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Versöhnliches Rundenende: Fans verabschieden Mannschaft mit Applaus

HSG Wetzlar unterliegt dem deutschen Vizemeister SC Magdeburg mit 30:35 - Adam Nyfjäll, Lars Weissgerber und Thomas Reichel verabschiedet

Bild: Oliver Vogler

„Das war unfassbar beeindruckend. Wie lautstark das Publikum unserer Mannschaft nach dem Spiel applaudiert hat, trotz dieser total verkorksten Saison, zeigt, was wir für grandiose Fans haben“, sprudelte es aus Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp weit nach dem Schlusspfiff der Partie gegen den SC Magdeburg heraus. „Allein das muss für uns alle die Motivation sein, es in der kommenden Saison wieder besser zu machen.“

Zum Saisonabschluss der Handball-Bundesliga gerät das Ergebnis gegen Final Four-Teilnehmer in der Champions League zur Nebensache. Es wird trotzdem geehrt und gefeiert in und um die Buderus-Arena.

Draußen schmeckt das Bier bei strahlendem Sonnenschein doppelt gut, auch weil es zum halben Preis ausgeschenkt wird. Drinnen in der Buderus Arena wird minutenlang applaudiert, ehe ein kleiner Ehrungsmarathon startet. Beim letzten Saisonspiel der HSG Wetzlar gegen den SC Magdeburg ist der Handball nicht unbedingt die Hauptsache. Dass so beschriebenen „grandiosen Fans“ die Grün-Weißen nach der achtbaren 30:35-Niederlage nach dieser leidvollen Spielzeit in der Bundesliga feiern, spricht für den Sportsgeist der Anhänger.

Dass der SC Magdeburg ebenfalls von seinen mitgereisten Anhängern nach dem Schlusspfiff besungen wird, wird die Enttäuschung der Ostdeutschen über die verpasste Titelverteidigung etwas lindern. Und ganz am Ende dieses kurzweiligen Nachmittags verabschiedet HSG-Geschäftsführer Björn Seipp mit Adam Nyfjäll und Lars Weissgerber zwei Spieler und mit Thomas Reichel noch den Athletiktrainer. „Wie ihr mich und meine Familie aufgenommen habt, ist nicht selbstverständlich“, sagt der sicht- und hörbar bewegte Nyfjäll zum Abschied zu den Zuschauern.

Aber ein Abschied ist immer auch ein Neuanfang. Und so dürften für die HSG-Verantwortlichen nun die richtig stressigen Wochen beginnen. Denn diese Wetzlarer Mannschaft benötigt Verstärkungen in allen Bereichen. Und vor allem auch einen neuen Trainer, da der Sportliche Leiter und Interimscoach Jasmin Camdic nicht auf der Bank bleibt.

Handball wurde an diesem strahlenden Sommertag zuvor auch noch gespielt. Und das sogar teils sehenswert. Obwohl Magdeburg im Fernduell mit Kiel zuvor schon keine echte Titelchance mehr besaß und die Domstädter auf dem drittletzten Tabellenplatz so fest klebten wie ein paar rührige Klimaaktivisten auf der Autobahn, bescherten beide Teams den Zuschauern kurzweilige Unterhaltung. Kurzweilig auch deshalb, weil die Abwehrreihen nicht mehr mit letzter Konsequenz zur Sache gingen.

Aufreibend sind die ersten Minuten aus Wetzlarer Sicht aber durchaus. Da scheint sich ein Desaster anzubahnen. Der Drittletzte beginnt so luftleer und produziert zunächst einige Flüchtigkeitsfehler im Angriff. Ohne sich allzu groß mühen zu müssen, geht der zu diesem Zeitpunkt noch Deutsche Meister mit 4:1 in Führung.

Das sieht nicht gut aus. Das sieht gar nicht gut aus. Das geht aber tatsächlich ganz gut weiter für die Gastgeber, die sich plötzlich zusammenreißen. Warfen zuvor noch Nyfjäll, Weissgerber und Stefan Cavor noch einige Fahrkarten, so treffen die Grün-Weißen in der Folge besser.

Und als der überzeugende Nyfjäll nach Cavors tollem Zuspiel auf 6:7 verkürzt und Weissgerber einen Tempogegenstoß zum 7:7 verwertet, ist Bennet Wiegert so erbost, dass der SC-Coach prompt die Auszeit nimmt. Seine Mannen gehen danach etwas zielstrebiger vor. Das reicht aus, dass sich der Gast wieder etwas absetzen kann. Da die Grün-Weißen nun zudem wieder unterstreichen, dass sie im Auslassen bester Chancen so etwas wie titelwürdig sind, führt Magdeburg zur Pause mit 18:15. „Wir haben das heute schon clever gemacht“, lobt später aber Camdzic seine Mannen für ihre Abwehrarbeit, aber auch die Geduld im Angriff. 

Der Favorit macht kurz nach der Pause für kurze Zeit ernst. Zum Glück nur kurz. Beim 24:31 durch den nie zu stoppenden Kay Smits sieht es wieder zappenduster aus für die Gastgeber (49.). Doch an diesem Tag kocht auch Magdeburg nur mit Wasser. Das Wiegert-Team wirft HSG-Torwart Till Klimpke regelrecht heiß und versemmelt zahlreiche beste Möglichkeiten. Und da Nyfjäll und Cavor vorne für die Domstädter treffen, hält sich die Niederlage letztlich im Rahmen.

Die Mittelhessen verkürzen in der Schlussphase noch auf 30:34 (57.). Stefan Cavor ist es, der das letzte Saisontor der HSG Wetzlar in der Jubiläumssaison erzielt. „Wir sind sehr froh, dass die Runde vorbei ist. Wir haben alles gegeben, auch wenn es nicht immer gut war. Ich glaube, wir werden eine gute nächste Saison spielen“, verspricht „Caki“ nach dem Schlusspfiff. Mehr als das achtbare Ergebnis geht aber auch nicht in den letzten Minuten. Mehr ist aber auch nicht nötig, um die nimmermüden grün-weißen Stehplatzfans zu minutenlangem Applaus zu animieren. Ein kleiner Trost nach einer phasenweise trostlosen Saison. Doch wie auch immer: Das Bier in der Sonne schmeckt schließlich allen.

Stenogramm:

HSG Wetzlar: T. Klimpke, Grazioli; Nyfjäll (7), Schmidt (1), O. Klimpke, Becher (3/2), Weissgerber (3), Schelker (1), Fredriksen (1), Pliuto, Wagner (5), Mellegard (2), Novak (2), Cavor (5).

SC Magdeburg: Jensen, Portner; Meister (1), Chrapowski, Lipovina (1), Musche (4), Kristjansson (2), Pettersson (2), Hornke, Weber (2), Mertens, Saugstrup (3), Bezjak (1), Smits (10/3), Damgaard (4), Bergendahl (3).

Schiedsrichter: Fabian Baumgart/Sascha Wild - Zuschauer: 4.051.

Nächstes Spiel

27.09.2026 - 18:00 Uhr
Sporthalle Hamburg

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