Sieg und Niederlage bei „grün-weißer Saisoneröffnung“!

Fleißig Autogramme mussten die Wetzlarer Jungs am Samstagabend für die Fans in Dutenhofen schreiben. (Bild: Oliver Vogler).

DKB Handball-Bundesliga

Bundesliga-Mannschaft und U23 der HSG Wetzlar präsentieren sich Fans in Sporthalle Dutenhofen

Die Sonne strahlte vom Himmel und die Verantwortlichen der HSG Wetzlar hatten die altehrwürdige Sporthalle Dutenhofen für die Fans hergerichtet, um gemeinsam mit den Spielern und Trainern der Bundesliga-Mannschaft und der U23 sowie den Handballinteressierten die neue Saison 2018/2019 einzuleiten. Kühle Getränke, Bratwürstchen, Autogrammstunde und Musik, dazu zwei Testspiele zur Verbreitung auf die anstehende Bundesliga- bzw. Drittliga-Spielzeit

Den Anfang machte das Nachwuchsteam der HSG Wetzlar U23, das vergangene Saison als souveräner Oberliga-Meister in die 3. Liga Ost aufgestiegen war. Das Team von Trainer Thomas Weber empfing die 2. Mannschaft des TuS Ferndorf, ebenfalls gespickt mit zahlreichen hoffnungsvollen Nachwuchstalenten. Von Beginn an entwickelte sich unter den Augen der Bundesliga-Mannschaft der HSG Wetzlar ein munteres Testspiel, in dem die Gastgeber gegen den Oberligisten von Anfang an ihrer Favoritenrolle gerecht wurden. Gestützt auf den starken Nils Kaiser im Tor (Neuzugang von der MSG Linden) konnten die Grün-Weißen ihr kontrolliertes Tempospiel aufziehen und lagen schnell mit 9:2 (14.) in Führung. 

Ohne den am Rücken verletzten Neuzugang Nedim Hadzic (TSG Söflingen) sowie den bei der Jugend-Europameisterschaft weilenden Ian Weber fehlten den Hausherren zwar wichtige Rückraum-Alternativen, doch das war dem Spiel der U23 nur wenig anzumerken. Rückkehrer Torben Waldgenbach, der in der abgelaufenen Saison Drittliga-Erfahrung beim TV Hochdorf sammelte, erzielte einfache Rückraumtreffer. Dazu führte Spielmacher Lukas Gümbel glänzend Regie. 

Zur Pause stand es bereits 15:8. In dieser kamen die Zuschauer weiterhin auf ihre Kosten, fand auf dem Vorplatz der Sporthalle Dutenhofen doch eine Autogrammstunde der Bundesliga-Spieler der Grün-Weißen statt. Die zahlreich erschienenen kleinen und großen Fans der Grün-Weißen nutzen die Gelegenheit, um sich die heißbegehrten Unterschriften zu holen, Fotos zu schießen oder ein paar Kennenlerngespräche mit den HSG-Neuzugängen zu führen.

Unterdessen startete in der Halle die zweite Halbzeit, ohne großartige Veränderungen im Spielverlauf. Das junge Gästeteam aus Ferndorf kämpfte tapfer, scheiterte mit seinen Angriffsversuchen aber allzu oft an der aggressiven Wetzlarer Deckung oder Torhüter Nils Kaiser. Dies nutzten die Gastgeber zu einfachen Treffern über den Tempogegenstoß, allen voran Rechtsaußen Tim Rüdiger, der insgesamt fünf Mal traf. Trainer Thomas Weber probierte nun viel, unter anderem den siebten Feldspieler.

Am Ende stand ein souveräner 33:20-Erfolg der U23, die in der kommenden Woche (14.-18. August) nunmehr am „Agor-Cup“ des TV Petterweil teilnehmen wird, bei dem unter anderem auch die Drittligisten aus Bruchköbel und Gelnhausen um den Turniersieg mitspielen.

Stenogramm: 

HSG Wetzlar U23: Kaiser (1.-60.), Florian Gümbel (n.e.); Wallwaey (2), Kraft (4), Waldgenbach (5), Weinandt (1), Lukas Gümbel (6), Schwalbe (1), Ludwig (8/3), Rüdiger (5), Okpara, Lindenstruth (2).

TuS Ferndorf II: Broszinski (1.-30), Thies (31.-60.); Michel (5/2), Schneider (2), Ronge (1), Sorg (4), Dischereit, Klein (1), Siegle, (1), Neuert (3), von Mende (3).

Während sich die Zuschauer nach der ersten Partie etwas stärkten, bereiteten sich in der Halle die Bundesliga-Mannschaft der HSG Wetzlar und ihr Gast, der amtierende Schweizer Meister Wacker Thun auf ihr Testspiel vor. Zuvor hatte es ein großes „Hallo“ gegeben, den Wetzlars Neuzugang Lenny Rubin, der diesen Sommer aus Thun an die Lahn gewechselt ist, freute sich natürlich seinen Vater Martin (Trainer der Gäste) und zahlreiche alte Weggefährten in seiner neuen sportlichen Heimat begrüßen zu können.

