Mit neuem Mut ins Schwabenland
Nach dem emotionalen 30:30 gegen die Rhein-Neckar Löwen steht für die HSG Wetzlar bereits die nächste Aufgabe in der OPEL Handball-Bundesliga bevor. Am Donnerstagabend (19 Uhr) gastieren die Grün-Weißen beim TVB Stuttgart. Nach einer kämpferisch überzeugenden Vorstellung am vergangenen Freitag will die Mannschaft von Trainer Rúnar Sigtryggsson den positiven Schwung mitnehmen und beim Tabellenzehnten erneut überzeugen. Die personelle Situation bleibt allerdings angespannt.
Die aktuelle Situation der HSG Wetzlar: Moral, die Mut macht
Es war ein Abend, der trotz des verpassten Sieges Mut für die kommenden Aufgaben gemacht hat. Nach einem zwischenzeitlichen 6:12-Rückstand kämpfte sich die HSG Wetzlar gegen die Rhein-Neckar Löwen eindrucksvoll zurück, lag in der Schlussphase sogar mit 28:25 in Führung und musste sich am Ende mit einem 30:30-Unentschieden begnügen. Vor allem die Art und Weise, wie sich die personell stark geschwächten Grün-Weißen zurück in die Partie arbeiteten, sorgte für Zuversicht.
Angeführt von einem starken Bart Ravensbergen im Tor und mit einer über weite Strecken stabilen Defensive entwickelte sich im Laufe des Abends jene Energie, die es in den kommenden Wochen brauchen wird. Der Funke sprang dabei auch auf die Ränge der Buderus Arena über. Mannschaft und Fans trieben sich gegenseitig an und sorgten insbesondere in der zweiten Halbzeit für eine intensive Atmosphäre.
„Wir hatten mehr Stabilität als in den Spielen zuvor. Das lag an der sehr guten Leistung von Bart und der geringeren Anzahl an technischen Fehlern“, blickt HSG-Trainer Rúnar Sigtryggsson zurück. Ganz zufrieden ist der Isländer mit dem Punktgewinn dennoch nicht: „Ich finde es immer noch schade, dass wir nicht beide Punkte behalten haben – insbesondere wenn wir auf die Torchancen schauen, die wir in den Schlussminuten hatten. Wir müssen aber auch selbstkritisch feststellen, dass wir in der Crunchtime nicht mehr die defensive Kompaktheit hatten wie vorher.“
Nach sieben Spieltagen wartet die HSG bei 2:12 Punkten weiterhin auf den ersten Saisonsieg. Die Leistung gegen die Rhein-Neckar Löwen hat jedoch gezeigt, dass die Mannschaft auch unter schwierigen personellen Voraussetzungen in der Lage ist, sich gegen starke Gegner Chancen zu erarbeiten. Genau daran gilt es am Donnerstag anzuknüpfen.
Der Gegner: Kaufmanns Handschrift prägt den TVB
Mit dem TVB Stuttgart wartet eine Mannschaft, die seit dem Sommer 2025 deutlich die Handschrift ihres Trainers Misha Kaufmann trägt. Der Schweizer wechselte damals vom ThSV Eisenach nach Stuttgart und hat auch dort seine außergewöhnliche und äußerst unangenehm zu verteidigende Spielweise etabliert.
Im Angriff setzt der TVB immer wieder auf vier Rückraumspieler und verzichtet dabei phasenweise auf einen klassischen Kreisläufer. Im Mittelpunkt stehen zahlreiche Eins-gegen-Eins-Situationen und der permanente Versuch, die gegnerische Defensive in direkte Duelle zu zwingen. Dafür haben die Schwaben ihren Kader gezielt zusammengestellt und verfügen inzwischen über große Variabilität im Rückraum. Zu den Spielern, die für diesen Stil stehen, zählt auch der tunesische Nationalspieler Mohamed Amine Darmoul, der im Sommer von der MT Melsungen nach Stuttgart wechselte.
„Die Stuttgarter spielen konsequent im Stil von Misha Kaufmann. Das heißt im Angriff mit vier Rückraumspielern und ohne Kreisläufer. Sie sind in der Abwehr aggressiv und suchen dort – wie auch im Angriff – permanent die Zweikämpfe“, beschreibt Sigtryggsson den kommenden Gegner. „Kaufmanns Handschrift ist klar erkennbar. Er hat auch gezielt Spieler verpflichtet, die diese Art des Handballs gut umsetzen können. Hier haben sie mittlerweile eine enorme Breite im Kader. Von daher sieht man dort eine klare Entwicklung.“
Mit 7:7 Punkten rangiert der TVB nach sieben Spieltagen im Tabellenmittelfeld. Zuletzt mussten die Schwaben allerdings zwei Heimniederlagen hinnehmen. In der zweiten Runde des DHB-Pokals unterlag Stuttgart dem HC Erlangen mit 26:29, am vergangenen Sonntag folgte in der Handball-Bundesliga eine 27:30-Niederlage gegen den TBV Lemgo Lippe. Entsprechend dürfte die Mannschaft von Misha Kaufmann am Donnerstag vor eigenem Publikum auf Wiedergutmachung aus sein.
Die Zweikämpfe werden entscheidend
Für die HSG wird es in der Porsche-Arena insbesondere darum gehen, die hohe Intensität des Stuttgarter Spiels anzunehmen. Die Gastgeber suchen auf beiden Seiten des Feldes konsequent den direkten Kontakt und versuchen, mit ihrer unorthodoxen Spielweise immer wieder Unordnung beim Gegner zu erzeugen.
Für Sigtryggsson ist deshalb klar, welcher Faktor am Donnerstagabend entscheidend sein wird: „Es wird auf die Zweikämpfe ankommen. Wir müssen bereit sein, diese zu führen – vorne wie hinten. Das wird entscheidend sein.“
Gelingt es den Grün-Weißen, die Stabilität und Leidenschaft aus dem Löwen-Spiel erneut auf die Platte zu bringen und gleichzeitig die Zahl der technischen Fehler niedrig zu halten, will die HSG auch in Stuttgart ihre Chance suchen.
Personalsituation bleibt angespannt
Welche Spieler Sigtryggsson dabei zur Verfügung stehen werden, dürfte sich erst kurzfristig entscheiden. Definitiv fehlen wird Jona Schoch aufgrund seiner Gehirnerschütterung. Hinter den Einsätzen von Paul Kompenhans (Muskelverletzung im Oberschenkel), Doruk Pehlivan (Knöchelverletzung) und Josip Šimić (Wadenverletzung) stehen weiterhin Fragezeichen.
„Wir müssen schauen, wer zur Verfügung steht. Bislang hat noch keiner der vier trainiert“, erklärt Sigtryggsson. „Aber ich hoffe natürlich, dass der eine oder andere mitfahren kann. Die Zeit wird allerdings knapp.“
Dyn überträgt die Partie live und auf Abruf ab 18.45 Uhr. Hier kann man die Übertragung buchen.








