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Großer Kampf wird mit einem Punkt belohnt

HSG Wetzlar trotzt zahlreichen Rückschlägen, holt gegen die Rhein-Neckar Löwen sechs Tore auf und verpasst beim 30:30 nur knapp den ersten Saisonsieg.

Foto: Jenny Roeczey

Was war das für ein Handballabend in der Buderus Arena! Die HSG Wetzlar hat am Freitagabend zahlreichen Widrigkeiten getrotzt und sich beim 30:30 (13:16) gegen die Rhein-Neckar Löwen den zweiten Punkt der Saison in der OPEL Handball-Bundesliga erkämpft. Zwischenzeitlich lagen die Grün-Weißen mit sechs Treffern zurück, drehten die Partie nach der Pause und führten in der Schlussphase sogar mit drei Toren. So überwog nach dem Abpfiff trotz der starken Aufholjagd zunächst die Enttäuschung darüber, dass es nicht zum ersten Saisonsieg gereicht hatte.

Der Spielverlauf

Schon vor dem Anpfiff häuften sich die personellen Probleme. Dass Jona Schoch aufgrund einer Gehirnerschütterung erneut ausfallen würde, stand bereits länger fest. Paul Kompenhans, der sich trotz einer Muskelverletzung im Oberschenkel unbedingt in den Dienst der Mannschaft stellen wollte, musste aus Vernunftgründen ebenfalls passen. Im Abschlusstraining knickte dann auch noch Doruk Pehlivan um. Der türkische Nationalspieler versuchte zwar, sich vor der Partie warmzumachen, musste den Versuch jedoch früh abbrechen und verbrachte die gesamte Begegnung auf der Bank.

Derart geschwächt erwischte die HSG keinen guten Start. Nach 19 Minuten lagen die Gastgeber mit 6:12 zurück. Die Probleme waren zunächst altbekannt: In der Defensive machten es die Grün-Weißen den Löwen zu einfach, zu Torerfolgen zu kommen. Im Angriff tat sich Wetzlar schwer, klare Chancen herauszuspielen. Und wenn sich Möglichkeiten boten, war allzu häufig Nationaltorwart David Späth zur Stelle.

Doch auch die HSG hatte einen exzellenten Schlussmann zwischen den Pfosten. Einen, der am Ende des Abends sogar eine Parade mehr in der Statistik stehen hatte als Späth. Bart Ravensbergen gab seinen Vorderleuten mit einer starken Leistung neuen Mut, als die Partie bereits zu entgleiten drohte.

Ein Ruck ging durch die Mannschaft. Nach dem 9:14 kämpfte sich Wetzlar mit einem 3:0-Lauf auf 12:14 heran, ehe der nächste Rückschlag folgte: Dominik Mappes, der zuvor immer besser ins Spiel gefunden hatte, sah nach einer Abwehraktion auf der Außenposition die Rote Karte (27.). Die Löwen nahmen schließlich einen Drei-Tore-Vorsprung mit in die Kabine.

Doch auch ohne Mappes warf die HSG nach dem Seitenwechsel alles in die Waagschale. Vor allem in der Deckung steigerten sich die Gastgeber deutlich, dahinter lief Ravensbergen endgültig zur Galaform auf. Beim 22:22 erzielte Tomas Piroch den Ausgleich (45.), nur einen Angriff später brachte der im zweiten Durchgang überragende Niklas Theiß die HSG erstmals an diesem Abend in Führung – 23:22 in der 46. Minute.

Die Buderus Arena war nun aus dem Häuschen. „Ich habe vor dem letzten Heimspiel gesagt, dass ich mir wünsche, dass die Mannschaft die Arena mal wieder anzündet. Heute ist das der Fall gewesen“, lobte Sport-Geschäftsführer Michael Allendorf den Kampfgeist der Mannschaft.

Und die Grün-Weißen ritten diese Welle weiter. Beim 26:23 und 27:24 lag die HSG jeweils mit drei Treffern vorne und hatte zweimal die Gelegenheit, den Vorsprung sogar auf vier Tore auszubauen. Doch beide Male stand der Pfosten im Weg.

So blieben die Löwen in Schlagdistanz und glichen drei Minuten vor dem Ende zum 28:28 aus. Nun wurde die Partie endgültig zum Krimi. Niklas Theiß legte zum 29:28 vor, postwendend antwortete Dani Baijens per schneller Mitte mit dem 29:29. 92 Sekunden vor Schluss brachte Ahmed Nafea die Mittelhessen von Linksaußen erneut in Führung. Doch auch Gino Steenaerts behielt auf der Gegenseite die Nerven und erzielte das 30:30.

Etwas weniger als eine Minute war noch zu spielen. Als die Gäste 17 Sekunden vor dem Ende eine Zwei-Minuten-Strafe kassierten, bekam Wetzlar in Überzahl sogar noch die Chance auf den Sieg. Doch die HSG kam nicht mehr in eine gute Wurfposition – und so blieb es beim 30:30.

Das sagt Trainer Rúnar Sigtryggsson

„Wir sind sehr schlecht ins Spiel gestartet, dann aber durch eine gute Abwehrleistung und vor allem dank eines hervorragenden Bart Ravensbergen im Tor zurückgekommen. Bart hatte einen Sahnetag. Das hat uns enorm gepusht. Vorne waren wir natürlich extrem gehandicapt. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt haben die Spieler, die da waren, Verantwortung übernommen und mit viel Willen Lösungen gefunden. Das war gut. Wenn man auf das ganze Spiel blickt, dann ist es nicht richtig, dass wir etwas enttäuscht über den Punkt sind. Aber wenn man in der Schlussphase mit drei Toren führt und einen Siebenmeter vergibt, dann ärgert man sich schon etwas.“

Der Ausblick

Am Donnerstag ist die HSG Wetzlar beim TVB Stuttgart gefordert. Anwurf der Partie ist um 19 Uhr.

Genau eine Woche später, am Donnerstag, 15. Oktober 2026, steht um 19 Uhr das nächste Heimspiel auf dem Programm. Dann gastiert der HC Erlangen in der Buderus Arena. Karten gibt es online unter tickets.hsg-wetzlar.de.

Das Stenogramm

Wetzlar: Ravensbergen (17 Paraden/1 Tor), Bartucz (n.e.), Pantel (n.e.) – Kirschner (3/2), Mappes  (3), Theiß (9), Simic (2), Øverby, Piroch (1), Mraz, Pehlivan (n.e.), Akakpo (4),  Soler, Læsø (3), Löwen, Nafea (4).
Rhein-Neckar Löwen: Jensen (bei einem Siebenmeter/1 Parade), Späth (16 Paraden/2 Tore) – Timmermeister, Nothdurft (2), Lassen (1), Mierzwa (n.e.), Steenaerts (3), Steinhauser, Seesing (3), Thrastarson (7), Mahé, Ciudad-Benitez, Jaganjac (n.e.), Baijens (6), Aspenbäck (6), Kohlbacher.
Schiedsrichter: Baumgart/Dinges (Neuried/Stutensee) – Zuschauer:3616 – Zeitstrafen: 4:10 Minuten – Disqualifikation: Mappes (Wetzlar) wegen Foulspiels (27.).  

Nächstes Spiel

08.10.2026 - 19:00 Uhr
Porsche-Arena

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