Showdown vom Siebenmeter-Punkt gegen HC Erlangen endet mit Niederlage!

Die Aktion kurz vor Schluss, die zum Siebenmeter für die HSG Wetzlar sorgte. Erlangens Keeper Gorazd Skof foult Kristian Björnsen im Gegenstoß. Bild: Thomas Jäger

DKB Handball-Bundesliga

Maximilian Holst scheitert mit letzter Aktion an HC-Keeper Nikolas Katsigiannis - HSG Wetzlar unterliegt vor ausverkauftem Haus mit 27:28 (10:10)

Es war der letzte Akt in einem kampfbetonten Spiel am späten Sonntagnachmittag. Eins gegen Eins. Maximilian Holst gegen Nikolas Katsigiannis. Für die HSG Wetzlar hieß es beim Stand von 27:28: ein Punkt oder kein Punkt. Es wurde kein Punkt. Denn Holst scheiterte gegen den Schlussmann des HC Erlangen von der Siebenmeterlinie. „Ich hatte zwei, drei Optionen im Kopf, habe überlegt, was könnte der Torwart machen, welchen Wurf sollte ich lieber nicht nehmen und habe dann leider die falsche Entscheidung getroffen“, so der Linksaußen Holst heute gegenüber der Wetzlarer Neuen Zeitung.

4.421 Zuschauer in der ausverkauften Rittal-Arena sahen nach einer von den Deckungsreihen geprägten ersten Halbzeit eine sich in der Dramatik im zweiten Abschnitt immer weiter steigernde Partie. In einem packenden Schlagabtausch bekamen die Gastgeber nach einer erfolgreichen Wurffalle Sekunden vor dem Ende die Chance auf den Ausgleich. Doch Gorazd Skof vereitelte den Konter - berührte dabei allerdings Björnsen außerhalb seines Torraumes. Die Folge waren Rot für den Torhüter und ein Siebenmeter, für den Nikolas Katsigiannis kam - der den Versuch von Maximilian Holst entschärfte und somit mit seiner ersten Parade zum Matchwinner wurde. Erlangen festigt damit seinen Mittelfeldplatz, Wetzlar verbleibt auf dem vierzehnten Rang.

Die Anfangsphase gab gleich eine Einstimmung auf den Spielverlauf, es ging hin und her: Olle Forsell Schefvert erzielte den ersten Treffer für die Hausherren, doch Florian von Gruchalla und Andreas Schröder holten die Führung umgehend auf die Seite des HC Erlangen. Auf beiden Seiten standen die Deckungsreihen kompakt, die eng markierten Angreifer hatten ihre Probleme. Nach dem Ausgleich von Olle Forsell Schefvert konnte Kristian Björnsen die Gastgeber dabei in der siebten Minute von außen wieder in Vorlage bringen, doch der Ausgleich des HCE durch Petter Överby folgte umgehend.

Das 3:3 hatte einige Angriffe Bestand, bevor nach einem Foul an Olle Forsell Schefvert dann Maximilian Holst gegen Nikolas Katsigiannis zum 4:3 einnetzte. Hinter den aufmerksamen und jeweils in einer 6:0-Formation agierenden Deckungsreihen spielten die Torhüter dabei zunächst noch keine große Rolle - obschon die Trefferzahl gering war, auch weil mehrfach auf beiden Seiten Pfosten und Latte getroffen wurden. Nach einer Parade von Till Klimpke konnte Kristian Björnsen dann allerdings beim 7:5 für die erste Zwei-Tore-Führung des Spiels sorgen. 
 
Auf der Gegenseite zeichnete sich dann allerdings auch Gorazd Skof direkt nach seiner Einwechslung aus und so hielt der HC Erlangen den Anschluss. Nach dem 9:7 aber riss der Faden in der Offensive der Gastgeber dann vollends: Erst ging eine Überzahl verloren, dann kassierte Wetzlar in Unterzahl durch Michael Haaß den Ausgleich zum 9:9. Mit Olle Forsell Schefvert saß ein Akteur, der mehrfach die Führungstreffer erzielt hatte, auf der Sünderbank - und er sah von dort, wie Nico Büdel die Gäste wieder in Vorlage warf.

