Grün-weißes Blut in den Adern
Mittlerweile ist es drei Tage her, dass die HSG Wetzlar in der 3. Rundes des DHB-Pokals den THW Kiel in der Wunderino Arena mit 32:31 bezwungen hat. Mittendrin waren drei waschechte Wetzlarer Jungs. Kapitän Till Klimpke, sein Bruder Ole und Youngster Tizian Weimer haben grün-weißes Blut in den Adern, sind mit und in diesem Verein aufgewachsen. Sie lassen uns im Rückblick an ihren Momenten an diesem besonderen Feiertag teilhaben.
Zuvor sagte uns Trainer Frank Carstens folgendes über die drei:
Till ist als unser Kapitän und Leistungsträger in Kiel voran gegangen und hat immer wieder in entscheidenden Momenten diesen Sieg möglich gemacht.
Ole hat in den letzten Wochen einige Extrarunden bei unserer zweiten Mannschaft gedreht, um seinen verletzungsbedingten Leistungsrückstand aufzuholen. Jetzt hat er sich mit seinem ersten Einsatz und seinen beherzten Aktionen selbst belohnt. Diese Entwicklung zeigt, wie sinnvoll eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen den Teams wirken kann.
Tizian unterstützt uns seit der Verletzung von Julian Fuchs hauptsächlich im Training und sorgt dort für ein hohes Leistungsniveau.
Doch jetzt kommen unsere Pokalhelden zu Wort.
Tizian, mit ein bisschen Abstand betrachtet - wie fühlt es sich an, den THW Kiel aus dem Pokal gekegelt zu haben?
Tizian Weimer: Immer noch sehr ungläubig würde ich sagen. Mein erstes Pokalspiel und dann Kiel, also ich kann es wirklich immer noch nicht glauben. In der Schule haben mich viele beglückwünscht, sogar mein Geschichtslehrer, der eigentlich Fußballfan ist, kam zu mir und hat gefragt: Was war denn da los? (lacht)
Wie war das am Dienstag für dich das erste Mal in die Wunderino Arena einzulaufen?
Tizian: Man kennt alles so ein bisschen von den Videos und aus dem Fernsehen. Aber dann selbst unten auf dem Feld zu stehen, ist etwas sehr Besonderes. Das ist alles viel größer als im Fernsehen. Und obwohl die Halle nicht ausverkauft war, war es trotzdem brutal laut als die Kieler eingelaufen sind. Das war eine sehr schöne Erfahrung.
War dir in dem Moment, wo Domen Novak die Zeitstrafe bekommen hat, klar, jetzt bin ich dran? Oder hätte es noch eine andere Option gegeben?
Tizian: Also eigentlich war das klar. Als es dann zum Videobeweis kam, hat Filip Mirkulovski zu mir gesagt, mach dich bereit. Und dann läufst du da raus aufs Feld und vor dir steht Magnus Landin, Patrick Wiencek und all die anderen, die du eigentlich nur aus dem Fernsehen kennst. Die sind fast so lange Profi, wie ich alt bin. (lacht) Das war schon unbeschreiblich.
Als Domen die zwei Minuten abgesessen hatte, musstest du wieder vom Feld. Warst du froh, oder hättest du gern länger gespielt?
Tizian: Ja, ich hätte schon gern noch länger gespielt, aber ich verstehe es natürlich. Domen hat ein Topspiel macht, da gibt es keinen Grund einen unerfahrenen Spieler wie mich spielen zu lassen.
Wie hat deine Familie reagiert?
Tizian: Sie sind sehr stolz. Meine Eltern waren tatsächlich noch wach als ich nach Hause kam, die haben auf mich gewartet.
Ole, du wurdest gut zehn Minuten vor Spielende eingewechselt, hattest ein paar gute Aktionen. In den letzten Minuten spielt Kiel im Angriff Sieben-gegen-Sechs. Hast du dir da vorgenommen, jetzt guck ich mal, dass ich denen den Ball klaue?
Ole Klimpke: Nee, gar nicht. Kiel spielt das so unglaublich gut, da kann man sich sowas einfach nicht vornehmen. Als er da hochgesprungen ist, hatte er keine andere Option mehr, als dahin zu spielen. Ich bin in den Ball rein, habe ihn rausgefangen und dachte kurz: Okay, was mache ich jetzt? (lacht)
Und dann hast du dir gedacht, jetzt renn ich einfach mal los und schaue was geht?
Ole: Wenn der Gegner im Sieben-gegen-Sechs spielt und man den Ball rausfängt, dann haben die eigentlich fast keine Chance noch mal zu wechseln und den Torhüter reinzubringen. Deswegen war es für mich nur vornherein klar, dass ich jetzt frei aufs Tor laufe. Ich habe noch zweimal geprellt, um sicherzugehen, dass wirklich keiner mehr hinterherläuft und mir noch irgendwie blöd den Ball rausschlägt oder seine Hand dazwischen bekommt.
