwehrverbund bis zur 15. Spielminute zahnlos. „So dürfen wir uns nicht präsentieren“, befand nach dem Spiel auch Linksaußen Emil Frend-Öfors. „Das war gar nichts!“

Erst Mitte der ersten Halbzeit kam mehr Aggressivität in die Wetzlarer Abwehr, was direkt dazu führte, dass die Mittelhessen über erweiterte Gegenstöße und die Außen Kristian Björnsen und Emil Frend-Öfors zu leichten Toren kamen. Doch Stuttgart schaffte es aufgrund von einigen technischen Fehlern der Gäste  und einem konzentrierten Angriffsspiel stetig mit vier bis fünf Toren in Front zu liegen. Somit ging es mit einem 9:14-Halbzeitstand aus Sicht der HSG Wetzlar in die Pause.

In dieser fand Kai Wandschneider offenbar die richtigen Wort und den optimalen Weg, um seiner Mannschaft die bis dahin fehlende Aggressivität zu verleihen. Wetzlar startete mit einer 4:2-Deckung in die 2. Halbzeit, in der Olle Forsell Schefvert und Emil Frend Öfors die vorgezogenen Positionen einnahmen. Auf einmal war Feuer im Spiel der Gäste, während Stuttgart ins Wanken kam und kein Mittel mehr gegen die Abwehr der Grün-Weißen fand. „Wir haben uns in dieser Phaser mehr mit der Wetzlarer Abwehr als mit unserem eigenen Spiel beschäftigt“, befand TVB-Trainer Jürgen Schweikhardt nach dem Spiel.

Die Mittelhessen nutzten nun zum Teil einfache Ballgewinne, um unter anderem durch Treffer des einmal mehr bärenstarken Stefan Cavor Tor für Tor heranzurücken. In der 42. Minute war es dann der ebenfalls starke Lenny Rubin, der zum 17:17-Ausgleich traf und die Stuttgarter SCHARRena zum Schweigen brachte. Danach dauerte es nur drei Minuten, ehe Emil Frend-Öfors die Grün-Weißen per Tempogegenstoß erstmals in Führung brachte (19:18). „In dieser Phase hatten wir das Momentum auf unserer Seite, uns aber selbst durch eigene Unkonzentriertheiten nicht für eine tolle Leistung belohnt“, so Kai Wandschneider nach dem Spiel. So warf Torhüter Tibor Ivanisevic in eigener Überzahl einen Ball am leeren Stuttgarter Tor vorbei. Oder es führten hektische Ballverluste, diesmal in Wetzlarer Unterzahl, dazu, dass Stuttgart wieder ins Spiel fand.

So kam es, dass es in der 56. Spielminute nach einem Schlagwurf von TBV-Spielmacher „Mimi“ Kraus 27:27-Untentschieden stand. Die sogenannte Crunshtime begann und diese leitete zunächst Filip Mirkulovski mit einer starken Individualleistung ein, als der Mazedonier den kompletten Stuttgarter Innenblock ausstanzte. Im Gegenzug erhielt dann der beindruckend kämpfende Wetzlarer Olle Forsell Schefvert nach einer Ringereinlage mit „Geburtstagskind“ Simon Baumgarten eine Zeitstrafe. Die Schiedsrichter entschieden zudem, zur Überraschung der Gäste, auf Siebenmeter. Wetzlar schickte Youngster Till Klimpke für Tibor Ivanisevic zwischen die Pfosten, der den Strafwurf von Kraus parieren konnte. Doch dem Ex-Nationalspieler fiel der Abpraller direkt in die Hände und Kraus traf im Nachwurf zum 29:28 für Stuttgart.

100 Sekunden war danach noch zu spielen. Wetzlar hatte keine Auszeit mehr und die Spieler von Trainer Kai Wandschneider suchten händeringend nach einer Angriffslösung gegen die aufmerksame Deckung der Gastgeber, der zahlreiche Stoppfouls gelang. Der Arm der Referees ging 30 Sekunden vor Schluss hoch und Stefan Cavor musste unter Druck aus ungewohnter halblinker Position abziehen. Der Wurf landete neben dem Pfosten. 15 Sekunden war da noch zu spielen. Stuttgart nahm die Auszeit und Wetzlar wollte den Gastgebern eine Wurffalle stellen, was aber missriet, denn Rechtsaußen Bobby Schagen traf mit dem Schlusspfiff zum 30:28 für Stuttgart.

„Es ist natürlich ernüchternd, wenn Du eine so starke zweite Halbzeit spielst, sogar führst und am Ende mit leeren Händen dar stehst“, beschrieb Kai Wandschneider in der Pressekonferenz nach dem Spiel seine und die Gemütslage seine Mannschaft. „Unsere Abwehrumstellung in der 2. Halbzeit hat voll ins Schwarze getroffen. Das haben die Jungs bravurös gemacht, aber das kostet natürlich Körner, da wir da nicht durchwechseln können, weil nicht alle Spieler diese offensive Abwehr spielen können. Was uns im Spiel, neben der Körpersprache und Aggressivität in der ersten Halbzeit, ganz einfach gefehlt hat, sind gehaltene Bälle. Wir hatten sieben Paraden und gerade bei einer so kraftraubenden, offensiven Abwehr wie in der zweiten Hälfte brauchst du auch Mal ein paar gehaltene Bälle als Belohnung. Das haben wir nicht geschafft. Und was wir als drittjüngste Mannschaft schnell lernen müssen, ist cleverer zu spielen und in entscheidenden Situationen die unnötigen Fehler abzustellen. Das kann man nicht üben, aber ansprechen. Jetzt haben wir eine Woche Zeit, um uns auf das nächste Spiel gegen Melsungen vorzubereiten. Es heißt Ärmel hochkrempeln und weitermachen.“       

Stenogramm:

TVB 1898 Stuttgart: Bitter (1.-60.), Maier; Schimmelbauer (2), Häfner. Weiß (4), Schagen (6), Schweikhardt (1), Späth (1), Kraus (6/3), Markotic (3), Baumgarten (4), Röthlisberger, Burmeister, Von Deschwanden (1), Pfattheicher, Schmidt (2). 

HSG Wetzlar: Ivanisevic (1.-20., 30.-57.); Klimpke; Hermann, Kneer, Björnsen (6), Ferraz, Mirkulovski (2), Schreiber, Torbrügge (2), Weissgerber, Frend Öfors (4), Holst (1/1), Forsell Schefvert (2), Rubin (4), Lindskog, Cavor (8).

Schiedsrichter: Christoph Immel/Ronald Klein - Siebenmeter: 4/3 - 2/1 - Zeitstrafen: 8 Minuten/4 Minuten - Zuschauer:2.048.