Selbstbewusste Wetzlarer empfangen Topteam der Rhein-Neckar Löwen!

Kristjansson und Björnsen wollen auch am Donnerstag wieder jubeln (Bild: Oliver Vogler)

LIQUI MOLY Handball-Bundesliga

Mittelhessischer Handball-Erstligist fühlt sich trotz 4:0-Punkten im neuen Jahr wohl in der Außenseiterrolle – Noch etwa 200 Stehplatzkarten für Spitzenspiel erhältlich

Mit 4:0-Punkten sind die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar mustergültig in das neue Kalenderjahr 2020 gestartet. Nach dem Heimsieg über den Bergischen HC wurde auch der Auswärtstest beim Liga-Schlusslicht HSG Nordhorn-Lingen am Sonntag erfolgreich gemeistert. „Das war sehr seriös, die Jungs waren absolut da und fokussiert", blickt HSG-Trainer Kai Wandschneider gerne zurück. Mit 24:20 Zählern steht sein Team aktuell auf Tabellenplatz 8 und hat sich mittlerweile neue Ziele gesetzt. „Jetzt wollen wir am Ende der Saison einen einstelligen Tabellenplatz“, verrät der Coach selbstbewusst. „Man muss sich immer die höchstmöglichen Ziele setzen und das haben wir getan.“ 

Vier Tage nach dem Favoritensieg in Nordhorn schlüpfen die Grün-Weißen wieder in die Rolle, die ihnen seit vielen Jahren und speziell in dieser Saison am besten liegt. Denn mit den Rhein-Neckar Löwen kreuzt am Donnerstagabend um 19 Uhr ein absolutes Spitzenteam des Oberhauses in der Rittal-Arena auf. „Eine schöne Herausforderung, ich freue mich auf das Spiel", so Wandschneider, der weiß, „dass die Löwen im letzten Punktspiel gegen Melsungen gleich zweimal den Start in die jeweilige Halbzeit verschlafen und unter anderem deshalb verloren haben.“ Das liegt daran, so der 60-jährige, dass die Mannheimer im Sommer einen für ihre Verhältnisse größeren, personellen Umbruch zu bewältigen hatten und „wie die anderen eben auch nicht zaubern können. So etwas braucht Zeit. Deshalb bekommen die Löwen auch nicht immer die Konstanz über 60 Minuten auf die Platte.“

Wandschneider hat den kommenden Gegner noch in der Nacht nach der Rückkehr aus Nordhorn auf DVD begutachtet. „Ich hätte trotz des Sturms zwar schlafen können, habe aber lange Video geschaut", sagt der Diplom-Sportlehrer nach der etwas turbulenten Rückreise im Orkantief „Sabine". Geht es nach ihm soll es auch am Donnerstag in der wohl ausverkauften Rittal-Arena stürmisch zugehen.

Besonders deshalb, weil mit Kreisläufer Jannik Kohlbacher und dem derzeit verletzten Steffen Fäth (Muskelfaserriss) zwei „verlorene Söhne" der Wetzlarer zum Team der Gäste aus dem Badischen zählen. „Zwei tolle Jungs, die immer gerne nach Wetzlar zurückkehren“, weiß HSG-Geschäftsführer Björn Seipp, der sich auf das Wiedersehen freut. „Die Löwen wissen, dass die Trauben in unserer stimmungsgewaltigen Rittal Arena hoch hängen können. Auch deshalb werden sie nicht ohne Druck nach Mittelhessen reisen.“

Aber eben auch, weil sich die Mannschaft um „Leader" Andy Schmid keinen weiteren Ausrutscher in der Bundesliga mehr leisten darf, will sie nochmal ganz oben angreifen. Nach dem 30:33 gegen Melsungen durfte sich das Team von Coach Kristjan Andresson am Wochenende im EHF-Cup zumindest über einen knappen 31:30-Erfolg gegen den französischen Vertreter aus Nimes freuen. Weil Jannik Kohlbacher zwei Sekunden vor Schluss den Ball zum entscheidenden Treffer in die Maschen setzte.

„Er war schon bei uns nicht ersetzbar. Und auch bei den Löwen ist Jannik einer der absoluten verlässlichsten Leistungsträger", freut sich Kai Wandschneider trotz der Klasse seines früheren Schützlings auf Donnerstag. Die Achse Schmid/ Kohlbacher zu stoppen, wird für die Grün-Weißen eine der Hauptaufgaben sein, um gegen die Löwen überhaupt eine Chance zu haben. „Da müssen wir bei den Anspielen gut antizipieren", weiß der Wetzlarer Trainer.

Das Team um die in Nordhorn herausragenden Olle Forsell Schefvert und Kristian Björnsen will sicher wieder über sich hinauswachsen, um einen Großen der Branche zu ärgern. „Dabei habe ich auch unsere offensive 3:3-Deckungsvarianten aus dem Hinspiel im Hinterkopf. Mit denen haben wir die zweite Halbzeit in der SAP-Arena gewonnen", hat sich Wandschneider, der weiterhin auf Stefan Kneer (Reha nach Rückenproblemen) verzichten muss, knapp vier Monate nach der 26:29-Niederlage wieder eine Menge an Taktik überlegt.

„Es herrscht eine tolle Stimmung im Team. Wir sind Selbstbewusst und haben die nötige Lockerheit, ohne lässig zu werden. Das imponiert mir", sagt der Wetzlarer Übungsleiter vor dem Duell mit den Rhein-Neckar Löwen. In der seine Mannschaft gerne wieder in die angestammte Rolle des Außenseiters schlüpft.