Du hast etwa an der Mittellinie geworfen. Viele werden gedacht haben, warum läuft er nicht bis zur Sechs-Meter-Linie durch.
Ole: Das Risiko war mir zu hoch, jetzt noch irgendwie einen blöden technischen Fehler zu machen. Ich war mir eher sicher, dass ich das Tor treffe, als dann noch vier, fünf Mal zu prellen und dann rutscht der Ball, weil er nass ist, an einer blöden Stelle ab. Deswegen habe ich mich dafür entschieden, so früh zu werfen.
Das war das 32:30. Kiel kommt auf einen ran und Domen verballert den nächsten Angriff. Der THW ist wieder in Ballbesitz und kann ausgleichen. Und dann ist der Ball plötzlich wieder bei dir.
Ole: Vladimir Vranjes hat bei einem Anspiel an den Kreis die Hand dazwischen bekommen und hat den Ball rausgeschlagen. Ich habe ihn dann einfach aufgenommen und weitergespielt, damit wir den Ball sicher haben. Hauptsache irgendwie schnell nach vorne, dass die das irgendwie machen. (lacht) Ich hätte ihn wahrscheinlich auch einfach nur in die Ecke werfen können.
Wie fühlt sich so ein Sieg in Kiel an?
Ole: Es passiert nicht oft, wenn es überhaupt passiert, dass man in Kiel gewinnt. Das war Freude pur, bei jedem, der dabei war. Ich glaube, es dauert noch ein bisschen, bis ich das realisiere. Jeder hat seinen Beitrag dazu geleistet. Und deswegen haben wir alle gefeiert, in der Kabine und später im Bus.
Till, du hast den Kielern reihenweise den Schneid abgekauft, gegen Niklas Ekberg sogar einen Siebenmeter gehalten. Es waren auffällig viele Würfe von den Außenpositionen dabei. War das vorher so abgesprochen?
Till Klimpke: Nicht unbedingt. Ich weiß nicht, welche Absprache Frank mit der Abwehr hatte. Meist korrigiere ich das dann während des Spiels. Ich hatte dann am Dienstag ein ganz gutes Gefühl bei den Außen und gemerkt, dass die nicht so einen guten Tag erwischt hatten.
Gibst du dem Trainer vorher ein Zeichen, sprichst du das mit der Bank irgendwie ab?
Till: Nee, das mache ich direkt mit der Abwehr. Das sind so kleine Sachen im Spiel, die man dann verändern kann.
Es war auch für dich der erste Sieg in Kiel. Gab es diesen Moment, wo du gesagt hast, ich habe denen hier schon ein paar Bälle weggenommen, hier könnte was gehen?
Till: Ich glaube, das ist ganz schwierig zu sagen in Kiel. Wir haben uns vorgenommen, dass wir uns nie ablenken lassen, dass wir bei den Toren nie weit hinterher sein wollen. Dass das dann so gut klappt, hätte man sich vorher gar nicht so denken können. Aber mir war schon bewusst, dass da was drin sein könnte, da an dem Tag.
Ihr seid mit zwei Toren Vorsprung in die Pause. Hat das das Gefühl noch mal verstärkt?
Till: Ja, auf jeden Fall. Das ist schon immer eine ganz gute Kiste, vor allem auch für die Feldspieler, dann so viele Tore geworfen zu haben. Das ist für die auch schon mal ein sehr gutes Gefühl.
Du hast als Kapitän in der Kabine kurz bevor es rausgeht in die Halle das letzte Wort. Was hast du denn der Mannschaft am Dienstag in Kiel noch mit auf den Weg gegeben?
Till: Ach, das ist eigentlich immer fast gleich. Dass wir mutig ins Spiel reingehen, keine Angst haben und dass wir Spaß haben sollen.
Konntet ihr in dieses Pokalspiel in Kiel lockerer reingehen als in das Ligaspiel?
Till: In Kiel kannst du glaub ich immer locker reingehen. Wie man das dann umsetzt, ist eine andere Sache. In Kiel hat man nichts zu verlieren und da war am Dienstag die Einstellung besser da als beim Ligaspiel.
Lag wahrscheinlich auch mit daran, dass die erste Halbzeit im Ligaspiel so ein bisschen quer lief?
Till: Ja, natürlich. Wir haben ja gar nicht so schlecht gespielt, muss man ganz ehrlich sagen. Wir haben nur Tomas Mrkva eingeworfen, was wir dann jetzt beim Pokalspiel nicht gemacht haben.