Skof war in dieser Phase ein Faktor, der HC Erlangen verpasste es aber in der Offensive auch Kapital aus den Paraden ihres Schlussmanns zu ziehen. Stattdessen sollte das 10:10 von Maximilian Holst, der einzige Wetzlarer Treffer in den letzten neun Minuten des ersten Abschnitts für den Pausenstand sorgte. Wenige Sekunden vor dem Ende der ersten Halbzeit hatte die HSG nach einer Glanztat von Klimpke sogar noch die Chance durch Joao Ferraz mit einem Tor Vorsprung in die Halbzeit zu gehen, doch der Versuch wurde geblockt.

Nach der Gästeführung durch Christoph Steinert konnten Maximilian Holst und Kristian Björnsen dann aber direkt nach Wiederbeginn mit einem Doppelschlag die Führung wieder auf die Seite der Gastgeber ziehen, die allerdings in der Deckung durch die frühe zweite Zeitstrafe gegen in der Folge nur noch in der Offensive eingesetzten Olle Forsell Schefvert zum Umbau gezwungen waren, Kai Wandschneider beorderte Stefan Kneer neben Anton Lindskog in den Innenblock.

Allerdings hatte Erlangen, wie auch Minden, in der Pause anscheinend Lösungen gegen die 6:0-Defensive des Gegners gefunden - der zweite Abschnitt sollte wesentlich torreicher werden. Zunächst fielen die Treffer zu Gunsten des HC Erlangen, der auch dank der Paraden von Gorazd Skof mit einer Dreier-Serie aus dem 11:12 ein 14:12 machte. Ole Forsell Schefvert und Maximilian Holst sorgten allerdings für den Ausgleich und Kristian Björnsen brachte in der nun temporeichen Partie wieder die Hausherren in Vorlage, die nun ihrerseits drei Treffer in Folge markiert hatten. Eine Weichenstellung war dies aber nicht, Nico Büdel glich zum 15:15 und 16:16 aus und Andreas Schröder warf dann mit dem 17:16 wieder den HCE in Front

Kai Wandschneider versuchte es mit einem Wechsel zwischen den Pfosten, doch auch Tibor Ivanisevic konnte nicht verhindern, dass nun der HC Erlangen das Kommando übernahm. Nach dem Ausgleich durch Stefan Cavor setzten Michael Haaß, Nico Büdel und Martin Murawski eine weitere Dreier-Serie und mit dem 21:17 sorgte dann Nico Büdel für die erste Vier-Tore-Führung des Spiels. Es war bereits der achte Treffer des Erlangeners, der Lauf des HCE aber ging weiter: Jonas Thümmler erhöhte zwölf Minuten vor dem Ende auf 22:17. 

Binnen vier Minuten schien die HSG Wetzlar das Heft aus der Hand gegeben zu haben, doch ein Kempa-Treffer, den Kristian Björsen für Olle Forsell Schefvert auflegte, sorgte für ein Zeichen. Die personell geschwächte HSG stemmte sich gegen die Niederlage, kam nach einem Doppelschlag von Kristian Björnsen beim 21:23 acht Minuten vor dem Ende wieder auf zwei Tore heran. Doch Erlangen schien die passenden Antworten zu haben, auch auf die Anschlusstreffer von Max Holst sowie Olle Forsell Schefvert und Filip Mirkulovski.
 
Die vier Treffer wurden jeweils umgehend auf der Gegenseite beantwortet und so ging es mit einem 28:26 in die letzten vierzig Sekunden. Anton Lindskog sorgte keine dreißig Sekunden vor dem Ende für den erneuten Anschluss, doch Erlangen hatte neben dem Ballbesitz auch die Uhr auf seiner Seite. Wetzlar entschied sich für eine Wurffalle und die Gäste tappten in diese, Till Klimpke parierte und schickte Kristian Björnsen in den Gegenstoß. Die Spannung kulminierte, Skof sprang gemeinsam mit dem Wetzlarer Angreifer in Richtung des Balles. Björnsen versuchte den Ball im Fallen noch in Richtung Tor zu werfen, doch die Sirene erklang. Allerdings war dies nicht das Ende, Skof hatte Björnsen in dessen Gegenstoß außerhalb des Torkreises berührt - die Schiedsrichter entschieden auf Rot und Siebenmeter: Holst konnte die Chance auf den Punkt aber nicht nutzen, der ins Tor zurückgekehrte Katsigiannis, der in der Anfangsphase glücklos war, war im entscheidenden Moment zur Stelle und wurde zum Matchwinner in dem er das 28:27 sicherte. 

Quelle: www.handball-world.news