Starker Auftritt in Lemgo bleibt unbelohnt!

Bild: Paul Cohen

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar verliert nach Treffer in der Schlusssekunde mit 24:25 - Kai Wandschneider: „So zu verlieren, ist mehr als bitter!“

Sport kann manchmal grausam sein. Das mussten die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar am Donnerstagabend in Lemgo am eigenen Leib erfahren. Nach starken 60 Minuten, in denen die Grün-Weißen fast über die gesamte Spielzeit geführt hatten, verlor das Team von Trainer Kai Wandschneider beim TBV Lemgo Lippe aufgrund eines Treffers der Gastgeber in der Schlusssekunde mit 24:25 (14:12). Drei Sekunden vor Schluss hatte Lemgo einen Freiwurf zugesprochen bekommen, den der bärenstarke Routinier Fabian van Olphen an der Wetzlarer Abwehrmauer vorbei zum vielumjubelten Siegtreffer einnetzte.

„Das haben die Jungs nicht verdient“, sagte ein niedergeschlagener HSG-Geschäftsführer Björn Seipp in der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Wir hätten nach solch einem starken Auftritt mindestens einen Punkt verdient gehabt.“ Diesbezüglich gaben dem 44-jährigen auch die Lemgoer Verantwortlichen um Trainer Florian Kehrmann recht. „Der Sieg war mehr als glücklich“, so der TBV-Coach.

Vom Anpfiff weg entwickelte sich in der mit 3.466 Zuschauern besetzten Lipperlandhalle ein umkämpftes Spiel, in dem die Gäste, vor allem über den starken Stefan Cavor, dem die ersten drei Wetzlarer Treffer gelangen, immer wieder in Führung gingen. „Wir haben im Angriff richtig gut ins Spiel gefunden. Allerdings hat uns das Lemgoer Tempospiel am Anfang große Probleme bereitet. Der TBV hat unsere Führungstreffer immer schnell über die Erste- oder Zweite Welle egalieren können“, so Wetzlars Trainer Kai Wandschneider nach dem Spiel. „Erst als wir das offensiver verteidigt haben, hat sich Lemgo schwerer getan.“ Wandschneider hatte Mitte der ersten Halbzeit für Anton Lindskog und Olle Forsell Schefvert die erfahreneren Stefan Kneer und Nils Torbrügge gebracht. „Beide haben das dann richtig gut gemacht“, war der 58-jährige, der kurzfristig auf Rechtsaußen Kristian Björnsen wegen einer Oberschenkelzerrung verzichten musste, zufrieden.

Im Angriff der Gäste führte Spielmacher Filip Mirkulovski glänzend Regie, brachte die Halbpositionen entweder zu freien Wurfchancen oder traf selbst. So konnten sich die Mittelhessen die stetige Führung erkämpfen. In der 22. Spielminute traf dann auch Nils Torbrügge frei vom Kreis zum 12:11 für Wetzlar. Erneut Stefan Cavor und Alexander Hermann waren es, die den 14:12-Halbzeitstand für die Grünb-Weißen erzielten. Einen großen Anteil an der Halbzeitführung hatte auch Youngster Till Klimpke, der nach einer Viertelstunde für den glücklosen Tibor Ivanisevic eingewechselt worden war und neben einem Siebenmeter auch einige freie Würfe der Lemgoer Angreifer hielt.

Auch nach der Pause blieb es durchweg bei der Wetzlarer Führung. Aggressiv in der Abwehr und mit konzentrierten Angriffen setzten die Mittelhessen immer wieder Nadelstiche. Dazu parierte Till Klimpke in wichtigen Situationen. Bereits in der 34. Spielminute leuchtete erstmals eine Drei-Tore-Führung der Gäste von der Anzeigetafel. Emil Frend Öfors hatte per Tempogegenstoß getroffen. 

Doch die Ostwestfalen ließen nicht locker und nutzten danach einige Fehler der Rubin & Co., um angeführt von einem überragenden Fabian van Olphen bis zur 45. Minuten auszugleichen. Nationalspieler Tim Hornke hatte vom Siebenmeterpunkt getroffen.

Wer nun erwartete, dass das junge Wetzlarer Team einbrechen würde, der sah sich getäuscht. Auch eine Zeitstrafe für Joao Ferraz steckten die Grün-Weißen weg. Kamen in Unterzahl sogar wieder zu einer 22:20-Führung, nachdem erneut Emil Frend Öfors per schnellem Konter getroffen hatte.

Beim krachenden Treffer von Stefan Cavor zum 24:22 waren noch knapp fünf Minuten zu spielen und unter den TBV-Fans sah man mittlerweile viele besorgte Gesichter. Doch diese Sorge nahm ihnen das Gastgeberteam, dass bis zum Ende kein Gegentor mehr kassieren sollte und noch drei Treffer zum letztlich glücklichen Heimsieg nachlegte.

„Wir haben ein wirklich tolles Spiel gemacht, aber in der Crushtime hat uns der Mut verlassen. Wenn uns in dieser Phase noch ein Treffer gelungen wäre, dann wären wir wahrscheinlich sogar als Sieger vom Feld gegangen. Wir haben da im Angriff zu viel quer gespielt. Leider wollte keiner mehr so richtig die Verantwortung im Abschluss übernehmen. Das ist ein Lerneffekt für unsere junge Mannschaft. Kein Vorwurf“, bilanzierte Kai Wandschneider, der sich gerade in der Schlussviertelstunde mit einigen Entscheidungen der Schiedsrichter nicht einverstanden zeigte.

„Tja, am Ende müssen wir Lemgo im 21. Spiel zum 19. Mal zum Heimsieg gratulieren. Seitdem ich hier in den Pressekonferenzen sitze, ist mir das noch nie so schwer gefallen, was nicht despektierlich klingeln soll“, so Björn Seipp und Kai Wandschneider fügte an. „So zu verlieren, ist mehr als bitter. Aber morgen werden wir wieder aufstehen, mit dem Wissen, dass wir hier ein richtig starkes Spiel abgeliefert haben. Daran gilt es am Dienstag gegen Magdeburg anzuknüpfen.“

Stenogramm:

TBV Lemgo Lippe: Johannesson (1.-16.), Wyszomirski; Kogut (1), Guardiola (1), Ebner (2), van Olphen (9), Theuerkauf (2), Hornke (5/3), Hübscher, Carlsbogard, Suton (2), Bartok (1), Jebram, Klimek, Kieker (2).

HSG Wetzlar: Ivanisevic (1.-20.); Klimpke; Hermann (1), Kneer, Ferraz, Mirkulovski (3), Schreiber, Torbrügge (3), Weissgerber, Frend Öfors (3), Holst (1/1), Forsell Schefvert (1), Rubin (4), Lindskog, Cavor (8).

Schiedsrichter: Christian vom Dorff/Fabian vom Dorff - Siebenmeter: 6/4 - 1/1 - Zeitstrafen: 2 Minuten/4 Minuten - Zuschauer: 3.466.