Trainingslager - Tag 3 und 4: Von Pendelläufen bis Teambuilding

Bild/Text: Oliver Vogler (Sportfoto Vogler) / Leica Akademie

DKB Handball-Bundesliga

Björn Seipp: "Alle sind top motiviert und zu hundert Prozent bei der Sache, alle ziehen mächtig am Kordel" - Stimmung trotz hoher Belastung sehr gut!

Die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar sind derzeit in den Tiroler Bergen im Trainingslager. Grundlagen legen für die 21. Erstliga-Saison in Folge. Mittlerweile sind vier Tage gespickt mit Athletiktraining, Taktik-Schulung in der Halle und der ersten Teambuilding-Maßnahme in Kappl überstanden.

Am Donnerstagmorgen stand nach dem leckeren Frühstück eine ganz besondere Aufgabe an. Aufgeteilt in zwei Gruppen zog eine Hälfte mit Athletiktrainer Jonas Rath direkt nach dem Aufwärmprogramm auf den Sportplatz von Kappl. Hier warteten Pendelläufe, Steigerungsläufe und Krafteinheiten innerhalb kürzester Zeit auf die Athleten. Nach der ersten Sprinteinheit gleich eine Krafteinheit, danach 30 Sekunden Pause und wieder von vorne los das Ganze, aber eine Strichstärke härter bei drei Wiederholungen. In acht dieser Einheiten bekämpften die Spieler ihren inneren Schweinehund, an Lachen oder gar einen Scherz konnte bereits keiner mehr denken. An die Leistungsgrenze und darüber hinaus – schuften für den Erfolg. Und das bei bereits knapp 30 Grad am frühen Vormittag, in der prallen Sonne des Sportplatzes sicherlich noch 10-15 Grad mehr.

Die zweite Gruppe hingegen studierte in der Turnhalle derweil bekannte und neue Spielzüge ein – noch nicht wissend, was da gleich auf sie warten sollte, denn die Gruppen wurden danach getauscht. Auf dem Nachhauseweg nutzen mehr als die Hälfte der Spieler die Gelegenheit, ihre Regenerationsphase in der „Eistonne“ lieber gleich am angrenzenden Gebirgsbach anzuwenden, waren die Temperaturen des sprudelnden Nasses doch nahezu die selben mit knapp 4° C – auch das dient der Regeneration und lustiger ist es sowieso.

Am Ende der Vormittagseinheit waren nahezu alle Akteure mit ihren Kräften am Ende, aber jetzt sollten erst einmal vier Stunden Mittagspause zur Regeneration dienen. Zeit für Körperpflege und physiotherapeutische Unterstützung durch die beiden Physios Malte Kraft und Maximilian Schuller vom Partner Mainkörper 360° aus Gründau-Lieblos, die bereits seit Tagen einen sensationellen Job hier in Österreich machen. Kneten, Tapen, Massieren, Kompressionsanwendungen und immer ein offenes Ohr für die Belange ihrer Kunden. Die Spieler der HSG danken es den beiden herzlichst.

Nach der Mittagspause die nächste zweistündige Trainingseinheit in der Turnhalle – „heute Mittag werden wir nur handballspezifische Grundlagen trainieren“, so die Begrüßungsworte von Trainer Kai Wandschneider an sein Team. Nach einer Einheit Fußball zur Spaßsteigerung, trainierte zunächst Co-Trainer Jasmin Camdzic mit den Torhütern Till Klimpke und dem Neuzugang Tibor Ivanisevic abwechselnd das Torwartspiel, während Trainer Kai Wandschneider an der Verfeinerung der neu einstudierten Spielzüge mit den Feldspielern feilte. Zum Abschluss noch ein kleines Spielchen mit Einarbeitung der neuen Angriffszüge, dann sollte der enorm schlauchende Tag auch schon sein Ende gefunden haben.

Jetzt gilt es für den Trainerstab die genaue Mischung für die kommenden Trainingstage zu finden, „wir müssen aufpassen nicht zu „überpacen“, schnell schleicht sich bei so einem harten Programm der Lagerkoller ein und die Spieler können nicht mehr regenerieren. Nach ersten Wehwehchen die jeder bereits in sich trägt, steigt die Möglichkeit sich jetzt schnell und schwer zu verletzen. Diesen schmalen Grat müssen wir vom Trainerteam jetzt exakt treffen“, so Trainer Kai Wandschneider. „Jedenfalls gehe ich davon aus dass, sie heute Abend sehr müde sind und froh sein werden, dass diese harten Einheiten heute vorüber sind“, so der Trainingsleiter – wie recht er haben sollte, denn während ich hier vor meinen Zeilen sitze und schreibe ist aus den anderen Zimmern der Spieler schon längst keinen Piep mehr zu hören.

„Es ist unglaublich, welch hohes Tempo unsere Jungs hier gehen, alle sind top motiviert und zu hundert Prozent bei der Sache, alle ziehen mächtig am Kordel“, so HSG-Geschäftsführer Björn Seipp.

Dies setzte sich auch am vierten Trainingstag fort. Am Freitagvormittag wurde erneut in Gruppen trainiert. Die beiden Torhüter bekamen bereits um 9 Uhr Extratraining mit Trainer Jasmin Camdzic. Um 10 Uhr gingen dann die Feldspieler entweder mit Jonas Rath zunächst ins Fitnessstudio oder mit Coach Kai Wandschneider in die Halle. Dort hieß es „Zusammenspiel“ zwischen Rückraum Mitte und Kreis und im Nachgang zwischen Rückraum links und rechts und außen.

Nach zwei Stunden Training ging es um 12 Uhr zurück ins Hotel und nach dem einmal mehr leckeren Mittagessen im Auhof stand eine Teambuilding-Maßnahme in knapp 1.900 Metern Höhe an. Mit Gondeln ging es gemeinschaftlich auf den Berg. Die restliche Wegstrecke legten die Spieler, die mit Rucksäcken bepackt waren, dann zu Fuß in den Wald zurück. Erneut aufgeteilt ins zwei Gruppen, die zufällig gemischt wurden, hieß es verschiedene Aufgaben als Team zu bewältigen. Rund zwei Stunden später kehrten die Spieler, zum Teil mit einem breiten Grinsen im Gesicht, zurück zu Treffpunkt.

Nur wenige später zog ein heftiges Gewitter über Kappl auf, so dass das Wetzlarer Team für etwa eine Stunde in der Bergstation der Gondel gefangen war. Als sich Blitz und Donner verzogen hatten, ging es dann zurück ins Tal, zum heiß ersehnten Abendessen.

Der Abend stand den Spielern dann, vorbehaltlich der Physiotherapietermine, zur freien Verfügung, was die junge Gilde dazu nutzte, um eine Taktikbesprechung für den nächsten Tag abzuhalten, schließlich hatte es in den vergangenen Tagen beim obligatorischen Fußballspiel zum Aufwärmen heftige Klatschen gegeben. „Das wird sich ändern“, gab sich Kreisläufer Anton Lindskog kämpferisch.