Von freundschaftlicher Rücksicht war nach dem Anpfiff jedoch nur noch wenig zu spüren. Zwar war die Partie stets fair, doch ging es vom Anpfiff temporeich und aggressiv zu Werke. Der Gast aus dem Berner Oberland, der am Vormittag knapp sechs Stunden mit dem Bus anreist war, zeigte sich hellwach und ging durch Neuzugang Ron Delhees mit 1:0 in Führung, die Lenny Rubin aber postwendend für die Mittelhessen ausglich.

Erst nach neun Minuten ging Wetzlar, das weiterhin auf den Portugiesen Joao Ferraz (Fußverletzung) verzichten musste, mit 4:3 in Führung. Maximilian Holst hatte von der Siebenmeter-Linie getroffen. Diese Führung schien den Gastgebern Selbstvertrauen zu geben. Gestützt auf einen starken Tibor Ivanisevic im Tor, der in der ersten Halbzeit starke neun Paraden verzeichnen konnte, erspielten sich die Grün-Weißen über die zweite Welle zahlreiche freie Wurfchancen vom Kreis, die durch Anton Lindskog aber zu selten genutzt werden konnten. Trotzdem zog das Team von Trainer Kai Wandschneider nach einem weiteren Treffer von Rückraumspieler Lenny Rubin auf 11:8 davon.

Doch die Gäste ließen nicht locker. Angeführt vom überragenden Rückraumspieler Nicolas Raemy, der entweder glänzend Regie führte oder selbst traf, kam Thun wieder heran und erzielte kurz vor der Pause per „Kempa-Trick“ durch Ron Delhees den 12:13-Halbzeitstand.

Auch nach dem Wechsel blieb es zunächst ein ausgeglichenen Spiel. Wetzlar ging bis zur 44. Minuten jeweils mit einem Tor in Führung, doch der Gast aus der Schweiz glich postwendend aus. So stand es eine Viertelstunde vor dem Ende 19:19-Unentschieden.

„Wir haben nach dem Wechsel große Probleme im Rückzugsverhalten und allen voran im Mittelblock gehabt, der mit Anton Lindskog, Olle Forsell Schefvert und Stefan Kneer eigentlich der Gleiche wie in der vergangenen Saison ist. Trotzdem knirscht es in Kommunikation und Abstimmung gewaltig“, analysierte ein sichtlich unzufriedener HSG-Trainer Kai Wandschneider nach dem Abpfiff. „Dazu sind wir mehr oder weniger über die gesamte Spielzeit fahrlässig mit unseren freien Wurfchancen umgegangen. Unser Spiel hatte heute nur wenig Licht, aber viel Schatten. Einige Spieler waren weit weg von ihrer Normalform, was mich sehr ärgert, denn das Spiel gegen Thun war unser letzter Test vor dem Saisonbeginn. Es gibt einiges an Redebedarf in den kommenden Tagen! Ein Kompliment möchte ich Martin Rubin und seiner Mannschaft aussprechen, die hier ein engagiertes, schnelles und konzentriertes Spiel gezeigt und verdient gewonnen haben.“

Dass der Schweizer Meister am Ende mit 28:26 die Nase vorne hatte, war für die anwesenden grün-weißen Fans natürlich eine Enttäuschung, hatten sie doch auf einen Sieg ihrer Mannschaft gehofft. In der 48. Spielminute hatten die Eidgenossen durch einen Treffer von Thomas Lanz das erste Mal seit der 3:2-Führung wieder vorne gelegen (20:19). Danach schien Torhüter Marc Winkler sein Gehäuse vernageln zu wollen und parierte kurz später gleich vier Wetzlarer Würfe in Reihe. Resultat war die 25:22-Führung der Rubin-Schützlinge, die den Sieg am Ende sicher nach Hause brachten.

„Es ist natürlich toll für uns, wenn wir bei einem Bundesligisten gewinnen können“, so Martin Rubin sichtlich zufrieden nach dem Spiel. „Was meine Mannschaft heute geboten hat, dass hat mich wirklich überzeugt. Wir hatten eine starke Torhüterleistung, gute Beine in der Abwehr und unser Tempospiel war größtenteils fehlerfrei.“

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Ivanisevic (1.-30.; 48.-60.), Klimpke (31.-47.); Hermann (1), Kneer, Björnsen (1), Mirkulovski (3), Schreiber (1), Torbrügge, Weissgerber (3), Frend Öfors (2), Holst (7/6), Forsell Schefvert (1), Rubin (4), Lindskog (2), Cavor (2).  

Wacker Thun: Winkler (1.-60.), Wick; Holm (3), Felder, Raemy (9), Dähler (1), Suter (2), Giovanelli, Lanz (3), Friedli, Simon Huwyler (1), Gosteli (3), Gruber, Stefan Huwyler, Kreiner (1), Wyffenbach (2/1), Delhees (3).

Schiedsrichter: Christian Hannes/David Hannes - Zeitstrafen: 4 / 8 Minuten - Siebenmeter: 8/7 - 2/1.